Nach der Solarstrominitiative Desertec hat sich auch für das Projekt einer Ökostromverkabelung in der Nordsee eine Interessengruppe europäischer Unternehmen gegründet. Dabei geht es um den Aufbau eines Netzverbundes in der Nordsee, um zum Beispiel den Strom künftiger Offshore-Windparks europaweit besser nutzen zu können.
Zu den zehn Gründungsmitgliedern der "Friends of the Supergrid" (FOSG) zählen die beiden deutschen Firmen Hochtief und Siemens. Die Firmen wollen laut FOSG die künftige Netzinfrastruktur für die Stromübertragung in der Nordsee "entwickeln, installieren und betreiben".
Weitere Gründungsmitglieder der Initiative sind der französische Kernkraftwerksbetreiber Areva und der italienische Kabelhersteller Prysmian. Dagegen zählen klassische europäische Netzbetreiber wie die deutsche RWE, die niederländische Tennet oder die norwegische Statnet bisher nicht dazu. Die Gruppe wolle noch maximal zehn weitere Industrieunternehmen aufnehmen.
Konkreten Einfluss auf den Aufbau des Netzes haben die Firmen aber nicht, bieten sich mit ihrem Zusammenschluss aber als potenzielle Dienstleister an. Der Essener Baukonzern Hochtief spielt die Bedeutung der Gruppe herunter. "Es ist eine von vielen Interessensgruppen", sagte ein Sprecher. Gleichwohl will das Unternehmen das Wind-Offshoregeschäft ausbauen, das heute schon "gute Renditen" erwirtschaftet.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte indes davor, das Projekt ohne politische Regulierung durchzusetzen. "Dass das Netz etwa zum Transport von Atomstrom genutzt wird, kann nur politisch verhindert werden", sagte Greenpeace-Energieexperte Sven Teske der FR.
Etwa indem wie in Deutschland eine Vorrangregelung für die Einspeisung des Windstroms geschaffen wird. Eine weitere unbeantwortete Frage ist wie die rund 30 Milliarden Euro teuren Netze finanziert werden sollen.
Bis Juni 2011 wollen die europäischen Netzbetreiber der EU-Kommission einen konkreten Vorschlag unterbreiten, wie der Ausbau in der Nordsee ablaufen könnte. Vor Ende des Jahrzehnts dürfte aber die Verkabelung kaum abgeschlossen sein. Sie soll dafür sorgen, dass die Nordseeanrainer künftig Stromproduktion und -verbrauch besser koordinieren können.
Denkbar wäre etwa, dass Windstrom vom Meer in Zeiten geringen Verbrauchs in norwegischen Pumpspeicherwerken gespeichert und bei Anziehen der Nachfrage in die Industriezentren etwa Großbritanniens oder Deutschlands geschickt werden könnte.
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