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Pirmin Schwegler: "Wir waren zu ängstlich"

Eintracht-Profi Pirmin Schwegler spricht im FR-Interview über die Blamage gegen die Bayern, die Nationalelf und Benjamin Huggel.

Die Bayern waren zwei, drei Klassen besser als wir, sagt Pirmin Schwegler. Seinen Wechsel nach Frankfurt hat er dennoch nicht bereut.
"Die Bayern waren zwei, drei Klassen besser als wir", sagt Pirmin Schwegler. Seinen Wechsel nach Frankfurt hat er dennoch nicht bereut.
Foto: ddp

Herr Schwegler, wie tief sitzt der Frust nach dieser Blamage gegen die Bayern?

Sehr tief. Wir konnten den Münchnern nicht das Wasser reichen, das war auch kein Klassenunterschied, die Bayern waren zwei, drei Klassen besser als wir. Wir hatten null Chancen.

Weshalb?

Wir haben es nicht geschafft, an unsere Grenzen zu gehen, und die Bayern haben halt einen Sahnetag erwischt. Dann kann es schon mal so ausgehen. Wir sind immer einen Schritt zu spät gekommen, wir waren zu ängstlich, haben nur reagiert und nicht agiert. Das kann dann nicht gut gehen. So eine Niederlage tut schon weh.

Kann so ein Spiel der Mannschaft einen Knacks geben?

Das glaube ich nicht. Wir müssen aber schnell umschalten, die Pleite abhaken und unsere Konzentration auf Bochum richten. Das wird ein entscheidendes Spiel.

Sie hätten sich das in Frankfurt ja nicht antun müssen. Ihr alter Verein, Bayer Leverkusen, steht an der Spitze. Da könnten Sie immer noch spielen.

Da könnte ich dabei sein, ja, aber jetzt bin ich mittendrin. In Leverkusen wäre ich Einer unter Vielen gewesen, und mir war klar, dass ich jetzt langsam in meiner Karriere an einen entscheidenden Punkt komme. Deshalb wollte ich unbedingt nach Frankfurt, sportlich hat der Wechsel für mich Sinn gemacht. Ich würde es nicht rückgängig machen wollen. Ich sehe das nicht als Abstieg, sondern als Aufstieg. Es war für mich der perfekte Schritt. Daran ändert ja auch so eine empfindliche Niederlage wie gegen die Bayern nichts.

Sie haben sich schnell eingelebt, und Sie sind in Windeseile zu einer tragenden Stütze geworden. Sehen Sie sich als Führungsspieler?

Ich bin nicht der Typ, der große Sprüche klopft oder jemanden runterputzt. Ich bin eher ein Typ der leisen Töne. Aber auf dem Platz übernehme ich sehr wohl Verantwortung, fußballerisch sehe ich mich in einer Führungsrolle. Und ich finde, das gelingt mir ganz gut. Ich bin jedenfalls hochzufrieden.

Die Eintracht liegt auf Rang neun, spiegelt diese Platzierung in etwa die Leistungsfähigkeit wider?

Das denke ich schon, wir sind ja keine Spitzenmannschaft. Aber wir können auch gut Fußball spielen, das haben wir schon bewiesen. Man darf jetzt auch nicht alles an der Schlappe vom Mittwoch festmachen. Um weiter nach oben zu kommen, muss aber noch mehr Stabilität, Konstanz und auch Qualität in die Mannschaft. Klar, dass zum Beispiele so ein Verein wie Leverkusen weit vorne steht, die haben eine bessere Mannschaft, die haben aber auch mehr Geld. Im Endeffekt ist das doch auch alles eine Frage des Geldes.

Haben Sie auch den Verein gewechselt, um größere Chancen in der Schweizer Nationalelf zu haben?

Das war auch ein Grund, klar. Ich wusste, ich muss spielen, um mich empfehlen zu können. Ich bin dann ja auch eingeladen worden zu einem Freundschaftsspiel und habe auch gespielt, aber in der Qualifikation bin ich noch nicht zum Einsatz gekommen.

Haben Sie mit Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld schon einmal über Ihre Perspektiven und Chancen gesprochen?

Nein, aber ich hoffe auf meine Chance, ich will mich für höhere Aufgaben empfehlen. Die WM in Südafrika ist natürlich mein großes Ziel. Aber ich denke schon, dass die Mannschaft so ziemlich steht. Die Spieler, die jetzt in der Qualifikation immer dabei waren, haben sicher einen Bonus. Das ist ganz klar.

Ihr Konkurrent ist Benjamin Huggel, der auch mal bei der Eintracht war. Wir können hier kaum glauben, dass er so viel besser sein soll.

Das sollen andere beurteilen. Er spielt auf der Position, die ich für mich sehe, das ist korrekt. Er hat die letzten Spiele gut gemacht, das muss ich neidlos anerkennen. Deshalb hat er auch die Nase vorn. Das ist nun mal so.

Herr Schwegler, als Sie zwei Jahre alt waren, sind Sie an Leukämie erkrankt. Hat diese schwere Krankheit Sie verändert oder geprägt?

Auf jeden Fall. Ich stand ja noch viele Jahre unter Beobachtung, musste immer wieder Nachuntersuchungen machen. Später, als ich älter war, habe ich viel nachgelesen über die Krankheit. Und natürlich wird dir dann bewusst, was für ein Glück du hattest. Daran kann man sich aufrichten in schweren Zeiten, und vor allem kann ich dadurch einordnen, was wichtig ist im Leben, was zählt und auf was es ankommt. Meine Familie hat sich damals rührend um mich gekümmert, sie war jede Minute für mich da.

Auch Ihr drei Jahr älterer Bruder Christian hat Sie sehr geprägt.

Ja, an ihm habe ich mich orientiert, zu ihm habe ich immer aufgeschaut. Auch heute stehen wir in ständigem Kontakt. Wir hatten beide nur Fußball im Kopf. Der Fußballplatz war in der Mitte unseres Viertels in einem Vorort von Luzern. Da bin ich dann als Kind direkt nach der Schule auf den Platz. Es gab nichts anderes. Nur Fußball, Fußball, Fußball. Ich habe da immer gegen Größere und Ältere spielen müssen, aber das war eine gute Schule. Da lernt man, sich durchzubeißen und sich durchzusetzen. Wir haben es ja auch beide zum Profi geschafft, er spielt rechter Verteidiger bei Red Bull Salzburg. Wer weiß, vielleicht spielen wir ja mal in der Europa League gegeneinander.

(Interview: Ingo Durstewitz)

Datum:  31 | 10 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
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