Am Freitagabend nach einem ziemlich souveränen 2:0 (2:0)-Erfolg gegen den VfL Bochum hat sich der Frankfurter Klubchef Heribert Bruchhagen selbst zügeln müssen. Gerade hatte er noch von „einer tollen Situation“ gesprochen, von der Tabellenführung in der zweiten Fußball-Liga, von einer „überragenden Leistung“ seiner Mannschaft, die im sechsten Auswärtsspiel den sechsten Sieg gelandet hatte, da kam ihm die vergangene Runde in den Sinn. „Ich gebe zu bedenken: Vor einem Jahr waren wir auf einem sechsten Platz“, eine Etage höher, und wie die Geschichte endete, ist allenthalben bekannt. Dann trabte er in Richtung Mannschaftskabine, bestens gelaunt. „Ach, wie ist das schön.“ „Das sah heute schon ein bisserl nach Fußball aus“, witzelte Trainer Armin Veh.
Kurz darauf kam ein strahlender Sportdirektor Bruno Hübner um die Ecke. „Viel besser, als in der ersten Halbzeit kann man nicht spielen“, sagte der Mann. „Das war heute wirklich beeindruckend.“ Und schließlich sagte der Trainer Armin Veh in seiner gewohnt hintersinnigen Art: „Das sah heute schon ein bisserl nach Fußball aus.“ Vermutlich war das die Untertreibung des Jahres.
Sie sind unglaublich torgefährlich
Tatsächlich hat die Frankfurter Eintracht ihren vielen guten Partien in der jüngsten Vergangenheit eine weitere folgen lassen. Das Pfund, mit dem die Hessen wuchern können und das auch tun, ist ihre Offensive. Sie sind unglaublich torgefährlich. „Wir können zu jedem Zeitpunkt des Spiels ein Tor machen“, lobte Veh. Fast jeder Frankfurter versprüht Torgefahr, fast jeder Angriff wird mit einem Torschuss oder mindestens einer Chance abgeschlossen, dazu gehen die Hessen ein enormes Tempo. Sie sind einfach eine Klasse für sich, derzeit wohl die spielerisch beste Elf im Oberhaus. „2:0 in Bochum – das schaffen nicht viele Mannschaften“, fand auch Kapitän Pirmin Schwegler. „Wir strotzen nur so vor Selbstvertrauen. Wir können sehr zufrieden sein.“
Die Partie war wegen einer Bombendrohung am Bochumer Hauptbahnhof mit halbstündigen Verspätung angepfiffen worden. Und auch die Frankfurter brauchten ein paar Minuten, ehe sie im Spiel waren. Dann aber waren sie richtig da. Nach einer guten Viertelstunde bediente Sebastian Rode den wieder sehr starken Benjamin Köhler auf links, dessen Hereingabe drückte der Bochumer Jonas Acquistapace ins eigene Tor. Erwin Hoffer, der erwartungsgemäß für den am Oberschenkel lädierten Theofanis Gekas spielte und sehr engagiert, aber auch unglücklich agierte, wäre ebenfalls zur Stelle gewesen.
Hoffer war ein steter Unruheherd im Frankfurter Angriff, wenn ihm auch anfangs manches missriet, aber man merkte mit jeder Faser, dass er seine Chance nutzen wollte. Perfekt war auch sein Anspiel auf Köhler (36.) zum 2:0, der Mittelfeldwusler, einer der kleinsten auf dem Feld, köpfte die Kugel über den Bochumer Torwart Andreas Luthe ins Netz. Dieser Treffer spiegelte die ganze spielerische Frankfurter Überlegenheit wider: Denn der Treffer war nur der gelungene Endpunkt einer ganz erstaunlichen Kombinationsfolge über das komplette Spielfeld. Gefühlt hatte die Eintracht zuvor minutenlang den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren lassen, jeder Spieler – außer Torhüter Oka Nikolov – war an diesem wunderschönen Treffer beteiligt, jeder hatte zuvor mindestens einmal den Ball am Fuß gehabt. Ein außerordentliches Tor.
Bis Montag haben sie frei
Die Eintracht war dem VfL Bochum spielerisch in allen Belangen überlegen, sie ließ den Ball laufen, trat lange Zeit mit einer nach den letzten Erfolgen nicht unerwarteten Souveränität und Kaltschnäuzigkeit auf. Erst Mitte der zweiten Halbzeit, als die Hessen die Gelegenheit für die Entscheidung hatten liegen lassen, waren die Gastgeber besser ins Spiel gekommen. Da hielt die Eintracht insbesondere Oka Nikolov im Spiel und das Zu-Null fest, als Bochum und vor allem Takashi Inui gute Möglichkeiten ausließen. Zur Pause war bei der Eintracht der bis dato überragende Bamba Anderson wegen Schwindelanfällen in der Kanine geblieben, für ihn kam Stefan Bell zu seinem Debüt bei der Eintracht. Auch er fügte sich ein.
So haderten die Frankfurter Verantwortlichen hinterher allein mit der mangelnden Chancenverwertung. Tatsächlich spielten die Hessen im zweiten Abschnitt ihre Konter ein wenig schlampig zu Ende, „da hat uns die Ruhe gefehlt, wenn wir klug gewesen wären, hätten wir das dritte Tor noch erzielt“, sagte Veh. So verwalteten die Frankfurter das Spiel zum Schluss.
Am Ende ist Armin Veh dann gefragt worden, ob er angesichts der Dominanz der Eintracht seine Truppe nur noch bei Laune halten müsse. Er hat gelacht. „Wir dürfen keinen Tick nachlassen, aber wenn mir einer gesagt hätte, nach elf Spieltagen haben wir 25 Punkte, ich hätte sofort unterschrieben.“ Dann gab er seinen Spielern bis Montag frei. Sie hatten es sich redlich verdient.
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| Mannschaft | Tore | Punkte | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Greuther Fürth | 73:27 | 70 | ||
| 2 | Eintracht Frankfurt | 76:33 | 68 | ||
| 3 | Fortuna Düsseldorf | 64:35 | 62 | ||
| 4 | FC St. Pauli | 59:34 | 62 | ||
| 5 | SC Paderborn | 51:42 | 61 | ||
| 6 | 1860 München | 62:46 | 57 | ||
| 7 | Union Berlin | 55:58 | 48 | ||
| 8 | Braunschweig | 37:35 | 45 | ||
| 9 | Dynamo Dresden | 50:52 | 45 | ||
| 10 | MSV Duisburg | 42:47 | 39 | ||
| 11 | VfL Bochum | 41:55 | 37 | ||
| 12 | FC Ingolstadt | 43:58 | 37 | ||
| 13 | FSV Frankfurt | 43:59 | 35 | ||
| 14 | Energie Cottbus | 30:49 | 35 | ||
| 15 | Erzgebirge Aue | 31:55 | 35 | ||
| 16 | Karlsruher SC | 34:60 | 33 | ||
| 17 | Alemannia Aachen | 30:47 | 31 | ||
| 18 | Hansa Rostock | 34:63 | 27 | ||
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