Die Belastung durch Energiekosten ist in den vergangenen Jahren viel schneller als die Einkommen angestiegen und frisst gerade bei ärmeren Haushalten inzwischen einen erheblichen Teil des Einkommens auf. Ärmere Singles müssen in diesem Jahr knapp 16 Prozent ihres Nettoeinkommens für Energie ausgeben. Vor zehn Jahren waren es erst zwölf Prozent. Dies geht aus dem Monitoring-Bericht der Bundesregierung zur Energiewende hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wird und der Berliner Zeitung bereits vorliegt.
Für den gemeinsamen Bericht von Umwelt- und Wirtschaftsministerium wurden verschiedene Musterhaushalte untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass ärmere Haushalte stark überproportional durch höhere Energiepreise belastet werden. Bei einem Ein-Personen-Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen liegt die Belastung durch die Energiekosten nur bei elf Prozent des Nettoeinkommens und damit fast ein Drittel niedriger.
Ähnlich ist die Situation bei den Vier-Personen-Musterhaushalten: Während ein einkommensschwacher Haushalt hier 10,5 Prozent des Einkommens für Energie aufwenden muss, sind es bei Durchschnittsverdienern nur gut sieben Prozent. Vor zehn Jahren waren es dagegen knapp acht beziehungsweise 5,5 Prozent. Bei den Berechnungen für einkommensschwache Haushalte wurde davon ausgegangen, dass sie 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erzielen.
Zusammenfassend heißt es in der Untersuchung, dass die „Belastungsfähigkeit bestimmter Verbrauchergruppen mit Energiekosten an Grenzen stößt“. Dies hatten in den vergangenen Monaten auch die Kirchen und Sozialverbände immer wieder kritisiert. Die Caritas aus dem Bistum Trier berichtete zum Beispiel kürzlich davon, dass immer mehr Menschen wegen Energieschulden und Stromsperrungen in die Beratungsstellen kämen.
Verantwortlich für die gestiegenen Energiekosten sind vor allem die höheren Benzinpreise. Einen ärmeren Ein-Personen-Haushalt kostet allein der Sprit rund neun Prozent des Nettoeinkommens – trotz niedrig kalkulierter jährlicher Autonutzung (8 500 Kilometer Fahrt). Auch die Stromrechnung kommt teuer. Mehr als drei Prozent des Einkommens müssen dafür aufgewendet werden. Insgesamt bezahlen ärmere Single-Haushalte 2012 rund 2200 Euro für Energie, einkommensstärkere 2500 Euro. Für Vier-Personen-Haushalte liegt der Wert laut Bundesregierung bei knapp 3500 und gut 4000 Euro.
Da 2013 durch die gestiegene Ökostrom-Abgabe und andere Umlagen die Strompreise flächendeckend um etwa zwölf Prozent ansteigen, wird sich die Belastung noch erhöhen. Dafür sind allerdings auch die von der Bundesregierung zuletzt noch deutlich ausgeweiteten Subventionen für die deutsche Industrie verantwortlich. Unternehmen mit hohem Energieverbrauch müssen fast keine Ökostromumlage bezahlen und sind zum Teil sogar vollständig von den Stromnetzkosten befreit.
Am Montag hatte das arbeitgebernahe Wirtschaftsinstitut IW kritisiert, dass die Energiewende vor allem die einkommensschwächeren Haushalte zahlen müssten. Hauptgrund dafür ist, dass mit steigendem Einkommen der Stromverbrauch kaum zulegt. Ärmere zahlen kommendes Jahr laut IW neun Euro Ökostromabgabe pro Kopf und Monat, die obersten Einkommensschichten dagegen elf Euro.
Die Expertenkommission, die den Monitoring-Bericht untersucht und kommentiert, übte allerdings etwas Kritik an der Methodik der Bundesregierung. Die Darstellung von konstruierten Musterhaushalten werde der Frage nach der Belastbarkeit und Akzeptanz nicht gerecht. Im Klartext: Möglicherweise sind viele Bürger mit den hohen Kosten einverstanden. Die Kommission wies zudem darauf hin, dass für die hohen Kosten nicht nur steigende Rohstoffpreise und die Energiewende, sondern auch die steigende Belastung durch staatliche Abgaben verantwortlich seien.
Die Bundesminister Philipp Rösler (Wirtschaft, FDP) und Peter Altmaier (Umwelt, CDU) stellen den Monitoring-Bericht „Energie der Zukunft“ am Mittwoch gemeinsam vor. Er soll in Zukunft jedes Jahr erscheinen.
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