Frankfurt a.M. Das Saharastrom-Projekt Desertec bekommt einen prominenten Fürsprecher. Der frühere deutsche Umweltminister und langjährige Chef des UN-Umweltprogramms in Nairobi, Klaus Töpfer (CDU), wird Berater der Industrieinitiative, die in den nächsten Jahrzehnten große Solarstrom-und Windkraft-Projekte in den Wüstengebieten Nordafrikas und des Nahen Ostens bauen will.
Töpfer soll seine guten Kontakte zu afrikanischen Ländern und sein Renomee als Vorkämpfer für eine nachhaltige Entwicklung nutzen, um dem Projekt den Weg zu ebnen.
Der 71-jährige Experte, der seit 2009 Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit (IASS) in Potsdam ist, legt denn auch Wert auf die Entwicklungskomponente des Projekts. Desertec dürfe nicht nur den Abnehmern in Europa nützen, die über ein neues Hochspannungsnetz Ökostrom geliefert bekommen sollen, sondern auch den Ländern wie Marokko, Tunesien oder Ägypten, in denen die Solar- und Windanlagen stehen sollen.
"Es muss gewährleistet sein, dass auch die Länder in besonderem Maße profitieren, in denen Strom aus erneuerbaren Energien produziert wird." Der grüne Strom soll die dort bislang meist ineffizient in fossilen Kraftwerken hergestellte Elektrizität ersetzten und eine weitere industrielle Entwicklung ermöglichen.
Töpfer sagte, der Zeitdruck in der Bekämpfung der globalen Armut auf Basis einer klimaverträglichen Energieversorgung sei groß: "Bisher dauert es viel zu lange, bis wissenschaftliche Erkenntnisse zu gesellschaftlichem und politischem Handeln führen." Das Desertec-Projekt sei ein positives Gegenbeispiel, bei dem Industrieunternehmen schnell vorangingen.
In der Desertec-Initiative haben sich Konzerne wie Siemens, ABB, Eon, RWE, Schott Solar und Solar Millennium, die Deutsche Bank und der Versicherer Munic Re zusammengeschlossen. Außerdem sind das spanische Unternehmen Abengoa Solar und der algerische Konzern Cevital dabei, weitere Firmen aus der Mittelmeer-Region sollen folgen. Die Gesamt-Investitionssumme für die Ökokraftwerke und Stromleitungen soll 400 Milliarden Euro betragen. Lauft alles gut, könnte eine erste Desertec-Ausbaustufe ab 2020 Strom produzieren.
Desertec-Geschäftsführer Paul van Son kommentierte den Stand des Projekts so: "Entscheidend für den Erfolg ist die Schaffung eines regulatorischen Rahmens für Europa, den Nahen Osten und Nordafrika, um Investitionen in Sonnen- und Windenergie und interkontinentale Stromnetze zu ermöglichen." Kaum jemand könne die damit verbundenen Fragen auf politischer Ebene besser angehen als eine so erfahrene und in Europa und Afrika bekannte Persönlichkeit wie Töpfer.
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