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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

30. September 2012

AKW-Stresstest: Europas Meiler fallen durch

 Von Peter Riesbeck
Steht europaweit in der Kritik: Der französisch Atom-Meiler Fessenheim unmittelbar an der deutschen Grenze.  Foto: dapd/Archiv

Vorvergangene Woche weilte Bundesumweltminister Altmaier in Belgien. Gemeinsam mit Freiburgs grünem OB Salomon warb er für die deutsche Energiewende. Deutscher Rat zum Atomausstieg könnte noch gebraucht werden.

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Brüssel –  

Ein AKW-Stresstest der EU, der am Mittwoch vorgelegt werden soll, belegt gravierende Mängel. „Praktisch alle Anlagen bedürfen verbesserter Sicherheitsmaßnahmen“, zitiert die Zeitung Die Welt vorab aus dem Papier von Energiekommissar Günther Oettinger.

Der Sicherheitscheck war im Vorjahr nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima beschlossen worden. Insgesamt wurden 24 von 68 AKW in der EU überprüft. In Oettingers Mängelliste werden vor allem die mangelnde Absicherung bei Erdbeben und das Fehlen von Notstromversorgungen, etwa über Dieselgeneratoren, gerügt.

Sicherheitsmaßnahmen nicht umgesetzt

Zudem seien Sicherheitsmaßnahmen, die nach dem Atomunfall in Tschernobyl 1986 beschlossen wurden,  in einigen EU-Staaten noch immer nicht umgesetzt, heißt es in dem Bericht. Die Kosten für notwendige Nachrüstungen liegen demnach zwischen 10 und 25 Milliarden Euro.

Die Grünen Europa-Abgeordnete Rebecca Harms  überraschte das  Ergebnis wenig. „Niemand konnte davon ausgehen, dass die vielen älteren AKW in Europa keine Mängel aufweisen“, sagte sie dieser Zeitung. Harms hält es für „sehr unwahrscheinlich“, dass alle Mängel technisch behebbar seien, gerade was die Erdbebensicherheit angehe. „Fukushima hat gezeigt, dass Katastrophenszenarien möglich sind, die zuvor undenkbar waren“, sagte Harms und drängte auf einen raschen Ausstieg.

Greenpeace zeigt sich alarmiert

Auch die Umweltgruppe Greenpeace reagierte alarmiert. „Wir wollen die endgültigen Ergebnisse noch abwarten“, sagte Joris den Blanken in Brüssel dieser Zeitung, „aber die schweren Versäumnisse belegen einmal mehr das beunruhigende Desinteresse der Nuklearindustrie an der Sicherheit.“ Die im Stresstest belegten Mängel seien nur die  „Spitze eines Eisbergs“, so den Blanken. „Kritische Fragen sind in dem Test stillschweigend beiseite geschoben worden , wie etwa ein Krisenszenario à la Fukushima.“

Die stark kritisierten Meiler Temelín in Tschechien und Fessenheim in Frankreich waren erst nachträglich in Oettingers AKW-TÜV aufgenommen worden. Frankreichs Präsident François Hollande will das AKW im Elsass 2016 abschalten.

In Belgien waren im Sommer zwei Meiler wegen Sicherheitsmängeln stillgelegt worden. Kurz zuvor hatte die Regierung den 2003 besiegelten Atomausstieg von 2015 auf 2025 vertagt.

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