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Kommentar: Sittenverfall

Der Vorwurf wiegt schwer: Maik Franz soll den Afrikaner Aristide Bancé rassistisch beleidigt haben. Und solche Anschuldigungen erhebt man normalerweise nicht leichtfertig und ohne Grund. Aber stimmen sie denn auch? Von Thomas Kilchenstein

Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Der Vorwurf wiegt schwer: Maik Franz soll den Afrikaner Aristide Bancé rassistisch beleidigt haben. Und solche Anschuldigungen erhebt man normalerweise nicht leichtfertig und ohne Grund. Aber stimmen sie denn auch? Das weiß derzeit keiner, weswegen der DFB-Kontrollausschuss gut beraten war, die beiden Kontrahenten zur Anhörung in die Zentrale in den Frankfurter Stadtwald zu bitten, um Licht in die Angelegenheit zu bringen. Auch wenn das nach derzeitigem Kenntnisstand nicht einfach wird, weil Aussage gegen Aussage steht. Wem soll man Glauben schenken? Und geht es überhaupt um Glauben? Nein. Es kann nur um Tatsachen gehen. Und wenn sich herausstellen sollte, dass Maik Franz tatsächlich in dieser Form Bancé beleidigt haben sollte, dann ist eine Grenze überschritten. Solche Ausbrüche sind nicht zu tolerieren.

Maik Franz, jenseits des Platzes ein höflicher, offener junger Mann, bietet natürlich mit seiner Interpretation von Fußball reichlich Angriffsfläche. Er ist mitunter provokant, unflätig, nervig, ja auch unsportlich, er tut das für den Erfolg seiner Farben. Aber wie weit ist er für drei Punkte bereit zu gehen? Er mag ein Rüpel auf dem Platz sein, aber auch ein Rassist? Gehören rassistische Beleidigungen zu seinem Spiel dazu? Maik Franz bestreitet aufs Heftigste, derlei Äußerungen getätigt zu haben. Mit seinem manchmal grenzwertigen Auftreten auf dem Sportplatz macht er sich aber leicht angreifbar.

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Und der Mainzer Aristide Bancé? Hat er, nach einer Nacht des Überlegens, womöglich kalt berechnend, die Karte Rassismus gespielt, wohlwissend, dass ihm, dem Wiederholungstäter, wegen der obszönen Geste nach Spielende eine Strafe droht? Oder ist er wirklich das Opfer, das, tief getroffen von den Schmähungen, seinem Herzen einfach Luft machen musste und, wie der Mainzer Manager Christian Heidel meinte, nur auf die unsäglichen Provokationen reagierte?

Wir wissen es nicht. Möglich ist vieles. Möglich ist auch, dass die Wahrheit gar nicht ans Licht kommt. Dass aber überhaupt über derlei unappetitliche Dinge verhandelt werden muss, ist ein weiteres Zeichen für einen Verfall der Sitten in der Liga.

Autor:  Thomas Kilchenstein
Datum:  8 | 12 | 2009
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