Am Morgen zeigte die Sonne der Algarve die kalte Schulter. Es nieselte aus grauen Wolken, dazu pfiff ein böiger, frischer Wind über das Vale do Lobo, das Tal der Wölfe, wo die Lizenzspielermannschaft der Frankfurter Eintracht noch bis heute Quartier bezogen hat. Heribert Bruchhagen zog es ob des Schmuddelwetters vor, die vormittägliche Einheit der Berufsfußballer aus Hessen zu schwänzen. Der Eintracht-Vorstandschef bereitete sich im Mannschaftshotel in Wärme und Ruhe auf ein für die Mittagszeit anberaumtes Pressegespräch vor. In dem ging es, natürlich, um die Frage, ob der Trainer von Eintracht Frankfurt auch in der kommenden Spielzeit Friedhelm Funkel heißen wird. Das scheint nun doch recht wahrscheinlich.
Zwar haben sich der Chef und sein wichtigster Angestellter noch nicht auf eine Weiterbeschäftigung einigen können, "aber wir sind auf einem guten Weg", sagte Heribert Bruchhagen, die Gespräche liefen "unaufgeregt und harmonisch".
Auch Trainer Funkel bezog erstmals klar und deutlich Stellung: "Wenn alle Voraussetzungen stimmen, würde ich hier gerne weiterarbeiten." Es sei dieses Mal aber so, dass noch an einigen Inhalten gefeilt werden müsse, "ich habe auch einige Sachen vorgeschlagen", betonte Funkel, und jetzt "wollen wir das einfach mal sacken lassen."
Bis März, wie spekuliert wurde, werde sich die Entscheidung jedoch nicht hinziehen, versicherte Bruchhagen, schon in der kommenden Woche werde ein Beschluss gefasst. In den Verhandlungen mit Funkel spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle, zumal der Eintracht-Boss ankündigte, dass der Etat wegen des weniger eingenommenen Fernsehgeldes um eine Million sinken wird. In dieser Spielzeit beliefen sich die Personalkosten auf 26 Millionen Euro.
Natürlich hat auch Bruchhagen erkennen müssen, dass einige Aufsichtsratsmitglieder von einer weiteren Zusammenarbeit mit Friedhelm Funkel nicht angetan sind. Das ist insofern von Bedeutung, weil das Kontrollorgan die Vertragsverlängerung absegnen muss. In den vergangenen Wochen hatte sich aber eine breite Front gegen Funkel aufgebaut, weshalb die Zustimmung nicht mehr so sicher schien. "Es gibt unterschiedliche Auffassungen", bestätigte Herbert Becker, der Chef des Gremiums.
Bruchhagen aber trotzt dem Widerstand. Er geht davon aus, einen "einvernehmlichen Beschluss" zu treffen, auch zwischen Vorstand und Aufsichtsrat: "Da bin ich mir total sicher. Ich habe keinen Zweifel, dass der Vorstand die Unterstützung erhält." Das überwachende Gremium habe "die letzten 100 Entscheidungen abgesegnet, warum sollte sich das nun ändern?"
Der Vorstandschef ist gleichwohl um Ausgleich und Harmonie bemüht, er wolle die kritischen Geister nicht mundtot machen und nehme die Bedenken der Räte sehr wohl ernst. "Es wäre töricht, wenn ich keine andere Meinung zulassen würde." Es sei auch durchaus legitim, wenn der eine oder andere die Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer "nach fünf erfolgreichen Jahren" (Bruchhagen) lieber beenden möchte.
Der Eintracht-Chef, das weiß man, ist anderer Ansicht. Er werde aber keine Entscheidung von oben herab treffen: "Ich stelle mich nicht hin und sage: ,L'État, c'est moi' (Der Staat bin ich; Anm. d. Red.). Es wäre dümmliche Arroganz, wenn ich sagen würde: ,Das hier ist meine Entscheidung - und jetzt seht mal zu, was ihr macht.'" Eine solche Vorgehensweise sei sehr altmodisch, "zeitgemäß ist Kommunikation und Überzeugung". Bruchhagen setzt darauf, über den Dialog einen Konsens zu erzielen.
Die Frage wird dennoch sein, wie vehement sich der Aufsichtsrat tatsächlich gegen eine Weiterbeschäftigung von Funkel stemmen wird. Bruchhagen sieht es gelassen: "Es gibt kritische Stimmen, aber keine Gegnerschaft. Und eine Einzelmeinung kann auch mal zurückgestellt werden." Im Fußball sei es ohnehin nicht möglich, "dass immer alle von allen geliebt werden".
Funkel selbst hat auch kein Problem mit anderen Sichtweisen: "Es ist doch nicht verwerflich, wenn es verschiedene Meinungen gibt. Wichtig ist, dass man sich davon nicht beeinflussen lässt."
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