Aktuell: Schicksal von Tuğçe A. | Burger King | Polizeigewalt in Ferguson | Eintracht Frankfurt | Fußball-News

Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

08. November 2011

Erneuerbare Energien: Das grüne Erbe der Kohle

 Von Daniel Baumann
Wenn die Zeit der Kohlegruben vorbei ist, sollen auf den Halden Windräder aufgestellt werden. Foto: dpa

Ausgerechnet der Kohlenpott entdeckt in den grünen Energien eine Zukunftsperspektive: Wenn die Zeit der Kohlemühlen und Schaufelradbagger vorbei ist, sollen auf Halden Windräder aufgestellt und die Wärme des Grubenwassers zur Energieversorgung von Gebäuden eingesetzt werden.

Drucken per Mail

Was tun mit dem Alten Mann? Auf diese Frage gibt es im Ruhrgebiet jetzt eine Antwort. Es ist sogar eine Antwort mit Perspektive. Im Jahr 2018, wenn der subventionierte Steinkohleabbau endet und nur die leergegrabenen Stollen übrig bleiben – bergmännisch „Alter Mann“ genannt –, ist noch lange nicht Schluss. Dann sollen die Alten Männer nicht in Rente gehen, sondern in erneuerbare Energien machen, so hat es am Montag der Vorstandschef des Gesamtverbandes Steinkohle und des Energiekonzerns RAG, Bernd Tönjes, angekündigt.

Denn wenn die Zeit der Kesselbunker, Kohlemühlen und Schaufelradbagger vorbei ist, dann sollen auf Halden Windräder aufgestellt und die Wärme des Grubenwassers zur Energieversorgung von Gebäuden eingesetzt werden, warb Tönjes. Denkbar sei auch der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf den Zechengeländen, die Installation von Photovoltaikanlagen auf den zahlreichen Dächern der Kohlemischhallen und die Nutzung der Stollen als Pumpspeicherkraftwerke.

Mehrere tausend Haushalte könnte versorgt werden

Zusammen mit dem Energiekonzern RWE prüft der Zechenbetreiber RAG derzeit ein kombiniertes Windkraft-Pumpspeicherkraftwerk auf einer Halde bei Hamm. Pumpspeicherkraftwerke in Zechen haben zusammengenommen eine Kapazität um theoretisch mehrere tausend Haushalte zu versorgen. Dazu sollen Speicherseen künstlich angelegt werden, aus denen Wasser durch Rohre bis zu 1000 Meter in die Tiefe stürzen und in den Kohleschächten Turbinen antreiben. In der Tiefe wird das Wasser gespeichert. Wenn die Windräder an der Oberfläche Strom produzieren, der von den Haushalten und der Industrie gerade nicht benötigt wird, wird damit das Wasser wieder an die Oberfläche gepumpt. So geht keine Windenergie mehr verloren.

Marko Schmidt vom Energieforschungszentrum Niedersachsen hält das für machbar, wenngleich die Pläne ambitioniert seien. Die Räume am Stollenende müssten ausgebaut werden, um große Wassermengen aufnehmen zu können. Zudem sei „großer Aufwand nötig, um das Gebirge für die Technik zu sichern und das Wasser speichern zu können.“ Da es in Zechen Methanausgasungen gebe, müssten sie zudem explosionssicher gemacht werden.

Erfahrungen mit Windenergie sammelt die RAG schon jetzt auf ehemaligen Zechenanlagen auf der Halde Scholven in Gelsenkirchen. Vergangenes Jahr wurden dort zwei rund 100 Meter hohe Windkraftanlagen errichtet. Dem Vernehmen nach ist der Ertrag ausgesprochen gut. Das Potenzial der Windkraft werde in Nordrhein-Westfalen generell unterschätzt, sagt Jan Dobertin von der Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie NRW. Gerade auf den in die Höhe ragenden Halden sei der Ertrag aber gut. „Das ist eine sehr interessante Nutzungsmöglichkeit für die Windkraft“, sagt Dobertin. Es sei zudem eine Chance, die Windenergie auch in die dicht besiedelten Gebiete des Ruhrgebiets zu bringen. Allerdings mahnt Dobertin an, dass die Konzerne von Anfang an die Bürger einbinden müssten.

Zum Ende Wasser in den Wein

Auf Wohlwollen stoßen die Pläne bei der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). Sie nannte Pumpspeicher-Projekte in alten Zechen „reizvoll“. Die Landesregierung werde alles in ihrer Macht stehende tun, um diese zu unterstützen.

Mit der Nutzung erneuerbarer Energien könne der Steinkohlebergbau einen Beitrag für den Strukturwandel im Ruhrgebiet leisten und zugleich Chancen für die künftige Energieversorgung eröffnen, warb Tönjes für seine Pläne. Dann schüttete er noch etwas Wasser in den Wein: Es bleibe nichtsdestotrotz dabei, dass damit die Leistung der Steinkohle nicht ersetzt werden könne. Etwas Nostalgie muss wohl sein. (mit dapd und dpa)

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Spezial

Schafft Deutschland die Energiewende - und die Atomkraft ab? Bringen die alternativen Quellen genug Leistung? Und schaffen die Netze die Verteilung? Das Spezial.

Beziehen Sie schon Ökostrom?

Der Atomausstieg soll 2022 Realität werden. Aber schon heute gibt es die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen? Sind Sie schon umgestiegen?

Ja, ich beziehe Ökostrom.
Weiß nicht, ich beziehe grundsätzlich den günstigsten Strom.
Weiß nicht, ist mir auch egal.
Nein, ich halte Ökostrom für den falschen Weg.
Der Atomausstieg
Nachgefragt

Schon 1946 wurde das erste Mal darüber nachgedacht, welches Symbol für die neue Energieform steht. Wir haben nachgefragt.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...