Soviel ist klar: Das Atommüll-Endlager Asse hält nicht mehr lange. Drei Möglichkeiten gibt's: die Anlage fluten, den gefährlichen Abfall tiefer legen - oder rausholen. Das Bundesamt für Strahlenschutz will die Asse räumen. Das ist mutig - und gefährlich. Von Irene Meichsner
Dem Endlager Asse droht womöglich eine unkontrollierbare Überflutung mit Salzlösung. Leer räumen empfiehlt daher das Bundesamt für Strahlenschutz, und das so schnell wie möglich.
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Dem Endlager Asse droht womöglich eine unkontrollierbare Überflutung mit Salzlösung. Leer räumen empfiehlt daher das Bundesamt für Strahlenschutz, und das so schnell wie möglich.
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Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat sich entschieden: Die rund 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Atommüll in der maroden Schachtanlage Asse II sollen herausgeholt und in den Schacht Konrad, das erste offizielle Endlager der Bundesrepublik, transportiert werden.
Das BfS räumt aber ein, dass die Umsetzung durch "die Unkenntnis über den Zustand der eingelagerten Abfälle" erschwert werde. Parallel müssten deshalb in jedem Fall "alle technisch möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Grubengebäudes" fortgeführt werden.
Dem Endlager Asse droht womöglich eine unkontrollierbare Überflutung mit Salzlösung. Leer räumen empfiehlt daher das Bundesamt für Strahlenschutz, und das so schnell wie möglich.
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Dem Endlager Asse droht womöglich eine unkontrollierbare Überflutung mit Salzlösung. Leer räumen empfiehlt daher das Bundesamt für Strahlenschutz, und das so schnell wie möglich.
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Denn das ehemalige Kalisalzbergwerk östlich von Wolfenbüttel gilt als einsturzgefährdet: Spätestens seit 1988 dringt eine Steinsalzlösung ein. Mittel- bis langfristig droht der Schacht abzusaufen.
Die Gefahr größerer Mengen Salzlösung sei nicht auszuschließen, so das BfS. Einer aktuellen Einschätzung des Instituts für Gebirgsmechanik zufolge gilt die Stabilität der Anlage Asse II noch bis zum Jahr 2020 als gegeben. Wenn weitere Lauge eintritt, verkürzt sich diese Lebensdauer.
Atommüll-Lager Asse - Probleme ohne Ende
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Atommüll-Lager Asse - Probleme ohne Ende
Es war das erste unterirdische Atommüll-Endlager weltweit - und ist seit Jahrzehnten marode: Im ehemaligen Salzbergwerk Asse in der Nähe des niedersächsischen Wolfenbüttel lagert radioaktiver Abfall.
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In der Asse haben sie, wie es offiziell heißt, einen Laugen-Notstand. Durch die Decken sickert Flüssigkeit ein. Mit Schläuchen, Folien und 1000-Liter-Fässern wird die Lauge aufgesammelt und nach draußen geschafft. Sümpfe wie dieser in 750 Metern Tiefe enthalten Magnesiumchloridlauge. 2009 hat sich die Menge verdreifacht.
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Aktivisten machen immer wieder auf das ungelöste Entsorgungsproblem aufmerksam - auch und vor allem das marode Endlager bietet ihnen dafür eine Kulisse.
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Die interne Bewertung, die Grube sei als Atom-Grab "nur beschränkt" geeignet, fiel unter den Tisch. Unbeachtet blieben auch Warnungen der Praktiker vor Ort. Verbürgt ist die Aussage eines erfahrenen Obersteigers: "Wir kämpfen doch schon seit Jahren gegen das Wasser." Das marode Bergwerk löst immer wieder Proteste aus.
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Für rund 600.000 Mark wechselte die Grube 1965 den Besitzer. Die Rechner im für die Finanzen zuständigen Forschungsministerium hielten das für ein Schnäppchen. Das Kernforschungszentrum Karlsruhe, ebenfalls in Staatsbesitz, wollte damals Atommüll los werden. Eine Halle für das strahlende Zeug hätte 1,6 Millionen Mark gekostet.
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Rund 126.000 Fässer wurden hier zwischen 1967 und 1978 deponiert. Was genau in den Gewölben lagert, ist bis heute unklar.
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Umweltminister Sigmar Gabriel hat das Bergwerk Asse als "löcherig wie einen Schweizer Käse" bezeichnet. Die Löcher erklären sich aus der Geschichte der Grube. 13 Abbau-Etagen in Tiefen von 490 bis 750 Metern, aus denen seit 1899 Kali-Dünger und feines Steinsalz - der Hausfrau damals als Asse Sonnensalz bekannt - heraus geholt wurden.
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Im Salzbergwerk Asse 2 (der Schacht Asse 1 anderthalb Kilometer entfernt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben worden) wurde von 1906 bis 1964 Steinsalz abgebaut.
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Decken und Wände werden in Salzbergwerken nicht abgestützt - das salzhaltige Gestein, das das Grubengewölbe bildet, kann sich selbst tragen.
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Mit der Zeit gibt es allerdings nach - im Lager Asse um bis zu 15 Zentimeter jedes Jahr.
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Das Einlagern in Salzstöcken schien Politik und Wissenschaft seit den 60er Jahren eine gangbare Möglichkeit, sich des radioaktiven Mülls aus deutschen Kernkraftwerken zu entledigen.
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Ende der 70er Jahre wurde die Asse zum Forschungsbergwerk erklärt.
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Geologen und Ingenieure untersuchten, ob sich die Salzstöcke als Endlagerstandort für Atommüll eignen, der stark Wärme ausstrahlt.
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Das Salz, so war der Plan, sollte den radioaktiven Müll dauerhaft einschließen. Die Behälter, die mit der Zeit durchrosten, dienten nur dem Transport.
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In rund 750 Metern Tiefe lagert kontaminierte Natriumchlorid-Lauge.
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Auch eine halbe Tonne hochgiftiges Arsen, das wie Quecksilber und Blei üblicherweise in radioaktiven Abfällen enthalten ist, findet sich im Bergwerk.
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Ein Mitarbeiter misst die Radioaktivität vor einer zugemauerten Kammer. Die Einsturzgefahr des Lagers beschäftigte auch einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss.
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Immer neue Pannen werden in Asse bekannt.
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Der langjährige Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, wurde vom Umweltminister Sigmar Gabriel - hier bei einer Asse-Besichtigung - entmachtet. Jetzt verwaltet die Atommüll-Ruine das Bundesamt für Strahlenschutz.
Seit 2009 informiert das Bundesamt für Strahlenschutz auch Bürger in einem Infozentrum an der Asse. Neben dem Müll aus Karlsruhe wurde auch Nuklear-Abfall aus Medizin und Industrie in Asse eingelagert.
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Anfang des Jahres 2009 rechnete man noch mit einer Einsturzgefahr der Decken in Asse im Jahr 2014 - inzwischen ist die Decke bereits auf 500 Metern eingestürzt.
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Abgesperrter Stollenbereich des Bergwerks (Archivfoto vom Januar 2009). Die endgültige Schließung des Lagers wurde mehrfach verschoben. Derzeit ist 2020 im Gespräch.
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Längst ist klar: Atommüll kann in der Asse nicht dauerhaft trocken gelagert werden. Seit 1978 dringen in über 600 Meter Tiefe täglich rund zwölf Kubikmeter Wasser ein. Überlegt wird, das Bergwerk zu fluten - dies allerdings birgt die Gefahr, dass radioaktives Material gelöst wird und mit der Zeit durch das Gestein nach außen tritt.
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Schutz von oben: Die Heilige Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, wacht in den Tiefen der Asse über die gefährlichen Hinterlassenschaften.
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1993 zog die Politik die Notbremse: Die Forschungsarbeiten wurden abgebrochen. Um die Frage, ob der gelagerte Atommüll aus dem Bergwerk geholt oder dort sicher abgeschlossen wird, entbrannte politischer Streit.
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Inzwischen kämpfen Bürger, Umweltschützer und Kommunalpolitiker gegen den strahlenden Müll in Asse. Jetzt wird nach neuen Wegen aus dem Debakel gesucht. Sicher ist derweil, dass die Asse den Steuerzahler viel Geld kosten wird.
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Asse - das ist ein altes Bergwerk, in dem Salz abgebaut wurde. Inzwischen ist es Lagerstätte für Atommüll und nebenbei noch Produktionsstätte für Lauge. Denn immer mehr Wasser sickert in die Anlage.
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Die Gorleben-Story
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Im niedersächsischen Gorleben sollte nach den Plänen von Bundes- und Landesregierung von 1977 ein komplettes atomares Entsorgungszentrum entstehen. Geplant waren ein Zwischenlager für Castor-Behälter, eine Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) für abgebrannte Kernbrennstoffe sowie ein Endlager tief unten im Salzstock. Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) präsentierte den Standort bei einer Pressekonferenz im Februar 1977 in Hannover.
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Der gewählte Standort für das atomare Entsorgungszentrum liegt rund zwei Kilometer südlich der Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Die Region befindet sich an der früheren Grenze zur DDR und ist dünn besiedelt.
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Entgegen der Erwartung von Ministerpräsident Albrecht bildete sich schnell eine starke Protestbewegung. 1979 nahmen an einem "Treck nach Hannover" mehr als 100.000 Menschen teil. Albrecht sah ein, dass das große Entsorgungskonzept keine Chance hatte. Er erklärte, eine WAA-Atomfabrik sei "politisch nicht durchsetzbar".
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Die Pläne für das Zwischenlager, in dem Castor-Behälter mit abgebrannten Brennelementen und verglaste hochradioaktive Abfälle untergebracht werden sollten, und für das Endlager wurden jedoch weiter verfolgt.
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Das Zwischenlager wird seit 1984 betrieben. Die Lagerhalle für Behälter ist 4500 Quadratmeter groß und fünf Meter hoch.
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Die regelmäßigen Castor-Transporte nach Gorleben aus der französischen WAA in La Hague, wo abgebrannte Brennstäbe bis zum Jahr 2005 angenommen wurden, sind stets von starken Protesten begleitet.
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Spektakuläre Aktionen, wie hier von Robion Wood, konnten den Transport jedoch allenfalls verzögern.
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Immer wieder blockierten Demonstranten - gut bewacht von der Polizei - den Schienenweg in Richtung Gorleben.
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Die Kreativität der Demonstranten machte den Protest gegen die Transporte nach Gorleben zu regelmäßigen Medien-Aufregern.
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Mit der Hartnäckigkeit der Demonstranten hatte die Polizei oft ihre liebe Mühe.
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Auch Greenpeace gehörte immer wieder zu den wichtigen Impulsgebern der Demonstrationen.
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Menschen aus ganz Europa demonstrieren regelmäßig gegen die Castor-Transporte.
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1979 begann die Untersuchung des Salzstocks, die Aufschluss über die Eignung als Endlager geben sollte. Der Verdacht, dass Niedersachsen den Standort im Wendland nicht primär aus fachlichen, sondern aus politischen Gründen ausgesucht hatte, wurde jüngst bestätigt.
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Als damaliges Mitglied der Auswahl-Kommission sagte der heute emeritierte Geologie-Professor Gerd Lüttig, Albrecht habe Kommissionsempfehlungen nicht abgewartet, sondern sei festgelegt gewesen.
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Zitat: "Er wollte einen Standort in der Nähe der damaligen Zonengrenze haben, weil die Ostzonalen, wie er immer sagte, uns die Geschichte mit ihrem Endlager Morsleben eingebrockt hatten" (Lüttig).
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Im sachsen-anhaltinischen Morsleben hatte Ost-Berlin ein Atom-Endlager nahe der Grenze eröffnet. Nach Aussagen von Experten waren andere norddeutsche Salzstöcke nach Aktenlage mindestens ebenso oder besser geeignet als Gorleben.
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Bis 1983 lief die Voruntersuchung in Gorleben, die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) bewertet wurde. Danach startete die untertägige Erkundung, die die Stromkonzerne - und damit die Stromkunden - bislang 1,5 Milliarden Euro gekostet hat. Sie wurde im Jahr 2000 gestoppt.
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Sowohl Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) als auch sein Nachfolger Sigmar Gabriel (SPD) versuchten, eine neue Endlagersuche zu starten. Dabei sollten nicht nur Salzstöcke, sondern auch Granit-Standorte einbezogen werden, die sich in Baden-Württemberg und Bayern befinden. Das scheiterte aber am Widerstand von Union und FDP sowie der Atomwirtschaft, die die Erkundungsarbeiten in Gorleben möglichst schnell wieder aufnehmen lassen wollen.
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Neue Zweifel an der Eignung Gorlebens bringt ein Gutachten des Ex-PTB-Mitarbeiters Ulrich Schneider, das die niedersächsischen Linken in Auftrag gegeben haben. "Es stellt sich die Frage, wann Gorleben absaufen wird", sagte der Geologe. Er verglich den Salzstock mit einem hohlen Zahn, in den Wasser wie Karies eindringe. Frühere Untersuchungen über Wasserläufe in dem Gestein kritisierte er als zu undifferenziert. Wasser dringe in das Steinsalz des geplanten Endlagers umgebenden Kalisalzschichten ein und weiche diese auf.
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Der Salzstock bei Gorleben wird seit 1977 als möglicher Standort zur Endlagerung hoch radioaktiven Atommülls gehandelt. Einige Geologen bezweifeln die Tauglichkeit des Salzstocks in Gorleben als Endlager. Umweltschützer vermuten, dass der Salzstock unter dem Deckmantel der Erkundung bereits seit Jahrzehnten zum Endlager für hoch radioaktiven Atommüll ausgebaut wird. Die FR erzählt die Gorleben-Story und den Protest in Bildern
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Die Zeit drängt. Das BfS rät deshalb, mit der Rückholung der radioaktiven Abfälle "schnellstmöglich zu beginnen". Doch mit solchen Projekten hat bisher weltweit kein Mensch Erfahrungen gesammelt.
Trotzdem stelle die Rückholung auf der Basis des aktuellen Wissensstandes "die einzige sicher umsetzbare" Alternative dar, heißt es in der 225-seitigen "fachlichen Bewertung" des Bundesamtes, über die der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Die Expertise soll heute in Wolfenbüttel der "Begleitgruppe" aus Politikern, Bürgerinitiativen und Wissenschaftlern vorgestellt werden.
Jahrelang hatte der frühere Betreiber der Asse II, das heutige Helmholtz-Zentrum München (früher Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung, GSF), vor den Problemen im maroden Bergwerk die Augen verschlossen. Über den Inhalt der Schachtanlage gibt es bis heute keine vollständigen Angaben.
Im August 2009 wurde bekannt, dass sich darin auch rund 28 Kilogramm ultragiftiges Plutonium befinden. Außer radioaktivem Müll wurden auch unbekannte Mengen anderer giftiger Abfälle eingelagert.
Drei Optionen für die Sicherung und Stilllegung lagen dem BfS auf dem Tisch: die Rückholung des Atommülls, die Umlagerung in tiefere Schichten des Bergwerks sowie die vom früheren Betreiber favorisierte "Vollverfüllung", sprich: das Fluten der Anlage, gegebenenfalls auch eine teilweise Auffüllung mit festem Material.
Allen Optionen bescheinigt das BfS, dass sie sich prinzipiell umsetzen ließen. Auch seien sie alle "mit den vorgesehenen oder modifizierten Notfallmaßnahmen" für den Fall eines unkontrollierten Zustroms von Salzlösung vereinbar.
Das BfS vergleicht die drei Optionen in einer Güterabwägung anhand von fünf Kriterien, darunter "Langzeitsicherheitseinschätzung", "Machbarkeit" und "Zeitbedarf". Die "Freisetzung von radioaktiven und chemotoxischen Stoffen" müsse kurz- und langfristig "vermieden oder bestmöglich minimiert werden".
Eigentlich schneidet die Option "Vollverfüllung" am besten ab: Sie wäre technisch am einfachsten und schnellsten umsetzbar, belastet die Beschäftigten am wenigsten und hat im Fall eines "unbeherrschbaren Lösungszutritts" geringere Auswirkungen auf die Umwelt.
Allerdings schneidet die Option "Rückholung und Verbringung in ein geeignetes Endlager" im Hinblick auf die langfristig sichere Unterbringung am besten ab. Nur bei dieser Methode ergäbe sich die "begründete Erwartung", dass "nach derzeitigem Stand des Wissens ein Langzeitsicherheitsnachweis geführt werden kann."
Der Bewertung des Rückhol-Verfahrens liegt eine gemeinsame Expertise des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des TÜV Nord zugrunde. Sie sieht ferngesteuertes Gerät oder strahlenschutztechnisch abgeschirmte Kabinen vor, die laut Gutachten als erprobte Techniken bereits zur Verfügung stünden.
Die Berater warnen, dass die Fässer eventuell in einem Salzgebinde feststecken könnten. Sie wären dann nur unter großen Schwierigkeiten ohne Beschädigung zu bergen. Es gebe jedoch geeignete Werkzeuge dafür.
Das BfS rechnet damit, dass die Rückholung und Endlagerung des kompletten Mülls in den Schächten etwa zehn Jahre dauert - zweieinhalb Jahre mehr, als DMT und TÜV Nord veranschlagen. Über die Kosten schweigt sich das Papier aus; DMT und TÜV bezifferten sie mit mehr als zweieinhalb Milliarden Euro. Diese Summe dürfte aber deutlich zu knapp bemessen sein, allein schon wegen des vom BfS höher veranschlagten Zeitbedarfs.
Parallel zur Rückholung müssten "Notfallmaßnahmen" getroffen werden, so das BfS, um die Folgen eines möglichen "unbeherrschbaren Lösungszutritts" zu begrenzen. Das heißt: Für den Ernstfall wird wohl auch eine Not-Flutung nicht ausgeschlossen. Gelingt die Rückholung, würden aus 126.000 Fässern Asse-Müll den Berechnungen von DMT und TÜV zufolge dann 13.101 endgelagerte Container im Schacht Konrad werden.