Eine gewaltige Welle an Strompreiserhöhungen zum Jahreswechsel rollt auf die deutschen Haushalte zu – und verschont auch die Berliner Kunden nicht. Vattenfall erhöht in Berlin und Hamburg seine Tarife um rund 13 Prozent, Eon in Thüringen ebenfalls um 13 Prozent. EnBW verlangt in Baden-Württemberg knapp elf Prozent.
Vattenfall erhöht den Preis pro Kilowattstunde im Tarif Berlin Basis von 24,23 Cent auf 27,75 Cent. Der Online-Tarif Easy erhöht sich von 23,36 Cent auf 26,88 Cent. Der Grundpreis in Höhe von 5,90 beziehungsweise 5,60 Euro bleibt unverändert. Beim Verbrauch eines Berliner Durchschnittshaushalts von 2 200 Kilowattstunden ergibt das eine Steigerung der Jahresrechnung um 77,44 Euro auf 681,30 Euro.
Die Strompreise steigen in ganz Deutschland so stark wie noch nie in den vergangenen Jahrzehnten. Auf Anfrage teilte das Vergleichsportal Verivox mit, dass für Januar und Februar 238 Preiserhöhungen bekanntgegeben worden seien, im Schnitt um 11,6 Prozent. Insgesamt gibt es in Deutschland knapp 1000 Stromlieferanten. Im Laufe des Donnerstags wurde noch mit weiteren Preismeldungen gerechnet, denn wer zum Jahreswechsel mehr verlangen will, muss das eineinhalb Monate vorher melden.
Ein Sprecher des Energieriesen sagte, die Stromverbraucher zahlten die Rechnung für die Energiewende. Entscheidungen der Politik hätten die Wirkung, dass das Unternehmen zum „Inkasso“ bei den Kunden gezwungen sei.
Platz 15: Athen. Düstere Wolken über Athen, doch eine gute Nachricht gibt es für die Bewohner der griechischen Hauptstadt: In einem Vergleich der Strompreise in 15 europäischen Hauptstädten schneidet Athen mit 13,74 Cent pro Kilowattstunde am günstigsten ab. Das ergibt der Europäischen Strompreisindex für Haushalte, den E-Control und VaasaETT herausgeben.
Foto: imago stock&peopleTatsächlich haben die Stromvertriebsunternehmen wenig Spielraum. Die staatlichen Abgaben steigen auf den gesamten Strompreis gerechnet um etwa 13 Prozent. Die Preise für den Einkauf von Strom sind gleichzeitig nur minimal gesunken. Ohnehin kaufen die meisten Firmen ein bis drei Jahre im Voraus ein. In diesem Zeitraum waren die Preise weitgehend stabil.
Hauptfaktor für die gestiegenen Abgaben ist die Umlage für Ökostrom, die aufgrund einer in der Vergangenheit sehr großzügigen Förderpolitik und erheblichen Ausnahmen für die Industrie immer schneller steigt – allerdings nur für Privatkunden und Betriebe, die wenig Strom verbrauchen. Denn die schwarz-gelbe Regierung hat der energieintensiven Industrie sogar noch weitere Ausnahmen zugebilligt, die nun von den Kleinverbrauchern bezahlt werden müssen. Die EEG-Umlage, die für den Betrieb von Ökostromkraftwerken erhoben wird, liegt dieses Jahr bei 3,6 Cent und steigt 2013 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Für 2014 prognostizierten die Übertragungsnetzbetreiber am Donnerstag zwischen 4,89 Cent und 5,74 Cent. Hinzu kommen noch einige weitere neue Abgaben und Entgelterhöhungen.
Schon mit kleinen Tricks kann ein Haushalt Stromkosten einsparen, die höher sind als die Mehrkosten durch die Ökostromumlage. Ersparnisse von rund 180 Euro stellt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen für einen Drei-Personen-Haushalt mit derzeit 3200 Kilowattstunden Jahresverbrauch in Aussicht. Dieser Haushalt müsste 2013 rund 170 Euro Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG-Umlage) zahlen, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird. Beim Energiesparen helfen folgende Tipps.
Obendrauf erhebt der Staat auf alle Preisbestandteile noch Mehrwertsteuer. Verbraucher- und Sozialverbände und die Opposition drängen auf Entlastungen für die Haushalte, die Vorschläge reichen von Steuererleichterungen bis zu Sozialtarifen. Die Bundesregierung hat bislang allerdings nicht reagiert. Während Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor allem darauf drängt, beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu sparen, setzt Umweltminister Peter Altmaier (CDU) auf Energieeinsparungen. Am Donnerstag begann eine Bund-Länder-Konferenz, bei der über die bessere Koordination der Energiewende verhandelt wird.
Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...