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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

25. März 2013

Energie Watch Group-Studie: Fossile Brennstoffe früher am Limit

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Der Energy Watch Group zufolge könnte die Erdölförderung bereits in sieben Jahren am Limit sein.  Foto: dpa

Einer aktuellen Studie der Energy Watch Group zufolge, gehen die fossilen Brennstoffe offenbar schneller zu Neige, als bislang angenommen. Und auch das umstrittene Fracking kann diesen Trend wohl nicht umkehren.

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Die globale Versorgungslage mit fossilen Brennstoffen ist einer neuen Studie zufolge „sehr angespannt“. Am kritischsten sei die Lage beim Erdöl, heißt es in der Untersuchung der Energy Watch Group (EWG). Durch tendenziell steigende Ölpreise komme bereits in den nächsten fünf Jahren ein Spritpreis von zwei Euro in Sicht, sagte Studien-Hauptautor Werner Zittel dieser Zeitung.

Die Untersuchung dämpft damit die jüngste Euphorie in Sachen Öl- und Gasförderung. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte in ihrem World Energy Outlook 2012 quasi das Ende der Wachstumsgrenzen bei der Förderung fossiler Energien ausgerufen. Grund sind neue Techniken bei der Förderung von Öl und Gas wie Fracking und Tiefbohrungen sowie die Öl-Gewinnung aus Teersand, die die Versorgung noch für Jahrhunderte sicherstellen sollen.

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Die aktuelle Studie der Energy Watch Group analysiert die globale Verfügbarkeit von Erdöl, Erdgas, Kohle sowie die Uranversorgung und entwickelt daraus ein Szenario bis 2030. Die Experten erwarten, dass das Fördermaximum für alle fossilen Energien zusammengenommen bereits vor 2020 eintreten wird. Die Expertengruppe ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Parlamentariern, die unter anderem durch die Ludwig-Bölkow-Stiftung unterstützt wird.

Umweltschädliche Förderung

Die Förderung von „konventionellem“ Erdöl, das mit klassischen Fördermethoden gewonnen wird, geht laut EWG-Studie seit 2008 zurück. „Inzwischen ist das auch von der IEA bestätigt worden“, sagte Zittel. Derzeit seien die Anstrengungen der Erdölindustrie vor allem darauf ausgerichtet, das aktuelle Förderniveau zu halten, indem sie den Rückgang bei den produzierenden Ölfeldern mit Tiefsee-Bohrungen und der besonders umweltschädlichen Gewinnung von Öl aus Teersanden wettmacht.

Die IEA sieht bis 2035 keine Probleme, die weltweite Ölversorgung sogar noch zu steigern. Zittel jedoch hält das für völlig unrealistisch – trotz des jüngsten Öl- und Gasbooms insbesondere in den USA, der durch die umstrittene Fracking-Technologie ausgelöst wurde. Er erwartet, dass die Förderung des so gewonnenen Öls in den USA zwischen 2015 und 2017 ihr Maximum erreicht, anschließend aber stark sinkt. Hinzu komme, dass die Entwicklung von Ölfeldern in der Tiefsee, etwa östlich von Brasilien und westlich von Afrika, „weit hinter den Erwartungen zurückbleibt“.

Fracking kann Trend nicht umkehren

Bei Erdgas sieht es der Studie zufolge nicht besser aus. In Europa, Russland und den USA gehe die konventionelle Gasförderung bereits seit längerem zurück. Die Hoffnung trüge, Fracking-Gas könne den Trend langfristig umkehren, warnte Zittel. „Die USA steuern hier aktuell auf den Höhepunkt zu, dem ein tiefer Rückgang der Förderung noch in diesem Jahrzehnt folgen wird.“

Beim Thema Kohle räumen die Experten ein: „Die weltweiten Vorkommen sind reichlich.“ Da der CO2-intensive Brennstoff auf dem Weltmarkt aber nur von wenigen Exportstaaten wie Australien und Indonesien erhältlich ist, werde auch hier „die Versorgungslage in wenigen Jahren angespannter sein als ein oberflächlicher Blick erwarten lässt“.

Keine Chancen sehen die Wissenschaftler darin, die wachsende Energielücke mit mehr Atomkraft zu schließen. Zumal die weltweite Uranförderung auch an Grenzen stoße. Zittel empfiehlt als einzig gangbaren Ausweg „eine deutliche Erhöhung der Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien“. Übrigens hatte auch die IEA klargestellt, dass aus Klimagründen nur noch maximal ein Drittel der fossilen Reserven genutzt werden darf – andernfalls ist das Erwärmungslimit von zwei Grad nicht mehr zu halten.

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