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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

13. Januar 2010

Energieversorgung: Ölländer setzen auf Atomkraft

 Von Martin Gehlen
Mit viel Energie hochgetrieben und eröffnet: der Burj Tower in Dubai. Bilderberg Foto: dpa

Die Golfstaaten wappnen sich für die Zeit nach dem Öl. Manche setzen auf Solarstrom - aber nicht alle. Im Nahen und Mittleren Osten sind auch 16 Atommeiler im Bau oder geplant. Von Martin Gehlen

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Sie hinterlassen den größten ökologischen Fußabdruck auf dem Globus. Benzin ist billig, öffentlicher Nahverkehr ein Fremdwort. In ihrem Alltag pendeln die Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) in breiten Limousinen zwischen klimatisierter Wohnung und heruntergekühltem Büro. Einkaufen gehen sie in angenehm temperierten Shopping-Malls, Golf spielen sie auf künstlich bewässertem Rasen.

Niemand auf der Welt verschwendet so viel Energie und verbraucht so viel Wasser wie die Araber am Golf. Allein der Strombedarf der sieben Wüstenscheichtümer wird Schätzungen zufolge von jetzt 16.000 auf etwa 40.000 Megawatt im Jahr 2020 steigen. Ähnlich sieht es auch in den anderen Golfstaaten aus, die zusammen auf 30 Prozent der Weltölreserven und acht Prozent der Weltgasreserven sitzen.

Immer mehr der kostbaren fossilen Vorräte werden vom eigenen Verbrauch verschlungen. So suchen inzwischen alle nach alternativen Energieformen, um sich für die Zeit nach dem Öl zu wappnen. Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Bahrain, Oman und VAE planen einen Ausbau der Solarenergie. Einige setzen gleichzeitig aber auch auf Atomkraft.

Den Auftakt machten kürzlich die Scheiche der Vereinigten Arabischen Emirate. Ihr Auftrag ging an Südkorea, dessen Staatspräsident dankbar "das größte Mega-Projekt in der koreanischen Geschichte" bejubelte.

Vier Atomkraftwerke für 14 Milliarden Euro soll das Konsortium unter Führung der staatlichen Korea Electric Power Corporation bis 2020 liefern, die zusammen 5600 Megawatt Strom erzeugen. Noch einmal die gleiche Summe will der Konzern mit dem Betrieb verdienen, der 60 Jahre lang von ihm betreut werden soll - eine Premiere in der bisher atomfreien arabischen Welt.

Qatar plant ein Solarkraftwerk

Zwar liebäugeln sieben weitere Staaten mit dieser Technologie, konkrete Verträge aber haben ihre Regierungen noch nicht unterschrieben. Ägypten, Saudi-Arabien und Jordanien geht es wie den Emiraten auch um ein politisches Signal an die Adresse des Iran.

Sie wollen dem aggressiven Atomkurs Teherans Paroli bieten, indem sie sich ebenfalls die ebenso umstrittene wie begehrte Nukleartechnik beschaffen. Doch anders als der Iran verpflichteten sich die VAE und Saudi-Arabien bereits in einem Vertrag mit den Vereinigten Staaten, das angereicherte Uran aus dem Ausland zu importieren.

Daneben aber setzt die stets warme Golfregion aber auch auf Sonnenenergie. Qatar plant ein Solarkraftwerk, dessen sieben Einheiten von 2013 an insgesamt 3500 Megawatt liefern sollen. Abu Dhabi will in den nächsten Jahren elf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. Mit Masdar-City baut das Emirat inzwischen die erste klimafreundliche Stadt der Welt.

Von 2016 an sollen 50.000 Menschen hier wohnen und 1500 Firmen aus dem Ökosektor arbeiten - komplett versorgt durch erneuerbare Energien. Autos sind dort verboten, der Nahverkehr läuft über unterirdische fahrerlose Elektrowagen. Das nötige Know-how dafür beschaffen sich die superreichen Staatsfonds unter anderem über ihre Industriebeteiligungen, etwa von Daimler.

Der saudische Ölminister kann sich sogar vorstellen, "dass mein Land eines Tages Solarstrom statt Öl exportiert." Und Qatars Staatschef Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani witzelt gerne: Wenn Öl und Gas einmal erschöpft seien, "dann werden wir nicht wieder zurück auf unsere Kamele steigen".

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