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SGE-Stürmer: Die Rückkehr der Knipser

Ausgerechnet die zuletzt so harmlosen Stürmer Nikos Liberopoulos und Martin Fenin sorgen mit ihren Toren für die Wende.

Friedhelm Funkel war früher, als er noch als Räuber Hotzenplotz durch die Strafräume wilderte, ja selbst mal Stürmer. Er war ein vollbärtiges Schlitzohr, mit allen Wassern gewaschen, und ein richtiger Knipser, in 320 Bundesligaspielen schaffte er 83 Tore. Wenn er heute im Training ab und an noch mitspielt mit den viel jüngeren Fußballern, trifft der 54-Jährige noch immer oft und regelmäßig. "Toreschießen verlernt man nicht", sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht.

Funkel denkt auch nach 17 Jahren als Trainer noch wie ein Angreifer, und deshalb weiß er, dass es manchmal besser ist, einen schwer unter Druck stehenden Stürmer zunächst mal auf die Bank zu verbannen. Als pädagogische Maßnahme sozusagen. Bei Martin Fenin, der in eine fast schon rätselhafte Schaffenskrise gerutscht ist, wirkte das Wunder. Der tschechische Nationalspieler schmorte in Cottbus draußen, wurde nach 61 Minuten eingewechselt, und sieben Minuten später erzielte er mit einem trockenen Rechtsschuss ins kurze Ecke den Ausgleich. Funkel hat es vorher gewusst, zumindest gespürt, und er hat es seinem Spieler mit auf den Weg gegeben: "Ich habe ihm gesagt: ,Du kommst rein und machst dein Tor.' Das hat dann ja auch ganz gut geklappt." Friedhelm Funkel konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Brachialer Absturz

In Frankfurt waren schon erhebliche Zweifel über die wahre Leistungsstärke des Tschechen aufgekommen, und man grübelte, ob womöglich sein sagenhafter Einstand im Februar in Berlin der berühmte Ausreißer nach oben gewesen sei. Damals hatte er abgezockt und rotzfrech drei blitzsaubere Tore erzielte und galt als aufgehender Stern am Firmament. Dann folgte der brachiale Absturz, gerade in dieser Saison lief nichts, aber auch gar nichts zusammen. Funkel ist das natürlich nicht verborgen geblieben, im FR-Interview bezeichnete er Fenin als sein Sorgenkind und prangerte auch dessen mangelhafte Arbeitsauffassung an. "Er muss sich auf seinen Job konzentrieren und alles andere hinten anstellen. Ich hoffe auf einen Sinneswandel." Der Fußballlehrer kündigte umgehend ein Gespräch unter vier Augen mit dem Tschechen an. Das führte er schließlich am Samstagmorgen beim morgendlichen Spaziergang "Ich habe ihm gesagt, dass es nicht an seinem Einsatz liegt. Aber er hat zuletzt sehr unglücklich gespielt. Manchmal ist es besser, erst später ins Spiel zu kommen."

Fenin tat die schöpferische Pause ganz offensichtlich gut, er war sehr viel präsenter und verhaspelte sich auch nicht in seinen Aktionen. Denn in dieser Saison flitzte er fast schon sinnentleert über den Platz - und war dann immer gerade da, wo er nicht gebraucht wurde. Funkel hofft, dass die Denkpause und das Tor seinem Stürmer Auftrieb geben: "Vielleicht wirkt das jetzt befreiend, er muss wieder klare Aktionen in sein Spiel kriegen." Fenin selbst war die Erleichterung deutlich anzumerken. "Ich bin sehr glücklich", sagte er. "Ich brauche Tore - wie jeder Stürmer." Die vergangenen Wochen und die Fahrkarten gegen Hoffenheim und Leverkusen haben ihn angeknackst: "Da war ich schon am Boden, ich hatte auch ein paarmal Pech."

Und auch Sturmpartner Nikos Liberopoulos gelang am Samstag sein ganz persönlicher Befreiungsschlag. Der griechische Nationalspieler erzielte per Kopf und in bester Torjägermanier den Siegtreffer. Liberopoulos sank auf die Knie und streckte beide Zeigefinger in den Himmel. "Ich danke allen, die mich in die Bundesliga geholt haben", sagte er und ließ noch wissen: "Ich fühle mich fantastisch, die Anspannung war enorm."

Tor im schwächsten Spiel

Ironie des Schicksals: Liberopoulos, schon 33 Jahre, erzielte sein erstes Bundesligator just in dem Spiel, in dem er seine schwächste Leistung abrief. Eigentlich hätte er gar nicht mehr auf dem Feld sein dürfen, als er eiskalt zuschlug. Doch auch da gehorchte Funkel seinem Bauchgefühl. Der Coach nahm Caio vom Feld - und brachte Fenin. Der Rest ist bekannt.

Autor:  INGO DURSTEWITZ
Datum:  27 | 10 | 2008
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2 Eintracht Frankfurt 76:33 68
3 Fortuna Düsseldorf 64:35 62
4 FC St. Pauli 59:34 62
5 SC Paderborn 51:42 61
6 1860 München 62:46 57
7 Union Berlin 55:58 48
8 Braunschweig 37:35 45
9 Dynamo Dresden 50:52 45
10 MSV Duisburg 42:47 39
11 VfL Bochum 41:55 37
12 FC Ingolstadt 43:58 37
13 FSV Frankfurt 43:59 35
14 Energie Cottbus 30:49 35
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