Irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit hat Pirmin Schwegler dann doch tatsächlich einen Fehlpass gespielt. Das ist insofern eine Erwähnung wert, weil eine solch unglaubliche Missetat an diesem für ihn so perfekten Nachmittag nicht unbedingt zu erwarten war. Der Frankfurter Neuzugang war bis dahin nicht nur fehlerfrei durch die Partie gekommen, er drückte ihr seinen Stempel auf, er prägte dieses Derby zwischen Kickers Offenbach und der Eintracht. Pirmin Schwegler, 22, aus Leverkusen gekommen, war der mit Abstand beste Fußballer auf dem Platz. "Es war ein überragendes Debüt", lobte Trainer Michael Skibbe. Und Schwegler selbst grinste über beide Wangen: "Einen schöneren Einstand kann man sich nicht wünschen."
Schwegler fungierte für seinen neuen Arbeitgeber, ganz nebenbei, auch noch als Türöffner, er bereitete den Weg zum Pflichtsieg auf dem Bieberer Berg. Nach 70 Minuten schloss er eine wunderbare Kombination nach einer schönen Flanke von Caio mit einem Volleyschuss mit links zur Führung ab. Schwegler, das muss man wissen, ist nun alles andere als ein Torjäger. In 46 Bundesligaspielen für Bayer Leverkusen gelang dem Schweizer nicht ein einziger Treffer. "Ich habe mir die Tore für die Eintracht aufbewahrt", sagte er lächelnd. Nach dem 1:0, das spürte fast jeder der 24 000 Besucher, würde die Eintracht nichts mehr anbrennen lassen.
Doch der Neue glänzte nicht nur wegen seines Tores. Er verlor so gut wie keinen Ball, fegte in die Zweikämpfe, er glänzte mit großer Übersicht und klugen Pässen aus der Defensive heraus. Auch in der Luft räumte er trotz einer Körpergröße von nur 1,76 Meter resolut auf. "Er hat ein sehr gutes Timing im Defensivkopfball", betonte Trainer Skibbe.
Stratege mit gutem Auge
Die Leistung des defensiven Mittelfeldspielers war zwar bemerkenswert, aber sie hatte sich angedeutet. Im Training und in den Testspielen glänzte er bereits als Stratege mit gutem Auge. Ein solch ballsicherer Spieler hatte der Eintracht gefehlt. Und Schwegler, für den die Frankfurter nach wochenlangem Tauziehen 500 000 Euro an Bayer Leverkusen überwiesen hatten, ist einfach nur heilfroh, an den Main gewechselt zu sein. "Für mich ist es wichtig, 90 Minuten zu spielen." Das durfte er unterm Bayer-Kreuz nur selten. Und Schwegler fühlt sich pudelwohl: "Ich bin vom ersten Tag an super aufgenommen worden, die Mitspieler haben es mir sehr leicht gemacht."
Für einen Spieler wie Schwegler, den Eintracht-Kapitän Christoph Spycher als "eines der größten Talente der Schweiz" und als "phantastischen Typen" geadelt hatte, ist Nestwärme wichtig, er braucht auch dieses Gefühl, anerkannt und akzeptiert zu werden. Schwegler ist einer, der sich sofort mit Haut und Haaren verschreibt, weshalb er auch nur und ausschließlich zur Eintracht wollte. Ein anderer Verein kam für ihn nicht in Frage. Und jetzt, nach nur wenigen Wochen im Frankfurter Dress, sagt er solche Sätze: "Die Mannschaft muss sich immer zerreißen, sie muss für die Eintracht leben." Michael Skibbe, sein Mentor, ist der festen Überzeugung, einen guten Fang gemacht zu haben: "Er wird uns noch einige Jahre Freude bereiten."
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