Es ist ein Gelöbnis, das Angela Merkel und Norbert Röttgen wohl noch bereuen werden. Im Sommer hatten Kanzlerin und Bundesumweltminister (beide CDU) angekündigt, die Belastungen der Kunden durch den Ökostrom-Ausbau einzugrenzen. Nennenswert höher als die derzeit zu zahlenden 3,53 Cent pro Kilowattstunde würde die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) nicht steigen, versprachen die beiden.
Dieses Versprechen aber entspricht schon jetzt der Quadratur des Kreises, meinen ausgerechnet die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur (Dena) sowie der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Dena-Chef Stephan Kohler sagte der Frankfurter Rundschau: „Es wird nicht gelingen, die EEG-Umlage auf etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde zu begrenzen. Die Politik sollte so ehrlich sein, das einzuräumen.“ Schon jetzt sei klar, dass der Betrag bald höher ausfallen werde. Und es kämen durch den Bau neuer Öko-Strom-Kraftwerke noch viele weitere Belastungen auf die Stromkunden zu. So stehe der gesamte Ausbau der Offshore-Windkraft noch bevor.
Wind an Land statt Solarstrom
Laut Kohler ergeben Berechnungen der Dena, denen die Energieszenarien der Bundesregierung zugrunde legen, „dass 2013 die EEG-Umlage vermutlich bereits bei knapp unter vier Cent liegen wird“. In den folgenden Jahren steige sie weiter schnell an. „2020 werden dann etwa fünf bis 5,5 Cent EEG-Umlage von den Haushaltskunden zu zahlen sein.“ Einschließlich Mehrwertsteuer entspricht das für einen Drei-Personen-Haushalt (3500 Kilowattstunden Verbrauch pro Jahr) knapp 210 Euro. „Es könnte sogar mehr werden, wenn nicht darauf geachtet wird, den Ausbau zu steuern“, sagte Kohler.
Auch Holger Krawinkel, Energieexperte des VZBV, hält es für „unmöglich, dass die Umlage auf dem derzeitigen Niveau gehalten werden kann“. Berechnungen Krawinkels ergeben, dass die Umlage schon 2016 auf über sechs Cent steigen könnte, zumindest aber auf über fünf Cent anschwillt. Krawinkel forderte, dass zur Abmilderung stärker in den Ausbau der Windkraft an Land investiert wird statt in Offshore-Anlagen und Photovoltaik, die mehr als doppelt so teuer sind. Kohler äußerte sich ähnlich. So solle der Bau der besonders teuren Photovoltaik-Anlagen klar begrenzt werden. „Ich halte einen jährlichen Deckel für sinnvoll und unterstütze auch die Forderung, den Markt auf ein Gigawatt Zubau pro Jahr zu begrenzen.“
Öko-Strom mit geringen Erlösen
Ein weiterer Preistreiber ist laut Kohler, dass Öko-Strom immer geringere Erlöse erziele, wenn er an der Börse vermarktet werde. In wind- und sonnenreichen Zeiten, so Kohler, sänken die Strompreise schon jetzt sehr stark ab. „Die Vergütung für die Betreiber der Anlage bleibt aber immer gleich hoch. Die Differenz muss mit der EEG-Umlage ausgeglichen werden.“ Öko-Strom-Verbände argumentieren, dass genau dieser Effekt auch für günstigeren Graustrom an den Börsen sorgt und so ein Teil der EEG-Belastung aufgewogen werde.
Dena-Chef Kohler mahnt vor allem mehr Energie-Effizienz an, um die Haushalte von den steigenden Strompreisen zu entlasten. In diesem Bereich bietet die Dena, die sich auch aus Industrie-Aufträgen finanziert, Dienstleistungen an. „Es ist wichtig, dass wir bei der Energieeffizienz schneller Fortschritte machen. Die Regierung hat bislang zu wenig getan, um ihr eigenes Ziel zu erreichen, den Stromverbrauch bis 2020 um zehn Prozent zu senken.“ In vielen Haushalten seien sogar Einsparungen von 20 bis 30 Prozent des Stroms für möglich.
Möglich sei auch, mehr Aufklärung zu betreiben, zum Beispiel durch Energieberater. Auch den Einsatz von Förderprogrammen hält die Dena für sinnvoll. Kohler sagte, zum Beispiel könnten Mikrokredite ausgereicht werden, damit sich auch einkommensschwächere Haushalte energetisch auf Vordermann bringen könnten.
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