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Sebastian Jung: In der Sackgasse

Eintracht-Jungprofi Sebastian Jung muss sich in Geduld üben. Trainer Michael Skibbe will ihn behutsam aufbauen, zurzeit sei Jung einfach noch nicht so weit. Das sehen nicht alle so. Von Ingo Durstewitz

Sebastian Jung, hier bei einem Einsatz im Mai 2009 gegen den HSV.
Sebastian Jung, hier bei einem Einsatz im Mai 2009 gegen den HSV.
Foto: dpa

Am Freitag ist Sebastian Jung, der Pfeil auf rechts, für ein Länderspiel nominiert worden. Das ist Usus. Am 13. November wird der Frankfurter Verteidiger mit der deutschen U 20 in Hoffenheim gegen Österreich antreten. In der Nachwuchsauswahl ist Sebastian Jung eine Größe, da ist er gesetzt, nicht wegzudenken, er war der herausragende Spieler der U20-WM in Ägypten, die für die DFB-Elf ganz unglücklich im Viertelfinale gegen Brasilien endete.

Die Länderspiele tun dem in Königstein aufgewachsenen Jungprofi ganz gut. Denn bei seinem Verein, der Frankfurter Eintracht, darf er nicht spielen. Auch im Heimspiel am Sonntag gegen den VfL Bochum (17.30 Uhr) wird der 19-Jährige aller Voraussicht nach auf der Bank sitzen. Das können in Frankfurt nicht mehr alle verstehen. Spätestens nach den starken Auftritten bei der WM waren viele davon ausgegangen, dass Jung nun auch in der Bundesliga durchstarten würde. Ein Trugschluss.

Trainer Michael Skibbe sieht sich allerdings nicht als derjenige, der Jung bremst, sondern ihn schützt. Der Rechtsverteidiger sei einfach noch nicht so weit, "um der Mannschaft gut und dauerhaft zu helfen", begründet Skibbe. "Ich kann ihn erst stellen, wenn ich absolut überzeugt bin, dass er seine Leistung bringt und dem Druck standhält." Das sei zurzeit noch nicht der Fall. "Das wäre mir zu riskant", sagt Skibbe. Jung steckt bei der Eintracht zurzeit in einer Sackgasse.

Der Fußballlehrer, der jahrelang in Dortmund und auch beim DFB den Nachwuchs betreute, wisse aber, was er tue. Er sieht sich auf diesem Gebiet als absoluten Experten, er könne sehr genau beurteilen, wann ein Talent so weit sei, um den Anforderungen der Bundesliga zu entsprechen. "Ich kenne mich da besonders gut aus, ich muss als Trainer eine Hilfe sein."

Skibbe will Jung behutsam aufbauen, langsam heranführen. Das sei ein Prozess, der Zeit und Geduld brauche. Und der "Fall Jung" sei auch nicht vergleichbar mit Schalke 04, wo Felix Magath viele junge Spieler eingebaut hat. Dort seien die Talente eingebettet in ein gewachsenes Gefüge, dort könnten sie sich anlehnen bei Spielern wie Rafinha, Manuel Neuer, Marcelo Bordon, Heiko Westermann oder Kevin Kuranyi. Da könnten sie sich im Schatten dieser Größe entwickeln.

So habe er es auch zu seiner Leverkusener Zeit mit Stefan Kießling gehandhabt. Der Stürmer sei damals aus Nürnberg gekommen, gejagt von der halben Liga, doch Skibbe gewann anfangs den Eindruck, "dass sie seinen Bruder geschickt haben". Kießling brachte kein Bein auf den Boden, wurde alsbald harsch kritisiert, "als Bratwurst" abgekanzelt, wie sich Skibbe erinnert. Er habe damals aber eine solch gefestigte und gute Mannschaft beisammen gehabt, dass Kießling quasi durchgeschleppt werden konnte. "Und irgendwann ist der Knoten geplatzt", sagt Skibbe. Kießling hat es bis in die Nationalemannschaft geschafft.

In Frankfurt sei das mit den jungen Spielern nicht möglich. Hier habe man nicht diese Eckpfeiler, diese Persönlichkeiten, die anderen Halt geben könnten. Da müsste jeder Einzelne seinen Mann stehen und seine Leistung bringen, da können niemand mit durchgezogen werden. Bürde man den Nachwuchskräften zu viel Last und Verantwortung auf, könnten sie auch daran zerbrechen.

Skibbe wählt als Vergleich Maik Franz, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte im Spiel gegen die Bayern. Franz, der Routinier, stecke das aber weg, er werde im nächsten Spiel "alles umpflügen", sagte Skibbe. Aber wenn Sebastian Jung ein ähnliches Fiasko erklebt hätte, dann, ja dann könne er das sicherlich nicht so schnell aus den Kleidern schütteln. "Das geht vom Kopf ins Herz und vom Herzen in die Füße", bekundet Skibbe und folgert: "Dann ist der Junge erstmal durch."

Gleiches gelte im Übrigen für den 21 Jahre alten Torwart Ralf Fährmann, der sich ebenfalls noch gedulden müsse. Die Jugend hat es momentan nicht leicht in Frankfurt. Sebastian Jung jedenfalls steht die Enttäuschung über die derzeitige Situation ins Gesicht geschrieben. Ins Bockshorn will er sich freilich nicht jagen lassen.

Autor:  Ingo Durstewitz
Datum:  31 | 10 | 2009
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2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
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