Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

28. September 2012

Ernstfall Blackout: Regierung sieht Deutschland gut vorbereitet

 Von Jakob Schlandt
Umweltminister Altmaier und die Bundesregierung halten einen Stromausfall für unwahrscheinlich. Foto: dpa

Kaum etwas kann unsere Gesellschaft so erschüttern, wie ein langer Ausfall der Elektrizitätsversorgung. Laut Bundesregierung ist die Wahrscheinlichkeit eines langen Stromausfalls aber sehr gering.

Drucken per Mail

Kaum etwas kann unsere Gesellschaft so erschüttern, wie ein langer Ausfall der Elektrizitätsversorgung. Laut Bundesregierung ist die Wahrscheinlichkeit eines langen Stromausfalls aber sehr gering.

Wer in unserer gut versorgten, fröhlich brummenden, ratternden und leuchtenden Industriegesellschaft lebt, macht sich selten darüber Gedanken, was passieren würde, wenn kein Saft mehr aus der Steckdose käme. Kaum etwas kann unsere Gesellschaft so erschüttern, wie ein langer Ausfall der Elektrizitätsversorgung.

Dann wird es nicht nur Zuhause ungemütlich. Eine Untersuchung des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) untersuchte im Frühjahr dieses Jahres, wie sich ein zweiwöchiger Blackout in Deutschland auswirken würde. Der Bericht zeigt: Sofort käme es zu massiven Auswirkungen.

Chaos auf Straße und Schiene

Züge und U-Bahnen bleiben in einem solchen Fall abrupt stehen, der Straßenverkehr versinkt im Chaos, weil Ampeln und Schranken ausfallen. Zahlreiche Menschen bleiben in Liften stecken, Telekommunikationsnetze fallen aus und somit auch Internet und Telefon.

Ein paar Tage können viele kritische Infrastrukturen noch mit Notstromversorgungen in Gang gehalten werden. Doch dann wird der Stromausfall zu einer nationalen Katastrophe. Das Finanzsystem, das auf elektronischem Datenaustausch basiert, bricht zusammen und damit auch die Geldversorgung. Dieselaggregate in Krankenhäusern laufen leer.

Die Wasserversorgung in vielen Regionen kommt zum Erliegen, Pumpen und Klärwerke liegen lahm. Lebensmittel werden knapp. Nicht nur, weil die Kühlhäuser nicht mehr funktionieren – auch die Landwirte sind in ihrer Arbeit massiv beeinträchtigt, weil zum Beispiel in Milchviehbetrieben die Melkanlagen auf Elektrizität angewiesen sind. Der Stromausfall hat also eine Kaskade an Ausfällen zur Folge, die sich dann mitunter auch noch gegenseitig verstärken. Öffentliche Ordnung und Sicherheit, so der Bericht, lassen sich in einem solchen Fall schon bald nicht mehr aufrechterhalten.

Natürlich ist ein solches Ereignis extrem unwahrscheinlich. Denn die deutsche Stromversorgung ist modular aufgebaut. Gibt es gravierende Probleme in einer Region, beispielsweise durch den Ausfall einer großen Stromleitung und mehrerer Kraftwerke, kann dieser Teil vom Verbundnetz getrennt und isoliert werden.

Katastrophe unwahrscheinlich

In einer Stellungnahme der Bundesregierung zu dem Bericht, die kürzlich dem Ausschuss für Verbraucherschutz vorgelegt wurde und die unserer Zeitung vorliegt, wird zwar betont, die Wahrscheinlichkeit eines langen Stromausfalls sei sehr gering – eben weil mehrere zentrale Elemente gleichzeitig ausfallen müssten. Ein solches Szenario, so die Bundesregierung, ist aber auch nicht völlig ausgeschlossen. Weitgehend zutreffend seien die skizzierten Auswirkungen, die die Versorgung der Bürger gefährdeten.

Wäre Deutschland denn gut vorbereitet, die Auswirkungen eines solchen massiven Stromausfalls zu begrenzen? Die Bundesregierung meint in ihrer Stellungnahme: Ja. Einige Krisenprogramme, vor allem jene, die die Kommunikation und die Versorgung sichern sollen, sind wegen der Angst vor Terroranschlägen in den vergangenen zehn Jahren sogar verstärkt worden.

Allerdings werde auch nach wie vor in vielen Bereichen noch an Verbesserungen gearbeitet. So müsse zum Beispiel die Notstromversorgung weniger zufällig erfolgen, sondern stärker an klaren Schutzzielen ausgerichtet sein. Da gibt es noch einiges zu tun.

Zur Homepage

Jetzt kommentieren

Spezial

Schafft Deutschland die Energiewende - und die Atomkraft ab? Bringen die alternativen Quellen genug Leistung? Und schaffen die Netze die Verteilung? Das Spezial.

Beziehen Sie schon Ökostrom?

Der Atomausstieg soll 2022 Realität werden. Aber schon heute gibt es die Möglichkeit, Ökostrom zu beziehen? Sind Sie schon umgestiegen?

Ja, ich beziehe Ökostrom.
Weiß nicht, ich beziehe grundsätzlich den günstigsten Strom.
Weiß nicht, ist mir auch egal.
Nein, ich halte Ökostrom für den falschen Weg.
Der Atomausstieg
Nachgefragt

Schon 1946 wurde das erste Mal darüber nachgedacht, welches Symbol für die neue Energieform steht. Wir haben nachgefragt.

Spezial
Kindermund tut Wahrheit kund (FR vom 22. November 2011)

Zeichen für den Klimawandel: Erderwärmung, saure Meere, Treibhauseffekt, Ozonloch, Wetterkapriolen und Naturkatastrophen.

Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...