Die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung vermissten 2285 Brennelementekugeln sind nach Angaben des Forschungszentrums Jülich nicht verschwunden, sondern befinden sich in einem Zwischenlager auf dem Gelände. Das sagte FZJ-Sprecherin Anne Rother am Sonntagabend den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Damit widersprach sie Spekulationen, wonach die hoch radioaktiven Kugeln im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse lagern könnten.
Nach Angaben Rothers sind die vermeintlich verschwundenen Kugeln zerbrochen. Sie befinden sich demnach teilweise noch in dem Reaktorbehälter des ehemaligen Atomversuchskraftwerks in Jülich oder sind „lagerfähig einzementiert“. Rother erklärte: „Bei den einzementierten Kugeln handelt es sich im Wesentlichen um Kugeln, die während der Betriebszeit des Versuchsreaktors zerbrochen sind und dem Forschungszentrum vom damaligen Betreiber zur Zwischenlagerung übergeben wurden.“ Daneben seien Kugeln für Forschungszwecke untersucht und ebenfalls einzementiert worden.
Der bisherige Verbleib in Jülich sei der Landesregierung bekannt gewesen. Dies dementieren nach Informationen der WAZ-Zeitungen aber politische Kreise.
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Die Landesregierung hatte laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen erklärt, der Verbleib sei unklar. NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) geht demnach davon aus, dass Brennelementkugeln „allem Anschein nach“ im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse gelandet seien. Genau lasse sich das heute nicht mehr herausfinden, weil die in der Asse „eingelagerten Mengen nicht bekannt sind“.
In der Asse durften allerdings nur schwach und mittelradioaktive Abfälle der Republik gelagert werden – keine Brennelemente. Das Land fordert von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) Aufklärung über die vermissten Kugeln.
Bei Politikern hatte der Fall bereits für Empörung gesorgt. „Ein erschreckendes Beispiel, wie lax mit radioaktiven Stoffen hier umgegangen wurde“, kritisierte Hans Christian Markert, Atom-Experte der Grünen in Nordrhein-Westfalen. Der Landtagsabgeordnete hat ausgerechnet, dass in den angeblich verschwundenen Kugeln etwa 2,2 Kilogramm Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium 232 stecken. Allein das wäre Stoff genug für mehrere schmutzige Bomben.
Auf dem Gelände in Jülich lagern nach Angaben des Forschungszentrums in 152 Castoren 288.161 intakte Brennelementekugeln. Insgesamt seien 290.705 Kugeln zwischen 1967 und 1988 eingesetzt worden. Daneben sei Kugelbruch aus dem Reaktor einzementiert worden und werde als mittelradioaktiver Abfall zwischengelagert. Das sei der Landesregierung bekannt und werde von der europäischen Atomgemeinschaft Euratom regelmäßig kontrolliert.
Die in Jülich lagernden Castoren sollen nach den Plänen der Bundesregierung ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. Das will die rot-grüne Landesregierung verhindern. Die Jülicher Brennelemente dürften nur noch einmal transportiert werden und zwar in ein Endlager, hatte Schulze gesagt.
Ungeeignet wäre dagegen Asse: Im alten Salzbergwerk sind von 1967 und 1978 insgesamt 126.000 Fässer mit Atommüll eingelagert worden - angeblich um die Endlagerung zu erforschen. Das Endlager gilt als marode und von Wassereinbrüchen bedroht. Das BfS bereitet derzeit eine mögliche Rückholung des Atommülls vor. (dapd/dpa)
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