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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

31. Oktober 2012

Abkommen über Desertec: Deutschland will Wüstenstrom

Solaranlage in Südeuropa. Bald soll die Solarenergie in der Wüste Marokkos genutzt werden.  Foto: Publicis CPS Muc

Deutschland und Marokko verhandeln über das Solarprojekt im Wüstensand. Desertec soll Solarstrom aus der Sahara liefern. Derweil steigt in Deutschland die Zahl der Stromanbieter weiter an.

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Deutschland will die Desertec Wüstenstrominitiative vorantreiben. Ein internationales Abkommen soll den Bau eines Pilotprojekts in Marokko ermöglichen. Dieses soll Solarstrom für die EU erzeugen. Knackpunkt des ambitionierten Projektes ist noch die Finanzierung. „Voraussetzung hierfür ist auch die Bereitschaft weiterer EU-Partner und internationaler Finanzierungsinstitutionen, ebenfalls einen Finanzbeitrag zu leisten“, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin.

Deutschland, Marokko und weitere EU-Staaten verhandelten über eine Absichtserklärung zu dem Projekt, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Er bestätigte im Grundsatz einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

Neben Deutschland und Marokko sind dem Bericht zufolge auch Frankreich, Italien und Spanien an Gesprächen über den Bau eines 600 Millionen Euro teuren Solarkraftwerks in der marokkanischen Wüste beteiligt. Eine Absichtserklärung zu dem Projekt soll danach bereits im November unterzeichnet werden. Der Ministeriumssprecher sagte allerdings, ein konkreter Zeitpunkt für die Unterzeichnung stehe noch nicht fest.

Auch Marokkos Industrieminister Abdelkader Amara bestätigte Gespräche über ein internationales Abkommen. „Die Kooperation mit Europa ist eine wichtige Achse unserer Energiestrategie“, sagte Amara der „Süddeutschen Zeitung“.

Der Chef des Desertec-Industrie-Konsortiums (DII), Paul van Son, sagte der Zeitung, das erste Referenzprojekt für Wind- und Solarenergie aus der nordafrikanischen Wüste werde zwischen 2014 und 2016 entstehen. Dazu würden die DII-Gesellschafter rund 200 Millionen Euro beisteuern. Das DII hat sich zum Ziel gesetzt, 15 Prozent des europäischen Bedarfs mit Wüstenstrom zu decken. Dafür werden Investitionen von mehreren Hundert Milliarden Euro benötigt.

Zahl der Stromanbieter gestiegen

Auf der Suche nach einem günstigen Stromanbieter haben Verbraucher heute eine deutlich größere Auswahl als noch vor vier Jahren. Ende 2008 standen einem wechselwilligen Haushalt im bundesweiten Durchschnitt 50 Stromanbieter zur Verfügung, heute sind es durchschnittlich 125 Versorger, wie das Verbraucherportal Toptarif am Mittwoch mitteilte. Gleichzeitig wird die Preisspanne zwischen Grundversorgung und Alternativangeboten immer größer.

„Die Wettbewerbsdichte am Strommarkt und damit die Zahl der möglichen Alternativen für Verbraucher nehmen seit Jahren kontinuierlich zu“, erklärte Daniel Dodt von Toptarif. Das liege zum einen an neuen Anbietern. Zum anderen stiegen klassische Grundversorgungsunternehmen inzwischen in den überregionalen Stromvertrieb außerhalb ihres eigenen Versorgungsgebiets ein.

Am größten ist die Anbieterdichte der Toptarif-Studie zufolge in Süd- und Ostdeutschland. In Bayern stünden Wechselwilligen mit durchschnittlich 136 Angeboten die meisten Optionen zur Verfügung. Aber selbst im Schlusslicht Saarland sind es den Recherchen des Verbraucherportals nach noch 103 Anbieter.

Dem Vergleichsportal Check24 zufolge wurde der Preisunterschied zwischen der Grundversorgung und günstigen Alternativanbietern in den vergangenen fünf Jahren immer größer. Sei die Grundversorgung 2007 im Schnitt neun Prozent teurer gewesen als die günstigsten Alternativangebote, koste sie inzwischen 21 Prozent mehr. Die hohe Preisspanne erkläre sich durch den harten Wettbewerb um wechselwillige Stromkunden.

Diktat des Stromzählers

An ihrer Grundversorgung halten laut Check24 rund 40 Prozent der deutschen Haushalte fest. Diese sei in den westdeutschen Bundesländern in den vergangenen fünf Jahren um 31 Prozent teurer geworden, in den ostdeutschen Ländern um 25 Prozent. Am stärksten stiegen die Strompreise der Grundversorgung demnach mit 40 Prozent in Bayern. Am wenigsten verteuerte sich die Grundversorgung in Bremen mit 17 Prozent.

Relativ gering ist die Ersparnis für Verbraucher, die einen zeitvariablen Stromtarif wählen, wie das Vergleichsportal Verivox mitteilte. Selbst wenn Verbraucher ihr Verhalten deutlich änderten, könnten sie durchschnittlich nur 25 Euro pro Jahr einsparen. Das habe die Analyse von zeitvariablen Angeboten der hundert größten Grundversorger erheben. „Um diese Einsparung gegenüber dem Standardtarif zu erreichen, muss der Alltag jedoch dem Diktat des Stromzählers untergeordnet werden“, erklärte Verivox. Das sei nicht einfach, da die größten Stromfresser wie Gefrier- und Kühlschränke eh den ganzen Tag laufen müssten.

Stromversorger sind seit Anfang 2011 gesetzlich verpflichtet, mindestens einen Stromtarif anzubieten, der den jeweiligen Zeitpunkt des Stromverbrauchs berücksichtigt. Verbraucher sollen so ihren Stromverbrauch in Zeiten verlegen, in denen niedrigere Preise gelten.
Politiker wie Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) rufen die Stromkunden angesichts steigender Strompreise zum Anbieterwechsel auf. Laut Toptarif-Experte Dodt zeichnen sich gute Tarife durch kurze Laufzeiten, überschaubare Kündigungsfristen und umfangreiche Preisgarantien aus. (dpa/dapd/afp)

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