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Alternative Energie: Biokraftstoff, der Sprit aus der Nussschale

Aus Abfällen der Land- und Forstwirtschaft wird Diesel: Die Internationale Energieagentur setzt große Hoffnungen auf Biokraftstoffe der zweiten Generation. Von Stephan Börnecke

Nussschalen:  Mögliches Futter für Biosprit der 2. Generation.
Nussschalen: Mögliches Futter für Biosprit der 2. Generation.
Foto: Bilderberg

Kleine Mengen, großer Effekt? Eine Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) rechnet vor, dass zehn Prozent der weltweiten Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft ausreichen würden, um 125 Milliarden Liter Diesel oder alternativ 170 Milliarden Liter Ethanol pro Jahr herzustellen.

Das entspricht gut vier Prozent des weltweiten Kraftstoffverbrauchs im Transportsektor und damit mehr als dem doppelten der gegenwärtigen Biokraftstoffproduktion, heißt es in der Studie, die von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) begleitet wurde.

Doch die Rechnungen sind derzeit noch spekulativ: Denn die dafür nötige Technik, um aus den Abfällen Biokraftstoffe der sogenannten zweiten Generation herzustellen, befindet sich noch im Versuchs- oder Forschungsstadium.

Im Hintergrund der Studie stehen Annahmen der IEA, wonach die Biosprit-Herstellung in Europa mit ihren Ansprüchen an die Nachhaltigkeit den künftigen Bedarf nicht wird decken können. Die Biokraftstofförderung in Europa ist einer OECD-Studie zufolge ohnehin fragwürdig, zumal der Effekt auf den Klimaschutz gering ist.

Diese Lücke aber könnte der Produktion von Biosprit der zweiten Generation in Entwicklungs- und Schwellenländern einen Schub geben, ohne dass dabei eine Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln entstehen würde, sagt GTZ-Energieexperte Mike Enskat der Frankfurter Rundschau.

Mittelfristig sieht die IEA-Studie etwa für Länder wie China und Brasilien sogar Exportchancen. In diesen Ländern sind nicht nur bereits verschiedene Pilotanlagen in Betrieb. Dort gebe es auch die entsprechenden Infrastruktur für den Export.

In anderen untersuchten Staaten hingegen mangelt es nicht nur daran, sondern bereits an Möglichkeiten, die Reste wie Stroh, Reisspelzen, Nusschalen oder Sägespäne zu den möglichen Biospritwerken zu bringen oder sie zu bauen. Denn bei den Raffinerien handelt es sich um Großtechnologie.

Mehr noch: In manchen Ländern ist das tatsächliche Reste-Potenzial begrenzt, weil die Abfälle traditionell genutzt werden. Die Studie verweist etwa auf Indien, Kamerun oder Tansania, wo Reste eben keine Reste sind: Sie dienen vielmehr als Viehfutter, Dünger oder Brennmaterial.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  10 | 2 | 2010
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