Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe beim Nukleargipfel in Washington gemeinsam mit 46 weiteren Staatschefs versprochen, gegen die wachsende Atomterror-Gefahr zu kämpfen - tue aber in Deutschland genau das Gegenteil. Das werfen ihr deutsche Atomexperten und Umweltschützer vor.
"Jedes laufende Atomkraftwerk erhöht die Menge an nuklearem Material, das abgebaut, weiterverarbeitet, gehandelt, transportiert und gelagert wird", sagte Angelika Claußen, Vorsitzende der atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW.
"Auf jeder Stufe besteht die Gefahr, dass Material für eine schmutzige Bombe abgezweigt wird." Einen wirklichen Schutz biete nur "der schnellstmögliche Ausstieg aus der Atomenergie".
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte, dass Studien nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ergeben hatten, "dass die meisten Atommeiler in Deutschland dem Aufprall einer Linienmaschine nicht standhalten würden", sagte Atomexperte Mathias Edler.
Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte zudem, dass die schwarzgelbe Regierung Atomexporte ins Ausland nach zehn Jahren erstmals wieder durch Bürgschaften unterstützt. "Wer gefährliches Material in Länder exportiert, deren Standards oder sogar Absichten wir nicht kontrollieren können, trägt nicht zu einer sicheren Welt bei, sondern zu mehr Risiko", sagte Atomexperte Gerd Rosenkranz.
Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte Merkel "heuchlerisch". Während sie in Washington nach mehr Kontrolle und Sicherheit rufe, plane sie daheim AKW-Laufzeiten von 60 Jahren. Der Forschungsreaktor Garching produziere als einziger weltweit, noch hoch angereichertes Uran, sagte Trittin. "Wer es ernst meint mit nuklearer Sicherheit, muss aufhören, Spaltmaterial einzusetzen und dessen Menge zu vergrößern."
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