Das Bundesamt für Strahlenschutz favorisiert die Option "Herausholen der Fässer" zur Asse-Sanierung. Sie sagen, dass sei voreilig. Warum?
Es gibt bei allen drei Optionen noch große Fragezeichen. Man weiß noch zu wenig über das radioaktive Inventar und den Zustand des Salzstocks, als dass man sich jetzt schon festlegen könnte.
Kann man sich denn weitere Untersuchungen erlauben? Je länger es dauert, desto wahrscheinlicher wird, dass die Asse einstürzt.
Man muss die Untersuchungen schnell durchführen, keine Frage. Die Zeit drängt. Besser wäre es gewesen, die drei Optionen jetzt ohne eine Vorfestlegung zu diskutieren. Das und weitere konkrete Untersuchungen könnten binnen eines Jahres abgeschlossen sein.
Wie bewerten Sie die Option, bei der alle 126.000 Fässer aus dem Bergwerk herausgeschafft werden?
Es ist eine Lösung, bei der es noch riesige Fragezeichen gibt. Es ist eine große technische Herausforderung. Man muss mit Müllfässern hantieren, deren Inhalt und Zustand unklar ist. Das bringt nicht nur Strahlenrisiken für die Arbeiter im Berg, sondern auch potentielle Gefahren für die Umwelt, weil der radioaktive Müll denn zumindest zeitweise und eventuell viele Jahre oberirdisch gelagert werden muss.
Endlager für die Fässer soll Schacht Konrad werden, der ab 2014 bereit stehen soll. Haben Sie da Bedenken?
So einfach kann der Asse-Müll dort nicht hinein gepackt werden. Die Konrad-Genehmigung gilt dafür nicht, und es ist fraglich, ob die Langzeitsicherheit für das Asse-Material überhaupt garantiert werden kann. Es müsste eine ganz neues Genehmigungsverfahren durchgeführt werden.
Die Kosten der Sanierung trägt in jeden Fall der Steuerzahler...
Das ist alles andere als angemessen. Nur ein kleiner Teil des Asse-Materials stammt aus der reinen Nuklearforschung, der Löwenanteil stammt aus Atomkraftwerken. Deswegen müssen die Stromkonzerne hier unbedingt in die Pflicht genommen werden. Sie müssen einen wesentlichen Teil der Milliardenkosten tragen.
Das Herausholen der Fässer ist deutlich teurer als die Stabilisierung vor Ort. Ist das kein triftiges Argument?
Das darf überhaupt kein Argument sein. Es muss darum gehen, die sicherste, ungefährlichste Sanierung durchzuführen. Eine vermeintlich billige Lösung könnte Folgekosten erzeugen, die sie zur teuersten machen.
Die billigste Lösung wäre das Verfüllen der Asse mit Beton und Salzlösung.
Das ist nach bisherigem Kenntnisstand aber auch die schlechteste Lösung. Es wäre nur eine modifizierte Neuauflage des gescheiterten Konzepts des alten Asse-Betreibers. Sie könnte nur funktionieren, wenn die Asse stabil bleibt. Das ist praktisch ausgeschlossen. Damit programmiert man das Austreten der Radioaktivität.
Seitdem das Strahlenschutz-Bundesamt die Sanierung konzipiert, ist das Verfahren immerhin deutlich transparenter geworden.
Richtig. So sollte es auch weiter gehen. Die Optionen müssen nun offen weiter diskutiert werden - ohne eine Vorfestlegung.
Interview: Joachim Wille
Nachrichten zu Strom, Wind-, Wasser- und Solarenergie sowie alternativer Energie-Gewinnung.