Hannover. Im maroden Atommüll-Endlager Asse lagern laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weit stärker strahlende Abfälle als bisher angenommen. Dies erklärte BfS-Präsident Wolfram König am Donnerstag am Rande des Asse-Untersuchungsausschusses des Niedersächsischen Landtags.
Bei einer Atommüll-Fuhre - die für das ehemalige Salzbergwerk bei Remlingen (Kreis Wolfenbüttel) bestimmt war, aber im Zwischenlager des Forschungszentrums Geesthacht geblieben ist - stimmten bei der Hälfte der 150 Fässer Deklaration und Inhalt nicht überein. Diese Behälter verfügten im Inneren über eine dicke Abschirmung aus Blei. "Das kann nur bedeuten, dass dort höhere Strahler drin sind", sagte König. Dies treffe dann wohl auch auf einen Teil der 126.000 Fässer zu, die in der Asse eingelagert sind. "Wir gehen von einer höheren Aktivität als deklariert aus." Problematisch sei auch die Schwermetallbelastung. Es gebe aber keine Hinweise auf hoch radioaktive Abfälle wie abgebrannte Brennstäbe.
Der genaue Aufschluss über das strahlende und giftige Inventar des Bergwerks, in das täglich rund 12000 Liter Wasser fließen, lässt noch immer auf sich warten. So ist weiterhin offen, wie viel Plutonium tatsächlich unter Tage lagert; zunächst war von neun Kilogramm die Rede, später beliefen sich Berechnungen auf 28 Kilo. "Die alten Betreiberangaben bilden nicht die Realität ab", beklagte König. Zudem sei nur bei einem kleinen Teil der Fässer der Inhalt gekennzeichnet.
Derzeit erfasst eine Arbeitsgruppe des früheren Betreibers Helmholtz gemeinsam mit den damaligen Abfalllieferanten anhand der Unterlagen Mengen und Inhalte. Der TÜV Süd führt dazu Plausibilitätskontrollen durch. Ergebnisse sollen noch im April präsentiert werden. König hofft zudem, dass sein Amt bis Ende 2010 in einigen Lagerkammern Luftmessungen durchführen kann.
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