Am 1. Januar 2010 tritt in Deutschland ein bislang kaum beachteter Paragraf in Kraft, der eine technische Revolution auslösen könnte: der Paragraf 21b des Energiewirtschaftsgesetzes. Er schreibt vor, dass in Zukunft alle Neubauten und grundsanierten Häuser mit einem intelligenten Stromzähler ausgerüstet werden müssen, einem Smart Meter.
Stromanbieter müssen dann auch in der Lage sein, allen Kunden auf Wunsch einen Smart Meter anzubieten. Wer seinen alten schwarzen Kasten im Keller austauschen will, muss das aber aus der eigenen Tasche zahlen. In der Branche wird ein Preis von um die 150 Euro für den Austausch gehandelt. Dafür kann der Hausbesitzer nach Einschätzung von Experten in günstigen Fällen den Stromverbrauch um zehn Prozent drücken. Der Smart Meter macht sich also früher oder später bezahlt.
Die digitalen Geräte messen nicht nur den Stromverbrauch, sondern dokumentieren ihn minutengenau. Über ein Funknetz oder eine Telefon-Datenleitung werden sie aus der Ferne kontrolliert. Niemand muss mehr ins Haus kommen und den Zählerstand ablesen.
Dennoch ist die Nachfrage nach den neuen Geräten hierzulande bescheiden: Da sind zum einen die Stromkunden. Um herauszufinden, wie sie die neue Technik beurteilen, betreibt Eon in der fränkischen Kleinstadt Bad Staffelstein ein Smart-Meter-Pilotprojekt: die Hälfte der Staffelsteiner Probanden weigert sich, ihren Stromzähler auszutauschen. Nur fünf Prozent der Teilnehmer sind interessiert, weitere 20 Prozent würden sich zum Einbau eines Smart Meter überreden lassen.
Dabei können gerade die Verbraucher von den intelligenten Zählern profitieren: Durch die minutengenaue Abrechnung wird der Stromverbrauch transparent. Jeder sieht, wann er am meisten verbraucht und kann dann auch überprüfen, welche Geräte dann gerade laufen. Das motiviert, die schlimmsten Stromfresser auszutauschen. Oder sie zu einer Tageszeit zu benutzen, zu der Strom weniger kostet, also zum Beispiel nachts. Viele Stromanbieter wollen demnächst Tarife anbieten, die das belohnen - Ende des nächsten Jahres soll es losgehen.
Die magere Resonanz auf das Eon-Projekt ist dennoch verständlich: Wer will schon ständig seine Stromverbrauchskurve überwachen, gar Preise vergleichen und dann die entsprechenden Geräte ein- und ausschalten? Den Eon-Pilotversuch kann man auch so interpretieren: Nur wenige Menschen wollen ihre Gewohnheiten ändern, um Strom zu sparen.
Elektrogeräte tageszeitabhängig zu betreiben wäre aber möglich, wenn es automatisch geschieht. Dazu wären aber nicht nur intelligente Stromzähler nötig, sondern auch intelligente Gefriertruhen und Geschirrspüler, die mit dem Smart Meter verbunden sind. Solche gibt es zwar bereits. Doch bis sie in vielen Haushalten stehen, könnten Jahrzehnte vergehen.
Holger Krawinkel, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband, plädiert deshalb für eine Art Abwrackprämie für Elektrogeräte. Die Politik müsse Anreize setzen, alte Stromfresser auszutauschen. Und für Haushaltsgeräte, die neu auf den Markt kommen, müsse die intelligente Steuerung sogar zur Pflicht werden. Dann könnte Folgendes passieren: Derzeit ist der Stromverbrauch sehr ungleichmäßig über den Tag verteilt. Mittags und abends gibt es Verbrauchsspitzen - denn Kochen benötigt am meisten Strom. An diesen Spitzen orientiert sich die Stromproduktion.
Wenn nun durch intelligente Geräte ein Teil des Verbrauchs in andere Tageszeiten verlagert wird, sinken die Spitzen, der Verbrauch wird gleichförmiger. Rechnerisch könnten dann mehrere Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden.
Stadtwerke und Stromkonzerne zeigen bislang kein gesteigertes Interesse an der neuen Technik. Die Stadtwerke Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern sind Vorreiter, sie können schon seit einigen Monaten Smart Meter anbieten. Allerdings mit "gemischten Gefühlen", wie Netzmanager Thomas Theilig sagt, und nur, weil der Gesetzgeber sie dazu zwinge. "Wir sind eher daran interessiert, viel Strom durch unsere Netze zu leiten", gibt Theilig zu.
Beim Stromriesen Eon rechnet man denn auch mit weniger Stromverbrauch, also auch weniger Geschäft. Doch Roland Hofer von Eon-Bayern weiß das positiv zu deuten: "Lieber verkaufe ich fünf Prozent Strom weniger an einen zufriedenen Kunden, als fünf Prozent mehr an einen unzufriedenen, der dann kündigt." Zweifel sind angebracht. Denn gerade in den Zeiten mit Lastspitzen verdienen die Stromerzeuger sehr gut - dann ist die Elektrizität nämlich besonders teuer.
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