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Kommentar: Spycher hat sich unentbehrlich gemacht

Christoph Spycher hat sich in den zurückliegenden fünf Jahren nahezu unentbehrlich gemacht, weil er mehr war als nur Spieler. Von Thomas Kilchenstein

Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Thomas Kilchenstein ist Sportredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Natürlich ist der Weggang von Christoph Spycher ein Verlust für Eintracht Frankfurt. Denn es gab kaum einen Spieler, selbst der deutlich extrovertierte Ioannis Amanatidis nicht, der die Mannschaft so geprägt hat, wie der stille Schweizer. Er hat sich in den zurückliegenden fünf Jahren nahezu unentbehrlich gemacht, weil er mehr war als nur Spieler. Das Wort des mittlerweile 32-Jährigen hatte großes Gewicht im Kreis der Spieler.

Kein anderer hatte so viel Einfluss auf die Kollegen wie er. Dabei musste Spycher nicht laut werden. Er musste nicht das dickste Auto fahren und nicht die größte Klappe riskieren. Er musste nicht einmal der beste Fußballer sein. Aber er strahlte Kraft seiner Intelligenz eine natürliche Autorität aus, man nahm ihm ab, was er sagte und tat. Er führte die Mannschaft auf dem Rasen, mit leisen Kommandos und aufmunternden Gesten.

Spycher war eine Führungspersönlichkeit, wie sie sich jeder Trainer nur wünschen kann, loyal, zuverlässig, integer. In den entscheidenden Phasen war es Spycher, der die Mannschaft auf Linie gebracht oder zusammengehalten hat. Vor allem in schwierigen Zeiten. Dann trommelte er alle zusammen, man ging gemeinsam essen oder traf sich bei ihm zu Hause in Hofheim zur Krisenbewältigung. Zuletzt vor dem Spiel bei Hertha BSC Berlin in der Hinrunde. Kurz zuvor hatte die Eintracht 0:4 in Leverkusen verloren und Trainer Michael Skibbe seine berühmt-berüchtigte Wutrede gehalten. Das alles wird künftig fehlen. Christoph Spycher wird bei der Eintracht eine Lücke hinterlassen

Und der Wechsel zu Young Boys Bern, einem Champions League-Teilnehmer, ist aus seiner Sicht natürlich nur zu logisch. So oft bekommt ein 32-Jähriger nicht noch einmal einen Dreijahresvertrag angeboten, noch dazu mit einer beruflichen Absicherung nach der Karriere. Ohnehin hat Spycher nie ein Hehl daraus gemacht, zurück in die Schweiz zu gehen, nun geht es zurück in die Heimat.

Und ein derartig werthaltiges Angebot konnte (und wollte) die Eintracht ihrem Kapitän nicht mehr machen. Das ist aus sportlichen Gesichtspunkten durchaus legitim, wer weiß denn, wie lange Spycher sein Niveau noch zu halten in der Lage sein wird. Ganz sicher werden einige dem linken Außenverteidiger noch so manche Träne nachweinen. Doch der Zeitpunkt des Abschieds ist klug gewählt.

Autor:  Thomas Kilchenstein
Datum:  28 | 4 | 2010
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