In einigen Jahrzehnten sollen riesige Solarkraftwerke in der Sahara Nordafrika und Teile von Europa mit Strom versorgen. Auf dem Weg zu dieser Vision des Desertec-Projekts gibt es jedoch noch zahlreiche technische Probleme zu lösen.
Eine Vision wird Realität: Andasol heißt ein 150-Megawatt-Komplex aus drei solarthermischen Kraftwerken, der in der spanischen Provinz Granada entsteht.
Eine Vision wird Realität: Andasol heißt ein 150-Megawatt-Komplex aus drei solarthermischen Kraftwerken, der in der spanischen Provinz Granada entsteht.
Riesige Solarkraftwerke in der Sahara sollen in einigen Jahrzehnten Nordafrika und Teile von Europa mit Strom versorgen. Das ist die Vision des Desertec-Projekts. Seit Jahren arbeiten die Fachleute an dem Plan – doch der Weg ist holprig.
Offen ist unter anderem, wie die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern, die den Strom aus der Wüste importieren wollen, und den Staaten in Nordafrika, die den Strom liefern, aussehen soll. Auch die technischen Fragen sind noch nicht restlos geklärt. So müssen die Anlagen deutlich billiger werden, bevor sich ihr Einsatz rentiert.
Desertec soll die besten Solar-Standorte der Welt, die Wüsten, mit modernen Technologien aus den Industrieländern zusammenbringen. „Auf diese Weise könnten sich sowohl die Technologieländer in Europa als auch die Wüstenanrainerstaaten Nordafrikas mit sauberer Energie versorgen“, sagt Gerhard Knies, Mitbegründer der Desertec-Foundation und Vater der Wüstenstrom-Initiative. „Theoretisch ließe sich in der Sahara hundertmal soviel Elektrizität erzeugen wie die Menschheit je brauchen würde“, sagt er.
Der Grund: In der Sahara scheint die Sonne viel stärker als in Europa, weshalb Solarkraftwerke dort deutlich effizienter arbeiten können. Diese Kraftwerke bestehen nicht aus Solarzellen, wie man sie auf vielen deutschen Hausdächern findet. Es sind sogenannte solarthermische Kraftwerke, bei denen große Spiegel das Sonnenlicht auf das Hundert- bis Tausendfache konzentrieren, um Wasser zu verdampfen. Der Dampf treibt anschließend eine Stromturbine an.
Der Vorteil gegenüber der Solarzelle auf dem Hausdach: „Man kann die am Tag gesammelte Solarenergie über Nacht speichern, und zwar in Form von Hitze“, so Knies auf der Konferenz „Solar Energy for Science“, die jetzt in Hamburg statt. „Dadurch lässt sich Solarstrom nach Bedarf liefern.“
Stromerzeugung in Deutschland
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Stromerzeugung in Deutschland
Der Ausstieg aus dem Atomstrom könnte schneller erfolgen als geplant. Die Grafik zeigt die Anteile des Atomstroms bis 2019 - die Folgegrafik geht weiter....
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Bis 2030 könnte aller Strom aus erneuerbaren Energieformen stammen.
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Das Atommoratorium und Wartungsarbeiten führten im Mai 2011 zu der kuriosen Situation, dass nur sechs Atomkraftwerke am Netz waren. Dennoch brach nirgends die Stromversorgung zusammen. Die Fakten im Einzelnen....
Noch am 12. März 2011 halten sich Atomkraftwerke und Braunkohle die Waage...
Am 2. Mai sank die Stromerzeugung insgesamt und der Anteil der AKW erheblich.
Gehandelt wird der Strom an der Leipziger Börse EEX zum stündlichen Kauf. Die Grafik zeigt die Preisentwicklung.
Dabei ist die Herstellung unterschiedlich teuer - am günstigsten ist Braunkohle.
Windkraft zählt zu den teureren Energiegewinnungsformen ist aber viel umweltverträglicher. Geeignete Standorte dafür gibt es vor allem in Norddeutschland.
Der Strom für deutsche Steckdosen kommt aus verschiedenen Quellen: Braunkohle, Gas, Steinkohle und Uran (AKW). Damit der Strom alle Haushalte erreicht gibt es Stromtrassen - doch deren Kapazität reicht laut Experten nicht aus. Daher sind neue Stromtrassen vor allem für erneuerbare Energien geplant.
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Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
Foto: dpa/dpaweb
Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
Foto: dpa
Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
Foto: dapd
Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
Foto: Schlaich Bergermann Solar GmbH
Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
Foto: Schlaich Bergermann Solar GmbH
Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
Foto: dpa
Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
Foto: eon
Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
Foto: Siemens AG
Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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dpa/dpaweb
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Windkraft vor deutschen Küsten
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Windkraft vor deutschen Küsten
Für den Windpark BARD gibt es ein Errichterschiff: Hier fährt es im Hafen von Emden auf vier Stelzen hoch. Mit spezieller Technik soll der Windpark vor der Insel Borkum gebaut werden.
Foto: dpa
Im Sommer 2010 waren die drei ersten Windräder des einhundert Kilometer nordwestlich von Borkum (Kreis Leer) entstehenden Windenergieparks BARD Offshore 1 fertig.
Foto: dpa
Zur Zeit wird am Rysumer Nacken an der Emsmündung gebaut - hier wird ein neuer Generatortyp in emden für den Transport vorbereitet. Dessen Windräder sollen einen Rotorkreisdurchmesser von 120 Metern haben und im April ihren Dienst zur Probe aufnehmen.
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Dafür werden die alten Generatorgondeln per Kran demontiert.
Foto: dapd
...und die riesigen Rotoren (Februar 2011).
Foto: dapd
Auch riesige Rohre werden für die Windparks vor Borkum verladen, wie hier im Hafen Lubmin.
Foto: dapd
Um die Fundamente der Windräder zu bewegen sind Schwimmkräne nötig.
Foto: dapd
Die Fundament-Rohre sind rund 430 Tonnen schwer und 85 Meter lang.
Foto: dapd
Doch was Technikfans begeistert, hat auch viele Kritiker, sogar von beamteter Seite. Denn einige Windparks sollen in den Zuggebieten von Seevögeln entstehen - die dadurch vertrieben werden könnten.
Foto: Alpha Ventus
Zu den von Windkraftanlagen und Schiffahrt betroffenen Arten gehören der Prachttaucher...
Foto: wiki commons/ Robert Bergman / US Fish and Wildlife Service
...und der Sterntaucher - hier mit Küken (Archivbild)
Foto: wiki commons/David Karnå
Während die Vögel von den Rotoren der Windräder gestört werden, haben die etwa 1,80 groß werdenden Schweinswale (Phocoena phocoena) ein ganz anderes Problem mit den Windparks.
Foto: ddp
Sie ertragen den Baulärm nicht, wenn Maschinen die Fundamente in den Meeresboden rammen. Aus einigen Gebieten haben sie sich daher schon zurückgezogen.
Foto: ddp
Das Bundesamt für Naturschutz wirft den Betreibern vor, das Problem mit dem Baulärm nicht in den Griff zu bekommen. Das Problem: Viele Anlagen wurden genehmigt, bevor Erkenntnisse über Auswirkungen auf Vögel und Tiere vorlagen.
Foto: dapd
Vor der deutschen Küste zur Nordsee entstehen immer mehr große Windkraftanlagen. Die erste Offshore-Anlage war Alpha Ventus, die im November 2010 ihren ersten Geburtstag feierte. Weil die Windparks auf spezialisierte Schiffe zur Versorgung angewiesen sind, hoffen die nahegelegenen Werften auf neue Aufträge.
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dpa
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Zuvor allerdings sind noch einige Probleme zu lösen. Insbesondere muss die Technik deutlich billiger werden. Heute kostet die Kilowattstunde aus dem Solarkraftwerk rund 20 Cent. Damit sich die Anlagen rentieren, müsste es die Hälfte sein.
Zum einen setzten die Experten darauf, dass eine Großserienfertigung die Kosten spürbar drückt. Aber auch technologisch ließen sich die Anlagen noch verbessern. „Wenn es gelingt, die Betriebstemperatur zu steigern, lässt sich der Wirkungsgrad deutlich erhöhen“, sagt Robert Pitz-Paal vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Derzeitige Kraftwerke wie „Andasol“ in Spanien erhitzen den Dampf auf 375 Grad Celsius.
„Mit Hilfe von hitzebeständigeren Materialien und neuen Wärmemedien soll die nächste Generation bei 500 bis 600 Grad arbeiten.“ Irgendwann seien sogar Temperaturen bis zu 1000 Grad denkbar, indem die Sonnenstrahlen nicht Wasser oder Öl erhitzen, sondern Luft. „Als Prototyp gibt es manche Lösung schon“, sagt Pitz-Paal. „Man muss sie innerhalb der nächsten zehn Jahre in die Praxis überführen.“
Beim Wettstreit um die beste Technik konkurrieren zwei Systeme miteinander: Parabolrinnen-Kraftwerke basieren auf rund 100 Meter langen Spiegeln, die wie überdimensionale Dachrinnen aussehen. In deren Brennpunkt hängt ein schwarzes Rohr gefüllt mit einem Spezialöl. Die Spiegel konzentrieren das Sonnenlicht auf das Rohr und erhitzen das Öl. Anschließend läuft das heiße Öl durch einen Wärmetauscher, erwärmt dort Wasser und erzeugt Hochdruckdampf für eine Stromturbine.
Solartürme dagegen bestehen aus Hunderten von ebenen Spiegeln, die die Strahlung auf die Spitze eines großen Turms bündeln. Der superheiße Strahl erhitzt einen Wärmeträger bis auf mehrere hundert Grad, und dieser Wärmeträger treibt über einen Wasserkreislauf eine Stromturbine an. „Im Moment haben die Parabolrinnen die Nase vorn“, meint Pitz-Paal. „Doch langfristig versprechen Solartürme höhere Temperaturen und damit mehr Effizienz.“
Entwicklungsbedarf besteht auch bei der Speicherung der Solarwärme, um nicht nur bei Sonnenschein Strom liefern zu können, sondern auch nachts. „Schon heute ist es möglich, die Wärme bis zu 15 Stunden lang zu speichern“, sagt Diego Martínez vom Forschungszentrum Plataforma Solar in Spanien. „Das ist mehr als ausreichend, um die Wärme über Nacht zu halten.“
Im Prinzip kann Wärme in unterschiedlichen Stoffen gespeichert werden, etwa in Beton, Öl, Keramik oder in geschmolzenem Salz. Nur: Welche dieser Techniken am effektivsten und kostengünstigsten ist, wissen die Experten noch nicht. „Salzschmelzen sind vielversprechend“, meint Martínez. „Aber es dürfte noch zehn Jahre dauern, bis wir herausgefunden haben, welches Verfahren das beste ist.“
Harsche Umweltbedingungen
Eines aber steht fest: Solarkraftwerke müssen harschen Umweltbedingungen trotzen. In der Sahara toben heftige Sandstürme, die die Spiegel beschädigen könnten. Für Desertec-Vater Gerhard Knies scheint das kein Problem: „Man kann die Spiegel bei einem Sturm so nach unten drehen, dass der Sand nicht auf die Spiegelfläche peitscht.“ Reinigen lassen sich die Spiegel automatisch – und zwar durch Walzen ähnlich wie in einer Autowaschanlage. Knies: „Da werden keine Putzkolonnen mit dem Schrubber in der Hand auftauchen müssen.“
Schließlich gibt es auch politische Bedenken. Manche Nordafrikaner vermuten, Europa sei nicht an einer gleichberechtigten Partnerschaft interessiert, sondern wolle einzig billigen Strom.
„Die Geschichte lehrt: Wenn Europa etwas braucht, dann holt es es sich“, formuliert Abdelaziz Bennouna, ehemaliger Generalsekretär des marokkanischen Zentrums für Forschung und Technik, die Bedenken. „Ich hoffe, dass Europa eine gleichberechtigte Partnerschaft akzeptiert. Dann könnte tatsächlich eine Synergie entstehen, von der beide Seiten profitieren.“
Einige Europäer aber raten zur Vorsicht. Man solle mit Desertec warten, bis sich die unruhige politische Situation in Nordafrika stabilisiert habe, sagen sie. Abdelaziz Bennouna ist anderer Meinung. „Jetzt sollte man erst recht in Desertec investieren. Ich hoffe, dass Europa die Demokratie unterstützt und nicht mehr die Diktatoren.“
Bleibt die Frage nach dem Geld. Die Solarkraftwerke werden beträchtliche Investitionen brauchen. „Wir reden hier über Milliarden und nicht über Millionen“, sagt Robert Pitz-Paal. „Wichtig wäre eine Anschubfinanzierung, und zwar sowohl aus Europa als auch aus Nordafrika.“
Nur: Wie die Aufteilung aussehen und wie genau das Geld zusammenkommen soll, scheint politisch heikel. „Darüber wird nicht besonders offen und ehrlich gesprochen“, kritisiert Pitz-Paal. „Das ist die entscheidende Hürde.“
Wer für die Wüstenkraftwerke zahlt, steht also noch in den Sternen. Immerhin scheint ein Anfang gemacht. Die EU hat angekündigt, 30 Millionen Euro in erste Pilotanlagen zu investieren, die derzeit in Ägypten und Marokko entstehen – allerdings zunächst für den Eigengebrauch, nicht für Export nach Europa.