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Michael Skibbe: Der Tempomacher

Michael Skibbe ist der erste Chefrainer der Profimannschaft seit einer gefühlten Ewigkeit, der einer Hauptversammlung des eingetragenen Vereins Eintracht Frankfurt beiwohnte. Das brachte ihm viel Sympathie ein. Seine Rede auch.

Eintracht-Cheftrainer Michael Skibbe auf dem Podium bei der Hauptversammlung des Vereins (Archiv).
Eintracht-Cheftrainer Michael Skibbe auf dem Podium bei der Hauptversammlung des Vereins (Archiv).
Foto: Storch

Der Dienstag ist gewöhnlich der längste Arbeitstag für die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt. Nun stand sogar zwischen einer anderthalbstündigen Trainingseinheit mit dem Ball (vormittags) und einem dreiviertelstündigen Waldlauf (nachmittags) noch mehr auf dem Tagesprogramm: Um kurz vor zwölf Uhr fuhren Trainerstab und Spielerkader im Mannschaftsbus zur Trauerfeier der langjährigen Geschäftsstellenmitarbeiterin Ute Hering, die altgediente Eintrachtler als "Seele des Vereins" in Erinnerung behalten. Für Michael Skibbe war es eine Selbstverständlichkeit, dem Wunsch des Präsidiums Folge zu leisten, "auch wenn nicht alle Trainer und Spieler Frau Hering gekannt haben".

Genauso selbstverständlich erschien dem 44-Jährigen rückblickend sein bemerkenswerter Auftritt auf der Jahreshauptversammlung am Montagabend. Dort hatte der Fußballlehrer seine ganze Redekunst genutzt. Sein allerletztes Wort dabei lautete "irgendwie". Der vorhergehende Satz hieß: "Wir wollen alle eine Schippe drauflegen - irgendwie." Es war des Trainers Antwort auf die Frage eines Eintracht-Mitglieds, wie genau denn seine Manöverkritik nach dem Debakel in Leverkusen zu deuten gewesen sei.

Eintracht Frankfurt
Fenin wieder fit

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Martin Fenin hat am Dienstag bereits wieder mit der Mannschaft trainiert. Der 22-jährige Tscheche ist überraschend fit geworden, nachdem ihm die Münchner Spezialistin Ulrike Muschaweck zwei nicht zusammengewachsene Nerven in der Leiste operiert hat. "Das war ein minimaler Eingriff, der Wunder bewirkt hat", so Trainer Michael Skibbe.

Ümit Korkmaz und Maik Franz setzten wegen leichter Blessuren aus. Korkmaz hat in Berlin einen Schlag auf die Wade bekommen, "da hat der Muskel zugemacht", berichtete Skibbe. (hel)

Zweimal hastete er aufs Podium. Am Ende sollte Skibbe viel Lob und Applaus dafür erhalten, dass er sich den Mitgliedern stellte und vorstellte - der 44-Jährige war der erste Trainer der Profimannschaft seit einer gefühlten Ewigkeit, der einer Jahreshauptversammlung des Vereins beiwohnte. "Für mich ist das normal, ich kenne das nicht anders", sagte der gebürtige Gelsenkirchener, der schon viele Versammlungen seines Heimatvereins, FC Schalke 04, erlebt hat und deshalb sogleich das "tolle Niveau" des Eintracht-Mitgliedertreffens lobte. Der Mann weiß, was sich gehört.

Skibbe sprach spontan, auf Wunsch von Vereinspräsident Peter Fischer − "wäre das geplant gewesen, hätte ich mich anders angezogen". Er sprach nach Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Der hatte emotional wie nie zuvor seine Politik der ruhigen Hand vereidigt. Mit ihm werde Eintracht Frankfurt keine Schulden machen und nicht ins Risiko gehen. Auch wenn er spüre, dass er "förmlich erdrückt" werde von Wünschen, Hoffnungen und Erwartungen.

Bruchhagens kämpferische Ausführung war die verspätete Antwort auf Skibbes Fundamentalkritik. Der Trainer, der mit viel Beifall empfangen und auch entlassen wurde, nahm das zur Kenntnis, er trat eloquent wie eh und je auf, er begrüßte die Anwesenden sogleich mit "liebe Adlerträger", es schien, als wirke er nicht erst fünf, sechs Monate, sondern schon seit fünf, sechs Jahren in Frankfurt.

Berechtigtes Anspruchsdenken

Er hob das "berechtigte Anspruchsdenken der AG" hervor. Im nächsten Atemzug äußerte er Verständnis für die Nöte des Muttervereins, "dem es vielleicht nicht nur darum geht, dass wir das nächste Spiel gewinnen", sondern eben darum, dass "er als Verein noch viele Jahrzehnte gut funktioniert". Skibbe, der Mann fürs große Ganze. Oder: Ein Trainer, der sich wie ein Vorstandsvorsitzender anhört.

Skibbe ist sich dessen bewusst, wie schwer es ist, den Spagat zu schaffen zwischen "dem Tagesgeschäft und dem Weitblick". Und doch bekräftigte er, dass der Klub zwar "sein eigenes Profil" haben müsse, "aber auch die Handschrift des Trainers erkennen lässt". Für ihn sei es "total wichtig, Bewegung in den Verein zu bringen".

Skibbe, ganz der unbequeme Querdenker, will sich mit dem Status quo nicht zufriedengeben. "Es war hier gut so, wie es gemacht wurde. Aber vielleicht geht es noch ein bisschen besser." Er wünscht sich, "näher heranzurücken an die Topvereine", er spüre schließlich: "In Frankfurt ist die Sehnsucht nach gutem Fußball sehr groß."

Autor:  Ingo Durstewitz und Frank Hellmann
Datum:  1 | 12 | 2009
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