Matmour trifft für Eintracht Frankfurt: Ein guter Tag für den verkappten Torjäger
Hört gar nicht mehr auf zu grinsen Karim Matmour (2. v.li.) Foto: S. Krieger
Hört gar nicht mehr auf zu grinsen Karim Matmour (2. v.li.) Foto: S. Krieger
In der Hinrunde war Karim Matmour vorwiegend Kurzarbeiter und Joker. Nach gelungener Vorbereitung trumpft der Algerier bei der Eintracht nun auch im Spiel auf. Gegen den FSV überrascht Matmour mit dem ersten Dreierpack seiner Karriere.
Hinterher kam Karim Matmour kaum noch aus dem Grinsen heraus, ach was Grinsen. Der Mann strahlte übers ganze Gesicht, er lachte und erzählte und absolvierte den Slalom in den Stadion-Katakomben an den Reportern mit und ohne Kamera vorbei mit der gleichen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit wie er zuvor an den FSV-Verteidigern vorbeigedribbelt war.
Drei Tore in einem Spiel waren dem Flügelmann noch nie gelungen in seiner Profi-Karriere, „zwei schon, aber noch nie drei“, sagte er. Und: „Drei Tore in einem Spiel − das ist ein guter Tag für jeden Spieler.“
Es war tatsächlich ein guter Tag gewesen für den Algerier, der mit fünf Geschwistern in Straßburg aufgewachsen ist, ehe er 2004 nach Freiburg zum SC wechselten.
Es war ein Tag, an dem der 26-Jährige immer richtig postiert war, egal, wohin der Ball auch rollte. Beim Führungstor (14.) stand Matmour zentral vor dem Tor, beim 2:0 (33.) rauschte er von rechts heran und donnerte den Abpraller unters Tordach, bei seinem dritten Treffer (80.) drückte er eine Flanke von Sebastian Rode von links ins Tor.
Fit in Doha
Drei Treffer in einem Spiel − damit konnte keiner rechnen, Matmour nicht, der sich im Verlaufe seiner Karriere nicht gerade einen Namen als eiskalter Vollstrecker gemacht hat, und auch nicht FSV-Trainer Benno Möhlmann. Der räumte augenzwinkernd ein, seine Mannschaft nicht darauf hingewiesen zu haben, dass „Matmour auch ein Torjäger ist“.
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Ist Karim Matmour ja auch nicht. Er ist eher Vorbereiter als Knipser, etwa so, wie er das 4:0 dem Jungmann Sonny Kittel auflegte, am Flügel abgehend und dann präzise zurückspielend.
Es steht aber jetzt auch ein anderer Matmour auf dem Rasen als jener aus der Hinrunde. „In der Hinrunde hat man nicht den echten Karim gesehen“, hatte er schon in Doha im Trainingslager gesagt. Endlich habe er mal wieder eine komplette Vorbereitung absolvieren können, das war ihm seit Jahren nicht vergönnt gewesen.
Matmour liegt das System
Mal stand eine WM in Südafrika an, mal, wie im letzten Sommer, eine Nasen-Operation, die ihn in Frankfurt anfangs beeinträchtigte. Im Trainingscamp in Katar gab der algerische Nationalspieler richtig Gas, er arbeitete hochseriös, trug zwecks schnellerer Regeneration gar lange Thrombosestrümpfe, er galt schnell als der Gewinner des Trainingslagers.
Gut dabei - Sebastian Rode: Imposante Leistung, unglaubliches Laufpensum, klaute den FSV-Profis die Bälle mit spielerischer Leichtigkeit, kurbelte das Angriffsspiel an. Mit den meisten Ballkontakten (92) aller Spieler.
Gut dabei - Erwin Hoffer: Zu schnell für die hüftsteife Bornheimer Abwehr, immer einen Schritt flinker und auch cleverer. Bereitete zwei Treffer vor, führte bei seinem eigenen Tor zum 5:1 FSV-Stopper Gledson vor. Hat nun sechs Saisontreffer auf seinem Konto.
Gut dabei - Alexander Meier: Sehr präsent, sprühte vor Spielfreude, versuchte die riskanten, entscheidenden Bälle, auch wenn dieses Mal nicht alle Pässe ankamen. Stand einmal richtig, machte das 3:0. Seinen elfter Treffer.
Gut dabei - Matthias Lehmann: Das vielleicht beste Spiel im Eintracht-Dress. Machte das Spiel schnell, mit zwei, drei sehr guten Pässen. Bereitete das dritte Tor mustergültig vor, da ließ er Gledson locker stehen.
Gut dabei - Oka Nikolov: Kaum gefordert, selten geprüft, aber einmal, nach 22 Minuten, da war er hellwach, als er den frei stehenden Micanski abkochte und die größte FSV-Chance gekonnt zunichte machte.
Ganz okay -Sebastian Jung: Hielt Gaus locker in Schach und dem groß aufspielenden Matmour den Rücken frei. Offensiv nicht so spektakulär, aber mit den meisten Flanken (fünf).
Ganz okay - Benjamin Köhler: Leitete das 2:0 mit einem klugen Pass ein, zog gekonnt die Fäden, ohne das Spiel wirklich zu dominieren. Im Zweikampf mit Huber klarer Sieger.
Ganz okay - Heiko Butscher: Machte seine Seite dicht, ließ nichts anbrennen. Nach vorne dieses Mal nicht so effektiv und schwungvoll. Aber das ist nicht seine Hauptaufgabe.
Ganz okay - Bamba Anderson: Der bessere der beiden Innenverteidiger, lief einige Bälle ab. Warum aber spielt er so viele Rückpässe zum Torwart?
So lala -Gordon Schildenfeld: Nach seinen zwei starken Partien gegen Braunschweig und in Düsseldorf mit einem Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten. Unkonzentriert, ungeordnet, mit Stellungsfehlern. Hüpfte einmal völlig unmotiviert unter dem Ball hindurch. Fing sich im Laufe des Spiels gegen harmlose FSV-Angreifer. Und doch: Das geht deutlich besser.
Schwächelnd - Kein Eintrag.
Sonderlob - Sonny Kittel: Klasse Einstand beim zweiten Saisoneinsatz: Stand gerade mal zwei Minuten auf dem Feld, da erzielte er mit rechts sein erstes Tor als Profi. Das hat er cool gemacht.
Primus - Karim Matmour: Was für ein Auftritt: Drei Tore selbst gemacht, dreimal aus kürzester Distanz zur Stelle. Einmal bereitete er noch mustergültig vor. Hut ab. Viel besser geht es nicht. Hat sich unverzichtbar gemacht.
So lala - Alexander Huber: Sorgte auf seiner rechten Seite wenigstens ein paar Mal für etwas Entlastung nach vorne. Der etwas weniger Schwächelnde in einer schwachen Viererkette.
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd Chadli Amri: Überraschte gleich zu Beginn durch zwei sinnfreie Zuspiele. Kein Vergleich zu seinen ersten beiden Spielen für die Bornheimer. Ein Schatten seiner selbst − trotz Torvorlage.
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd Samil Cinaz: Der Kapitän holte sich eine blutige Lippe ab. Wirkte zentral vor der Abwehr überraschend orientierungslos.
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Schwächelnd Ilian Micanski: Vom Knipser zum Chancentod. Schon gegen Ingolstadt ein Ausfall vor dem Kasten. Trifft nur, wenn er den Fuß hinhält und nicht denken muss.
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Schwächelnd Marcel Gaus: Nach den guten Kritiken zum Restrundenauftakt diesmal schwach. Sitzt nächsten Sonntag definitiv auf der Tribüne − fünfte Gelbe Karte.
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Schwächelnd Björn Schlicke: Wusste sich gegen Hoffer meist nur mit Fouls zu helfen. Ist eben nicht der Schnellste. Weiß er aber selbst.
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd.Ju-Tae Yun: Der Gewinner des Trainingslagers auf Mallorca war am Samstag einer der großen Verlierer. Versiebte kurz vor der Pause die Chance zum Anschlusstreffer. Bolzte den Ball völlig frei „fast bis nach Bornheim“ (Stöver).
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd Zafer Yelen: Kam nach einer Stunde für Yun, machte es aber nicht besser. Keine Bindung zum Spiel, allerdings war das zu diesem Zeitpunkt auch längst gelaufen.
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Schwächelnd Marc Heitmeier: Was war das denn? Holperte im defensiven Mittelfeld umher. Das hat er schon besser hingekriegt. Trainer Möhlmann zog nach einer halben Stunde die Reißleine und wechselte ihn aus.
Foto: S. Krieger
Schwächelnd Yannick Stark: Nutzte seine Chance nicht. Sollte es besser machen als Heitmeier. Doch er machte dort weiter, wo sein Kollege vor ihm aufgehört hatte. Wirkte viel zu ehrfürchtig, vielleicht auch übermotiviert. Seine zwei Pässe ins Seitenaus sprechen Bände.
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd Nils Teixeira: Tja, und dann ist da noch der linke Außenverteidiger. Erinnerte mit seinem Spiel an seine missratene Hinrunde. Möhlmann wird sich etwas einfallen lassen müssen. Neuzugang Denis Cagara stand bislang aber noch nicht einmal im Kader, fehlte am Samstag krankheitsbedingt. Aber ist er wirklich eine Alternative?
Foto: Stefan Krieger
Schwächelnd Gledson: Der Innenverteidiger erwischte einen rabenschwarzen Tag. In der Luft mag der Brasilianer eine Wucht sein, am Boden ist er limitiert. Ließ sich vor dem 0:3 von Lehmann auf engstem Raum mit einer simplen Körpertäuschung austricksen. Nicht viel mehr Mühe hatte Hoffer auf seinem Weg zum 5:1. Eine durchweg schaurige Vorstellung.
So lala - Patric Klandt: Bemitleidenswert, weil ziemlich alleingelassen von seinen Vorderleuten. Hielt, was zu halten war. Das war nicht viel. Legte Matmour nach guter Parade das 0:2 auf − patschte ihm den Ball vor die Füße. Das war Pech.
Tatsächlich schaffte er es in die erste Elf, auch weil Trainer Armin Veh statt der Raute mit einem 4-2-3-1-System spielte, ein System, das Matmour dank seiner Schnelligkeit liegt. In dieser Woche hat Trainer Veh seinen Flügelspieler zur Seite genommen und ihm gesagt, mit seinen Fähigkeiten müsste er pro Saison mindestens zehn Tore schießen. Dann hat er noch den Fleiß des ehemaligen Gladbachers gelobt, „und dieser Fleiß ist jetzt belohnt worden.“
Ellbogencheck gegen Cinaz
Allerdings weißt Matmour gewisse Defizite im taktischen Verhalten auf, er zieht oft zu früh in die Mitte, übertreibt bisweilen das Dribbling. Gegen den FSV ist ihm zudem ein Ellbogencheck gegen Samil Cinaz unterlaufen, der FSV-Mittelfeldspieler trug eine aufgeplatzte Lippe davon. „War keine Absicht“, beteuerte Matmour.
Bislang ist Karim Matmour eher als Kurzarbeiter, als Joker, auffällig geworden. Drei seiner sechs Tore hat er als Einwechselspieler in letzter Minute erzielt (Greuther Fürth, Ingolstadt und Aachen), seine Tore waren wertvoll, sie brachten der Eintracht allein fünf Punkte.
Die Rolle als Joker hat Matmour weniger gefallen, in der neuen fühlt er sich wohler.
Man kann das verstehen. „Jetzt“, sagte er, „habe ich mehr Zeit, meine Tore zu erzielen.“
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