Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

11. November 2012

Energiewende: Der Wirtschaftsminister patzt

 Von Jakob Schlandt
Das Bundeswirtschaftsministerium hat Probleme bei der Stabilisierung des Stromnetzes eingeräumt. Foto: dapd/Archiv

Die Bundesregierung kann ihren Zeitplan bei der Energiewende nicht einhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium kann sein Vorhaben, das Stromnetz durch potenzielle Abschaltung großer Industrieverbraucher zu stabilisieren, nicht wie geplant umsetzen.

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Die Bundesregierung kann ihren Zeitplan bei der Energiewende nicht einhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium kann sein Vorhaben, das Stromnetz durch potenzielle Abschaltung großer Industrieverbraucher zu stabilisieren, nicht wie geplant umsetzen.

Die Bundesregierung kommt mit den selbstgesteckten Zielen bei der Energiewende nicht voran. So muss das Bundeswirtschaftsministerium jetzt einräumen, sein Vorhaben, das Stromnetz durch große Industrieverbraucher zu stabilisieren, entgegen Ankündigungen nicht wie geplant umzusetzen.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht, arbeiten Wirtschafts- und Umweltministerium weiter an einem Arbeitsentwurf. Dieser solle dann „Grundlage für die weitere Ressortabstimmung“ sein, heißt es. Doch damit ist es zeitlich nicht mehr möglich, die Verordnung bis Anfang 2013 in Kraft zu setzen. Bei der Bilanz zu einem Jahr Energiewende im Sommer war das Umweltministerium noch von einem Inkrafttreten zum 1. Januar ausgegangen.

Die bisherigen Entwürfe für die Verordnung zu abschaltbaren Lasten sehen vor, dass Unternehmen belohnt werden, die ihren Stromverbrauch schnell auf Zuruf drosseln können. Damit wäre es den Netzbetreibern möglich, auf eine Überlastung der Stromleitungen und Kraftwerke besser zu reagieren. Sie könnten die Stromverbraucher per Fernbedienung abschalten. Insgesamt 3 000 Megawatt an Drosselleistung würden laut dem Entwurf ausgeschrieben, um die sich die Unternehmen bewerben könnten.

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Für große Stromverbraucher wie Aluminium- und Chemiewerke wäre das ein möglicher Zuverdienst. Sie könnten Teile die Teile ihrer Produktion für die Drosselung zur Verfügung stellen, die zeitweise auf Strom verzichten können, ohne dass größere Schäden entstehen.

Die Trimet Aluminium AG hatte im Sommer zum Beispiel die Einführung der Abschaltverordnung als dringend bezeichnet. Verhandelt wurde zuletzt über eine Vergütung von 1 667 Euro pro Monat und Megawatt, die für das zur Verfügung stellen der drosselbaren Leistung gezahlt wird. Das wären beispielsweise bei einem großen Chemiewerk mit 200 Megawatt Leistungsaufnahme rund 330.000 Euro pro Monat.

Oliver Krischer, Energieexperte der Grünen-Fraktion im Bundestag, kritisierte die Verzögerung scharf: „Vor über einem Jahr groß angekündigt, bleibt ein weiteres Projekt von Bundeswirtschaftsminister Rösler vorerst ein Papiertiger.“ Dabei könnten Unternehmen durch Lastmanagement mit minuten- oder stundenweiser Abschaltung das Stromnetz auch in Zeiten der Höchstlast im Winter und schwankender Einspeisung Erneuerbarer Energien auf effiziente Weise stabil halten.

Im vergangenen Winter hatte es zeitweise eine äußerst knappe Situation im deutschen Stromnetz gegeben. Aufgrund von Gaslieferschwierigkeiten mussten einige Kraftwerke damals ihre Leistung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt drosseln, zu dem der Stromverbrauch sehr hoch war. Laut einem Bericht der Bundesnetzagentur fehlte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel zu einem großflächigen Stromausfall.

Auch in diesem Winter könnte es jetzt wieder zu ähnlich knappen Versorgungslagen kommen, bei denen die Abschaltung von Industrieverbrauchern die Situation stabilisieren könnte.

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