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Atommülllager: Plan für die Asse "voreilig"

Forscher und Umweltschützer dringen auf konkrete Untersuchungen im Atommülllager Asse. Kritik an einer schnellen endgültigen Festlegung auf eine Variante kommt sogar von der Entsorgungskommission. Von Joachim Wille

Umweltminister Sigmar Gabriel hat das Bergwerk Asse als löcherig wie einen Schweizer Käse bezeichnet. Die Löcher erklären sich aus der Geschichte der Grube. 13 Abbau-Etagen in Tiefen von 490 bis 750 Metern, aus denen seit 1899 Kali-Dünger und feines Steinsalz - der Hausfrau damals als Asse Sonnensalz bekannt - heraus geholt wurden.
Umweltminister Sigmar Gabriel hat das Bergwerk Asse als "löcherig wie einen Schweizer Käse" bezeichnet. Die Löcher erklären sich aus der Geschichte der Grube. 13 Abbau-Etagen in Tiefen von 490 bis 750 Metern, aus denen seit 1899 Kali-Dünger und feines Steinsalz - der Hausfrau damals als Asse Sonnensalz bekannt - heraus geholt wurden.
Foto: bilderberg

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) will das lange erwartete Schließungskonzept für das marode Atommülllager Asse veröffentlichen. Es soll am morgigen Freitag vorgestellt werden.

Wissenschaftler und Umweltschützer warnen aber, der Bund lege sich damit "voreilig" auf eine Variante fest. Ihr Argument: Die bisherigen Erkenntnisse über das eingelagerte radioaktive Inventar in dem ehemaligen Bergwerk und über den Zustand des Salzstocks ließen die Entscheidung für eine der drei untersuchten Schließungsvarianten noch gar nicht zu.

In dem ehemaligen Salz- und Kali-Bergwerk lagern mehr als 125.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll. Zur Debatte stehen die Rückholung der radioaktiven Abfälle, die Umlagerung der Müllfässer in tiefere Schichten des Salzstocks sowie die Verfüllung der Stollen mit Spezialbeton plus einer Salzlösung. Nötig ist die Sanierung, weil die Grube einsturzgefährdet ist und täglich rund zwölf Kubikmeter Wasser von außen eindringen.

Kritik an einer schnellen endgültigen Festlegung auf eine Variante kommt sogar von der Entsorgungskommission (ESK), die die Bundesregierung berät. Sie hat dem Umweltministerium in einem Brief empfohlen, die Fertigstellung des "integrierten Notfallplans" für die Asse abzuwarten, der Ende Februar fertig sein soll, sowie zuerst einzelne "Einlagerungskammern" im Salz zu öffnen und Abfallfässer zu entnehmen, um deren Beschaffenheit und Inhalt zu überprüfen.

Atommüll-Lager Asse - Probleme ohne Ende

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Der Grund: Erst dann könne man beurteilen, ob und wie die offenbar teils verbeulten und rostenden Fässer geborgen und abtransportiert werden können. "Nur auf diesem Weg können die erforderlichen Informationen erhalten werden, die für eine Entscheidung über die Belastbarkeit der Option ,vollständige Rückholung notwendig sind", heißt es in einem ESK-Brief an das Ministerium, der der FR vorliegt. Die Experten schätzen, dass eine belastbare Entscheidung dann im Sommer 2010 fallen könnte.

Auch der Umweltverband BUND forderte weitere Untersuchungen. "Die vermutlich billigste Schließungsvariante, das Einbetonieren des Atommülls mit anschließendem Fluten des Bergwerks", müsse vor allem wegen fehlender Langzeitsicherheit in Frage gestellt werden. Ein Umlagern der Fässer gewährleiste ebenfalls keine Langzeitsicherheit, sagte BUND-Experte Thorben Becker. Das Herausholen des Atommülls wiederum bedeute enorme Gesundheitsrisiken für die damit betrauten Arbeiter. Unklar sei auch, wo der Atommüll dann eingelagert werden könne.

In der "Asse-II-Begleitgruppe", in der Kommunalpolitiker aus der Region, Bürgerinitiativen, Umweltverbände und drei Wissenschaftler sitzen, gibt es unterschiedliche Bewertungen des Asse-Fahrplans. Ihr Vorsitzender, der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann (SPD), sagte der FR, er sei "positiv gespannt" auf die Verkündung der Asse-Pläne an Freitag. Physik-Professor Rolf Bertram hingegen sprach von einem "unglaublichen Affront". Die Zeit zur Bewertung der Optionen sei viel zu kurz gewesen.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  14 | 1 | 2010
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