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Energiemarkt: Hartes Geschäft mit flüchtigem Stoff

Das Überangebot an verflüssigtem Erdgas setzt mit der schwachen Nachfrage die Gaspreise insbesondere in Großbritannien und den Niederlanden kräftig unter Druck. Von Oliver Ristau

Erdgas wärmt in Deutschland immer mehr Menschen. 2009 wurde erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik fast genauso viel Erdgas verbraucht wie Braun- und Steinkohle zusammen. Mehr als ein Fünftel der hierzulande genutzten Energie stammt aus dem flüchtigen Energieträger.

Doch bis es in hiesigen Heizungen oder in Kraftwerken verbrannt werden kann, legt das Gas einen weiten Weg zurück, und zwar über Pipelines insbesondere aus Russland (37 Prozent), Norwegen (26 Prozent) und den Niederlanden (19 Prozent).

Damit ist Deutschland besonders abhängig von einzelnen großen Lieferländern und profitiert weniger als etwa Großbritannien vom wachsenden weltweiten Handel. Denn anders als die Bundesrepublik verfügen die Briten über eine Reihe von Hafenterminals für Schiffe mit verflüssigtem Erdgas (liquified natural gas - LNG).

Die großen Energieversorger in Deutschland hatten bisher kein Interesse am Bau einer solchen Anlandestation, wo der unter Druck stehende Energieträger aus den Schiffen in Pipelines gepumpt werden kann. Seit mehr als 20 Jahren liegen Planungen für einen LNG-Terminal in Wilhelmshaven auf Eis. Bisherige Begründung: Das Geschäft mit Pipelinegas sei attraktiver.

Doch nun kommt immer mehr LNG nach Europa. Das liegt vor allem an den USA. Denn mit dem Rückgang der Industrieproduktion ist auch der Bedarf im Land des weltweit größten Erdgasverbrauchers rückläufig. Die USA waren bis dato der mit Abstand größte Käufer von LNG.

Die gesunkene Gasnachfrage kann zudem immer mehr mit eigenen Quellen gedeckt werden, da das Land bisher schlummernde Reserven mit neuen Fördertechnologien und Bohrverfahren zu heben versteht. 2008 fiel der LNG-Bedarf in den USA im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent. Die Tendenz hält an.

Seitdem steuern die weltweiten LNG-Schiffe auf der Suche nach dem besten Preis im harten Geschäft mit dem flüchtigen Stoff zunehmend die europäischen Häfen an. Neben Großbritannien sind dies vor allem die Niederlande, Spanien und Italien. "Teilweise erfahren die Kapitäne erst auf See, wo die Reise hingeht", sagt Andreas Kögler vom Branchenmagazin Energie & Management.

Der Großteil des frei angebotenen Gases stammt nach Auskunft des Konzerns BP aus Asien und der arabischen Welt, insbesondere Katar. Für die Eigenversorgung setzen die aufstrebenden Nationen auf Öl und Kohle statt auf Erdgas, insbesondere weil der Aufbau von Pipelines in den teils großflächigen, teils inselreichen Ländern ein enormer Aufwand wäre.

Das Überangebot an LNG setzt mit der schwachen Nachfrage die Gaspreise insbesondere in Großbritannien und den Niederlanden kräftig unter Druck. So ist Erdgas an der Londoner Energiebörse ICE derzeit für weniger als die Hälfte zu haben als noch vor anderthalb Jahren.

Deutschland, so Kögler, liege "am Ende der europäischen Preiskette". Zwar sind auch die Preise an der Leipziger Energiebörse kräftig gefallen. Doch die sind für die meisten Versorger und Endkunden kaum relevant, weil der Großteil des Gases in Deutschland über Langfristverträge eingekauft wird, deren Konditionen an den Ölpreis gekoppelt sind. Billiges und freies Gas etwa aus den LNG-Terminals im benachbarten Ausland fließt nur eingeschränkt in die hiesigen Leitungen.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  24 | 3 | 2010
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