"Tschechien will in Zukunft Strom aus einem ausgewogenen Energieträger-Mix und zu mindestens 80 Prozent aus heimischen Quellen beziehen". Mit diesen Worten eröffnete der Tschechische Premierminister Petr Nečas am Donnerstag im Prager Regierungsamt die Pressekonferenz zur neuen Energiestrategie.
Was sich hinter diesen Floskeln verbirgt, lässt die Atom-Lobby frohlocken: Auf 50 bis 55 Prozent soll der Anteil der Kernenergie an der tschechischen Stromproduktion bis zum Jahr 2040 steigen. Dafür soll die Produktion von Strom aus Kohle schrittweise reduziert werden. Das sieht die von Experten im Auftrag der Regierung ausgearbeitete Studie zur Energie-Zukunft Tschechiens vor. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Regierung in Prag in den nächsten Jahrzehnten mehrere Milliarden Euro in den Neubau von Kernreaktoren investieren.
Der südböhmische Meiler Temelín soll von zwei auf vier Reaktorblöcke erweitert werden. Die Ausschreibung dazu läuft bereits.
Im 1985 bis 1987 in Betrieb genommenen Kernkraftwerk Dukovany wird nach den Plänen der liberal-konservativen Regierungskoalition die Laufzeit der Reaktoren verlängert. Außerdem soll in dem von Kernkraftgegnern für seine mangelnden Sicherheitsvorkehrungen scharf kritisierten Meiler ein fünfter Reaktorblock errichtet werden.
Den Bau eines weiteren, komplett neuen dritten Kernkraftwerkes schließt die Regierung ebenfalls nicht aus. Die Standortfrage ist allerdings bisher noch völlig offen.
Die in der Vergangenheit unter grüner Regierungsbeteiligung beschlossenen und seither bereits mehrfach wieder reduzierten großzügigen Förderungen von Energie aus erneuerbaren Quellen will die Regierung hingegen ganz abschaffen. Der Anteil an Öko-Energie wird deshalb nach der neuen Energiestrategie bei etwa 14 Prozent stagnieren.
"Wir rechnen nicht mehr mit öffentlichen Förderungen für Energie aus erneuerbaren Quellen. (...) Wir wollen die tschechische Industrie und die Wirtschaft allgemein nicht mehr dazu zwingen, überhöhte Strompreise für elektrische Energie aus ökologischen Quellen bezahlen zu müssen. In der Vergangenheit gab es da eine sehr unglückliche Lösung. Deshalb wollen wir ab 2014 die Ökoenergie-Förderung komplett einstellen", erläuterte Wirtschaftsminister Martin Kuba am Donnerstag in Prag.
Er sei aber zuversichtlich, dass auf vielen Einfamilienhäusern auch weiterhin Solarpaneele installiert würden, so Kuba: "Sobald es sich für die Häuslebauer finanziell rechnet, werden sie von selbst Solaranlagen errichten." Dazu brauche es keine staatliche Unterstützung, meint der konservative Politiker.
Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...