Irgendwann reißt Rainer Falkenhain die Schublade seines Schreibtischs auf und zaubert den Lizenzspielerpass von Karl-Heinz Körbel heraus. Ausgestellt am 18. Juli 1974. Das Foto in schwarz-weiß, die Matte amtlich halblang. "Das ist historisch, das ist ein Dokument", sagt der Lizenzspielerleiter der Frankfurter Eintracht. "Bei all den Umzügen habe ich den Pass wie meinen Augapfel gehütet." Falkenhain ist in seinem Element. Der 46-Jährige springt auf, eilt hinüber an den Schrank, zieht eine Mappe mit alten Fotos heraus. "Zu jedem Bild könnte ich eine Geschichte erzählen", sagt er und lacht. Stundenlang könnte er plaudern, sein Fundus ist riesig, er ist ein lebendiger Schatz an Erinnerungen. "Ein kleines Taschenbuch könnte ich schon füllen." Gestatten, Rainer Falkenhain, der Mann für alle Fälle.
Seit 23 Jahren zieht der gebürtige Frankfurter bei der Eintracht im Hintergrund die Fäden, er, der Strippenzieher, sitzt in der Schaltzentrale der Macht, aber er macht kein Aufhebens darum. "Ich arbeite lieber im Verborgenen." Falkenhain ist der Meister der Organisation: Spielberechtigungen, Trainingslager, Anfahrten, Hotelbuchungen, Flüge, Papierkram - seine Aufgaben sind mannigfaltig. Als die Eintracht in der vergangenen Woche direkt aus dem Trainingslager im Westerwald zum Bundesligaspiel gegen den KSC in Frankfurt anreiste, hielt er seit dem Vormittag Kontakt mit der Polizei, um über den Verkehr auf der A3 im Bilde zu sein. "Wenn Stau ist, muss man umplanen", sagt er. Das stellt ihn vor keine großen Probleme. Er weiß, was er zu tun hat, er hat alles im Kopf. Falkenhain beherrscht sein Metier, vieles weiß er aus Erfahrung. "Was ich mache, sieht man nicht. Nur wenn ich es nicht machen würde, würde es auffallen." Falkenhain ist loyal seinen Vorgesetzten gegenüber, loyal und diskret. Das muss er sein. Das ist Teil seines Jobs. Er weiß alles, aber er darf nichts verraten. Er ist ein Geheimnisträger.
Rainer Falkenhain hat sich mit Haut und Haaren der Eintracht verschrieben. Der 46-Jährige ist mit dem Verein durch alle Höhen und Tiefen gegangen, er hat im Laufe seiner 23 Jahre im Zeichen des Adlers alles erlebt: "Spiele vor 8000 Zuschauern gegen Wattenscheid oder Bochum." Oder die verweigerte Lizenz 2002: "Das traf mich wie ein Keulenschlag". Oder die Glanzlichter im Europapokal: "Das waren immer die schönsten Momente."
Wie er seine Arbeit werten würde? Bereitet er das Feld, auf dem sich die anderen austoben können? "Ich bin ein Rädchen in der Maschinerie", antwortet er knapp. Die ist im Laufe der Jahre immer mehr gewachsen. "Der Fußball hat sich unglaublich verändert." Falkenhain hat angefangen zu einer Zeit, da es in der Sportschau noch keine Fernsehbilder von manchen Spielen gab, heute wird jede Bewegung der Spieler von zehn bis zwölf Kameras festgehalten. Oder die Fotografen. "Früher sind die unten im alten Stadion in die Dunkelkammer gegangen", sagt er. Heute senden sie mit einem Klick ihre Bilder digital in die Redaktionsstuben. Falkenhain will das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, aber er blüht doch auf, wenn er in seinen Erinnerungen schwelgt. "Heute haben wir hier auf der Geschäftsstelle fast 80 Mitarbeiter. Als ich anfing, gab es am Riederwald fünf", erzählt er. Das war in den früheren 80-er. Damals stieg er vom gemeinen Fan, der fast tagtäglich am Riederwald weilte, irgendwie zum Mitarbeiter auf. Anfangs macht er kleine Botengänge, heute ist er Leiter der Lizenzspielerabteilung. Seit elf Jahren nun schon.
Falkenhain ist Fan der ersten Stunde, 1974 war er mit seinem Vater erstmals im Stadion. "Ich habe den Eintracht-Adler im Herzen", sagt er. Was pathetisch klingt, ist nicht so gemeint. Falkenhain hat sich dem Frankfurter Klub verschrieben, die Eintracht bestimmt sein Leben, sie ist sein Lebensinhalt. "Die Eintracht ist für mich ein Riesenglücksfall. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wie viele Menschen können das behaupten?" Falkenhain war seiner großen Liebe der Eintracht immer treu, fast immer. Einmal, 1997, konnte er den Verlockungen des Geschäfts nicht widerstehen und schloss sich dem TSV 1860 München an. Nach nur vier Wochen kehrte er reumütig heim nach Frankfurt. Das Heimweh hatte ihn zurückgetrieben. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht", hat er damals gesagt. Womöglich ist die treue Seele auch deshalb irgendwie ein Stück Eintracht, er gehört einfach dazu und fast schon zum Inventar. Er hat all die Trainer und Präsidenten kommen und gehen sehen - Falkenhain blieb immer. Er erinnert sich an das Jahr 1988, "als wir in einer Saison im Europapokal mit vier Trainern angetreten sind: Feldkamp, Zahnleiter, Csernai, Berger." Im Gespräch fällt immer wieder das Wort Europapokal. Der hat es ihm angetan. Er schwärmt noch heute von den Festspielen in den 90-er Jahren auf europäischem Parkett, "das ist ein ganz besonderes Flair", sagt er. Weshalb er auch die kurze Stippvisite der Eintracht im Jahr 2006 im Uefa-Pokal genossen hat. "Das ist einfach etwas ganz Spezielles."
Das Seuchenjahr 1996
Doch wer mit der Eintracht fiebert, leidet auch ziemlich viel. Falkenhain weiß das, er hat es spüren müssen am eigenen Leib. Er spricht von Rostock, dem Trauma, "das war ein harter Schlag", die Eintracht wäre damals der erste deutsche Verein gewesen, der in der Champions League gespielt hätte. "Diese Chance haben wir verpasst", sagt er nüchtern. "Rostock war ein Tiefschlag." Aber noch viel schmerzvoller war der Abstieg 1996. "Rostock war schlimm, der Abstieg war schlimmer", fasst er zusammen. Weil der Fall so unerwartet kam. Eintracht Frankfurt in der zweiten Liga? Unvorstellbar. "Wir waren doch unabsteigbar", sagt Falkenhain, "wir waren einer der Bundesliga-Dinos." Keiner wusste seinerzeit, wie es weitergehen sollte, alles war neu, ungewohnt und auch trist und grau. "Bei uns lag alles in Schutt und Asche. Da ist man erst mal in ein tiefes Loch gefallen." Die Leiden freilich wollten kein Ende nehmen, zur Vorbereitung begrüßte der damalige Trainer Dragoslav Stepanovic nicht mal zehn Spieler. Ein halbes Jahr später gingen die Fans nach dem letzten Heimspiel der Hinrunde gegen Oldenburg auf die Barrikaden und warfen Steine. Stepanovic wurde entlassen. "Dieses Alptraum-Jahr 1996 wollte nie enden." Falkenhain war auch bei den anderen beiden Abstiegen, 2002 und 2004, an Bord, doch 1996 überlagerte alles: "Da ist irgendwie auch ein Mythos gestorben."
Morgen kommen die Bayern nach Frankfurt, das sind auch für Falkenhain immer die Highlights, weil es in der ganzen Stadt prickelt und knistert. "Das Bayern-Spiel ist das Bayern-Spiel", sagt er. "Das ist das Spiel des Jahres, das Spiel schlechthin." Das war so, damals, als die Bayern mit Falkenhain als Fan auf der Tribüne 6:0 und auch 5:1 abgefiedelt wurden, das war so, als Giovanni Trapattoni einst vier Amateure einsetzte, und als Jay-Jay Okocha und Matthias Hagner die Bayern im Alleingang abschossen. "Danach sind wir abgestiegen", sagt er. Abstieg - das will er nicht mehr erleben, denn jede sportliche Talfahrt zehrt an ihm, an Körper und Geist. "Ich mache dann die ganze Nacht kaum ein Auge zu", sagt er. Jetzt, nach zwei Siegen binnen vier Tagen, kann er wieder besser schlafen.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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