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Michael Skibbe: "Ich möchte die Eintracht verändern"

Der Frankfurter Trainer Michael Skibbe spricht im FR-Interview über seine Philosophie, die Vergleiche mit Barcelona und Scharmützel mit Boss Heribert Bruchhagen.

Hat neue Zeiten  angestoßen: Eintracht-Trainer Michael Skibbe.
Hat neue Zeiten angestoßen: Eintracht-Trainer Michael Skibbe.
Foto: Jan Hübner

Herr Skibbe, haben Sie sich in Ihrer Mannschaft getäuscht?

Nein, im Gegenteil. Warum?

In der Winterpause prophezeiten Sie, perspektivisch sei keine Entwicklung möglich, die Eintracht sei an ihre Grenze gestoßen. Und nun ist Ihre Mannschaft das Team der Stunde.

Ich wollte damals ausdrücken: Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir etwas verändern. Im Winter war es so, dass wir einfach einen Stürmer brauchten. Denn nach vorne hatten wir überhaupt keine Kraft, in den gegnerischen Sechzehnmeterraum zu kommen. Und es hat uns die Schnelligkeit gefehlt. Das ist mit Halil Altintop viel besser geworden, deshalb war seine Verpflichtung ein ganz wichtiger Schritt. Jetzt können wir gutes Pressing spielen, weil wir sehr laufstarke Spieler haben.

Es fällt auf, dass Ihre Mannschaft spielerisch auftrumpft. Überrascht Sie das?

Nein, aber Sie haben recht: Was uns in Deutschland viel Respekt eingebracht, ist, dass wir eine fußballerisch gute Entwicklung genommen haben. Das wird vor allen Dingen von meinen Trainerkollegen wahrgenommen und anerkannt. Das ist das schönste Lob.

Mal ganz salopp gefragt: Wie bringt man einer Mannschaft das Fußball spielen bei?

Es ist ja so, dass die Mannschaft großes spielerisches Potenzial mitbringt. Die Köhlers, Meiers, Russ´, Jungs - das sind richtig gute Fußballer. Das war mir schon bei Amtsantritt bewusst, und nun haben sich die Spieler noch entsprechend weiterentwickelt. Und im Training liegt der Fokus natürlich auf spielerischen Lösungen. Manchmal übertreibt das die Mannschaft sogar, manchmal muss man den Ball auch wegknallen. Aber trotzdem: Wenn man immer nur den Sicherheitsgedanken als ersten denkt, wird man den Ball immer nur rausschlagen und weniger spielen. Deshalb bin ich ein Verfechter davon, den spielerischen Gedanken umzusetzen. Das Wichtigste ist, dass der Spieler sich traut.

Ihr Training, sagten Sie einmal, sei vergleichbar mit dem des FC Barcelona. Ein gewagter Vergleich. Oder können Sie das jetzt präzisieren?

Wir hatten im Februar eine Trainertagung in Stuttgart, da hat der Jugendkoordinator des FC Barcelona einen Vortrag gehalten, wie bei Barca von der Jugend bis zu den Profis einheitlich trainiert wird, nämlich mit ganz vielen Spielformen - die wir in nahezu identischer Weise so auch trainieren. Ich habe mich mit dem Kollegen danach länger ausgetauscht und ihm gesagt, dass meine Trainingslehre eigentlich auf dem holländischen System beruht, weil ich beim PSV Eindhoven und bei Ajax Amsterdam hospitiert habe. Er sagte, viele Trainingsformen gingen beim FC Barcelona auf Johan Cruyff zurück, dass also der niederländische Einschlag dort ebenfalls gegenwärtig ist. Natürlich ist das in Barcelona ein anderes Niveau als bei uns, aber die Idee des Fußballs kommt der meinen sehr nahe: wenige Ballkontakte, schnelles, direktes Spiel.

Das Training hat sich verändert unter Ihrer Regie, auch die Außendarstellung. Sie haben das Sicherheitsdenken abgeschafft.

Was mich auf die Palme gebracht hat, war diese Denke: ,Wir sind eben nicht besser.´ Da könnte ich im Dreieck springen. Denn wer nur zurückweicht, wer nicht an sich glaubt, der ist halt auch wirklich nicht besser.

Und dieses dicke Brett mussten Sie bohren?

Ja. Als ich das Angebot der Eintracht bekam, habe ich mit Rudi Völler gesprochen. Er kennt sich ja hier aus, und er hat mir gesagt: ,Wenn du den Job annimmst, dann gehe nicht hin und sage: ,Wir sind klein, die oben sind alle besser. Das kann in Frankfurt kein Mensch mehr hören. ´ Rudi hatte Recht. Und es ist für eine Mannschaft ja auch psychologisch wichtig, dass sie gesagt bekommt, was sie drauf hat und dass sie eine gute Qualität hat.

Das heißt, Ihre öffentliche Kritik war auch bewusst gewählt.

Zum Teil. Ich wollte ja auch nur sagen: ,Wir müssen Sachen überdenken, wir müssen mal was anderes machen.´ Denn wenn ich meine Tochter in die Schule schicke und ihr sage: ,Mathe kannste eh nicht, du schreibst sowieso eine Fünf´, dann darf man sich nicht wundern, wenn sie auch eine Fünf nach Hause bringt. Wenn man aber positiv an die Sache rangeht, sie unterstützt, ihr Mut zuspricht, dann kann da auch eine Drei bei herausspringen. Das hat mir, im übertragenen Sinne, hier gefehlt. Und ich habe in der Stadt gespürt, dass die Menschen hier etwas anderes wollen. Die Zuschauer waren ja schon nach einem 6:4 im Pokal total begeistert - gegen den Zweitligisten Aachen.

Sie forderten, die Eintracht müsse sich in allen Bereichen verbessern. Hat sich etwas verbessert?

Wir sind in Sachen Spielbeobachtung und Scouting auf einem guten Weg, auch durch das neue Leistungszentrum wird die Eintracht eine bessere Entwicklung nehmen. Die Eintracht hat genauso großes Potenzial wie Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund. Hier ist vieles möglich. Aber das Denken hin zum Positiven musste sich verbessern. Und da sind wir im Verein jetzt schon ein großes Stück weiter gekommen, hier sprechen jetzt sehr, sehr viele davon, dass sich was bewegt, dass sich was tut und dass sich was entwickelt. Ich bin nicht mehr der Einzige, der sagt: ,Hier muss was passieren.´

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Datum:  7 | 4 | 2010
Seiten:  1 2
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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