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Pulverfass Eintracht: "Dann bricht der Verein zusammen"

Eintracht-Coach Funkel scheint abgeschlossen zu haben und bricht eine Lanze für Bruchhagen. Von Ingo Durstewitz

Ihrem Unmut über den Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel verleihen Teile der Fans durch einen plakativen Spruch Ausdruck.
Ihrem Unmut über den Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel verleihen Teile der Fans durch einen plakativen Spruch Ausdruck.
Foto: Getty

Am Morgen schleppte sich der schwer angeschlagene Friedhelm Funkel noch auf den Trainingsplatz. Das vereinbarte FR-Interview danach ließ er aber schon platzen, auch beim abendlichen Freundschaftsspiel in Höchst war der Fußballlehrer nicht mehr vor Ort. "Mir steckt was in den Knochen, ich gehöre ins Bett", erklärte der 55-Jährige. Er habe sich wohl bei Christoph Spycher, dem grippeerkrankten Vizekapitän, angesteckt. Das wäre geklärt. Das ist aber auch das Einzige.

Denn Eintracht Frankfurt gleicht in diesen Tagen einem Pulverfass. Keiner vermag zu sagen, was tatsächlich nach dem letzten Bundesligaspiel gegen den HSV passiert. Muss Funkel gehen? Geht Klubchef Heribert Bruchhagen gleich mit? Bleibt alles beim Alten? Funkel konnte sich da nur ein Lächeln abringen: "Mich interessiert nur das Spiel am Samstag, das wollen wir gewinnen, dann geht's in den Urlaub und dann geht's weiter." Oder auch nicht.

Der Trainer versucht weiterhin, so zu tun, als gehe ihn diese Anti-Funkel-Stimmung nichts an. Ob er Angst habe, seinen Job zu verlieren, wurde er gefragt. "Das interessiert mich nicht. Ich habe noch nie in meinem Leben Angst gehabt, erst recht nicht um meinen Job." Funkel wäre im Fall der Fälle sicherlich nicht lange arbeitslos, ein rechtschaffener Arbeiter wie er, der massig Erfahrung und Erfolg im Abstiegs- und Aufstiegskampf hat, kommt schnell wieder unter. Sein Projekt in Frankfurt wäre aber gescheitert.

Bei der Eintracht sind sie dazu übergegangen, besser den Mund zu halten. Viele Spieler haben sich selbst ein Interviewverbot auferlegt. Bruchhagen, der gestern seine geplante Teilnahme als Mitglied der offiziellen Delegation bei der Asienreise der deutschen Nationalmannschaft ab Dienstag stornierte, macht sich rar. Er will sich nur morgen in der Pressekonferenz vor dem HSV-Spiel äußern. Jedes Wort sei eines zu viel.

Zumal die Zeit der rationalen Argumente vorbei ist. "Jede Äußerung führt zu mehr Aggression", sagte Bruchhagen knapp. Und so konnte auch niemand sagen, ob Verein oder Mannschaft irgendeine Aktion plane, um die völlig überdrehte Atmosphäre wieder in geordnete Bahnen zu lenken. "Das ist nicht meine Aufgabe", sagte Funkel. Nun denn: Am Samstag könnte die Stimmung alle Dimensionen der Feindseligkeit sprengen.

Funkel, der Prellbock, wird es aushalten müssen, vielleicht ein letztes Mal. Ob er sich alleingelassen fühle im Hagel der Kritik? "In keiner Weise", antwortete er. Schutz brauche er sicher nicht.

Ganz zum Schluss, ehe Funkel sich daran machte, seine Sommergrippe auszukurieren, gewährte er noch einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt. Und da schien es fast so, als habe er persönlich bereits mit dem Kapitel Eintracht abgeschlossen. "Ich habe schon vor einiger Zeit gesagt: Wenn hier mal ein neuer Trainer herkommt, geht es in Frankfurt genauso weiter. Der andere Trainer ist dann erfolgreicher oder auch nicht. Aber das ist nicht entscheidend." Entscheidend sei: "Wenn Bruchhagen nicht mehr da ist, bricht der ganze Verein zusammen. Da geht es hier wieder so zu wie vor sieben Jahren." Und dann sagte er mit spöttischem Grinsen an die Reporter gewandt: "Dann habt ihr viel Spaß, dann habt ihr viel zu schreiben."

Natürlich weiß Funkel auch, dass Bruchhagen intern nicht mehr unumstritten ist. Auch der wird sich am Montag auf der Aufsichtsratssitzung kritische Fragen anhören können. Womöglich wird er gar zum Rückzug gedrängt. "Ich hoffe für Eintracht Frankfurt, dass Bruchhagen bleibt", sagte Funkel. Und: "Es gibt hier ja auch ein paar Vernünftige."

Vielleicht ist der angezählte Vorstandschef aber auch einfach des Kampfes gegen überzogene Erwartungshaltungen, der Nadelstiche und der Verteidigung des Trainers überdrüssig und schmeißt hin. Die Gerüchte, wonach der VfL Wolfsburg und FC Schalke großes Interesse an dem 60-Jährigen haben, halten sich hartnäckig.

Felix Magath wollte Bruchhagen schon einmal in die niedersächsische Provinz locken. Jetzt könnte das Interesse erneut aufflammen, denn Schalke sucht neben Magath bekanntlich einen zweiten starken Mann. Und die Wolfsburger wiederum haben bis heute auch noch keinen neuen Manager.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  20 | 5 | 2009
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Mannschaft Tore Punkte
1 Greuther Fürth 73:27 70
2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
15 Erzgebirge Aue 31:55 35
16 Karlsruher SC 34:60 33
17 Alemannia Aachen 30:47 31
18 Hansa Rostock 34:63 27
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