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Energie-Engpass: Russland gesteht am Gas-Hahn gedreht zu haben

Russlands Regierung dreht am Gashahn. Hier adelt Premier Putin bei der Eröffnung einer Pipeline im September 2011 ein Rohr mit seiner Unterschrift
Russlands Regierung dreht am Gashahn. Hier adelt Premier Putin bei der Eröffnung einer Pipeline im September 2011 ein Rohr mit seiner Unterschrift
Foto: dapd/Archiv

Die Kältewelle überzieht Europa - und Russland lässt seine Gaskunden im Stich, glaubt man den Abnehmern in mehreren europäischen Ländern. Auch deutsche Energieversorger bestätigen mittlerweile, weniger Gas zu bekommen.

Moskau –  

Ausgerechnet während das sibirische Kältehoch Cooper Deutschland in einen Eiskeller verwandelt, geraten die Gaslieferungen aus Russland ins Stocken. Sprecher der beiden größten deutschen Energieversorger E.on und RWE berichteten am Freitag, dass derzeit aus Russland rund 30 Prozent weniger Gas als üblich geliefert würden.

Auch der Kasseler Gaskonzern Wingas und Ostdeutschlands größter Gasimporteur VNG meldeten Einschränkungen bei der Versorgung. Dennoch muss nach übereinstimmenden Angaben der Gasversorger in der Bundesrepublik in absehbarer Zeit niemand befürchten, wegen der Lieferengpässe in einer ungeheizten Wohnung zu sitzen.

Russland braucht offenbar jetzt selbst mehr Gast: Wasserdampf steigt aus einem Kraftwerk in Moskau auf.
Russland braucht offenbar jetzt selbst mehr Gast: Wasserdampf steigt aus einem Kraftwerk in Moskau auf.
Foto: dpa

Eine RWE-Sprecherin sagte: „In der Bundesrepublik ist die Versorgungssicherheit nicht bedroht.“ Auch E.on Ruhrgas erklärte: „Unsere Kunden in Deutschland werden ohne Einschränkungen versorgt.“ Ähnlich äußerten sich die anderen Unternehmen.

Um warme Wohnungen auch bei Lieferproblemen zu garantieren, können die Energieversorger auf riesige unterirdische Gasspeicher zurückgreifen. Diese seien noch gut gefüllt, hieß es. Die E.on-Speicher etwa seien noch zu rund drei Viertel voll. Außerdem seien Lieferungen aus anderen Ländern - wie etwa Norwegen - nicht von den Kürzungen betroffen.

Auch Österreich, Italien und Polen betroffen

Doch ist nicht nur Deutschland betroffen. Auch Österreich, Polen und Italien klagen über sinkende Gaslieferungen. Der österreichische Gasversorger OMV berichtete über Liefereinschränkungen von rund 30 Prozent „aufgrund des strengen Winters in Russland“. Dank der starken Inlandsproduktion und durch den Rückgriff auf strategische Speichervorräte sei die Versorgung Österreichs aber gesichert. Fast 50 Prozent des österreichischen Gasbedarfs wird normalerweise von Russland gedeckt. In Österreich werden jährlich rund neun Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. Dort war der Gasverbrauch wegen der extremen Kälte zuletzt auf einen Rekordwert von zwei Milliarden Kubikmetern pro Tag geklettert.

Polen sei angesichts der Lieferengpässe bereits dazu übergegangen, das Land aus eigenen Reserven zu versorgen, berichtete die Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Der italienische Gasversorger Snam wich zur Versorgung der Kunden auf andere Lieferanten und Gasspeicher aus. Ähnliche Vorwürfe kamen auch aus Tschechien, Ungarn und der Slowakei.

Vorwürfe an Ukraine

Der Grund für die Versorgungsengpässe war zunächst unklar. Der russische Gazprom-Konzern räumte in einer Erklärung zwar ein, dass die Nachfrage in Russland aufgrund der Rekordkälte in die Höhe geschnellt sei, betonte aber gleichzeitig, das Unternehmen erfülle dennoch seine Lieferverträge. „Mitten in einem harten Winter in Russland und Europa hat unser Unternehmen die maximalen Gaslieferungen nicht nur in europäische Länder (...) erhöht“, sagte Gazprom-Vize Alexander Medwedew nach Konzernangaben. Er machte die Ukraine für Lieferprobleme verantwortlich. Das Land, das die wichtigste Pipeline-Route nach Europa kontrolliert, entnehme den Leitungen deutlich mehr als vereinbart. Der ukrainische Gasversorger Naftogaz wies diese Darstellung allerdings entschieden zurück.

Erst am Samstag gibt es ein Eingeständnis aus Russland: Nach den Klagen der europäischen Energieversorger hat Russland erstmals Probleme bei Gaslieferungen an den Westen eingeräumt. Vorrangige Aufgabe des staatlichen Energieriesen Gazprom sei es, den wegen der Extremkälte gestiegenen Bedarf in Russland zu befriedigen, sagte Regierungschef Wladimir Putin.

Bereits vor drei Jahren hatte ein heftiger Gasstreit zwischen Gazprom und der Ukraine zu einschneidenden Versorgungsengpässen in Teilen Europas geführt. Allerdings kam auch damals Deutschland wegen seiner großen Reserven glimpflich davon. Die Bundesrepublik verfügt europaweit über die größten Speicherkapazitäten für Erdgas und kann mehr als 20 Milliarden Kubikmeter einlagern.

"Gaspreis gefährdet nationale Sicherheit"

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sieht die Sicherheit seines Landes durch den Preis für russisches Erdgas gefährdet. Der vor drei Jahren ausgehandelte Tarif von 516 Dollar je 1000 Kubikmeter sei ungerecht, sagte Janukowitsch der „Süddeutschen Zeitung“. „Dieser Preis bedroht auf lange Sicht die nationale Sicherheit der Ukraine.“ Die hohen Kosten für russisches Gas benachteiligten außerdem die ukrainischen Produzenten auf den Weltmärkten.

Die Ukraine ist Transitland für die Lieferung von russischem Erdgas nach Westeuropa. Das ukrainische Pipelinesystem ist Janukowitsch zufolge veraltet und muss modernisiert werden. „Experten schätzen die Kosten dafür auf fünf Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren“, sagte der Staatschef.

Janukowitsch schlug die Bildung eines trilateralen Gaskonsortiums vor, das auch die Interessen Russlands und der EU berücksichtige. Eine Modernisierung des Leitungssystems würde auch einen Ausbau des Transportvolumens bedeuten. (dapd/dpa/rtr)

Pipeline am Meeresboden

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Datum:  2 | 2 | 2012
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