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Förderung gedeckelt: Billig-Solar soll Vorrang bekommen

Energiewende auf dem Eigenheim: Bislang konnten die Besitzer von Solaranlagen soviel Strom ins Netz einspeisen, wie die Sonne hergab. Doch jetzt soll es nur noch bis 900 Kilowattstunden eine Vergütung geben. Profitieren würden Unternehmen mit veralteter Technik. Deutscher Qualitätsfertigung, die ihren Besitzern höhere Erträge einbringt, droht der endgültige Absturz.

Solarzelle (Archivbild).
Solarzelle (Archivbild).
Foto: dpa
Frankfurt –  

Es wäre ein schwerer Schlag für die deutsche Solarindustrie: Die Bundesregierung plant, Solarstrom nur noch bis zu einer bestimmten Produktionsmenge pro Anlage zu bezahlen. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau aus Ministeriums- und Industriekreisen ist vorgesehen, bei neuen Anlagen nur noch 900 Kilowattstunden Ertrag pro Jahr und Kilowatt Leistung zu vergüten. Eine Anlage mit zehn Kilowatt Höchstleistung würde also maximal  für die Produktion von 9000 Kilowattstunden staatlich garantiert bezahlt werden. Was darüber hinaus ginge, würde nicht subventioniert.

In Süddeutschland sind bis über 1100 Kilowattstunden Ertrag möglich, auch im Norden können 1000 Kilowattstunden erreicht werden. Bundeswirtschafts- und Umweltministerium verhandeln derzeit über eine Senkung der Solarförderung. Die Entscheidung soll kommende Woche fallen. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) wollen mit dem Ertragsdeckel offenbar erreichen, dass überschüssiger Solarstrom  von den Betreibern selbst verkauft wird. So soll die Photovoltaik an den Markt herangeführt werden.

Doch das Vorhaben hätte gravierende Konsequenzen. Zum einen würde der Süden Deutschlands, wo die Sonneneinstrahlung in der Regel 900 Kilowattstunden Ertrag deutlich übersteigt, unattraktiver.  Das widerspricht dem Ziel der Bundesregierung, Öko-Energien möglichst dort einzusetzen, wo sie besonders Effizient sind.

Wichtiger noch: Anlagen mit geringen Erträgen würden bevorzugt, wie es in einer Analyse des Wissensdienstleisters Solarpraxis heißt es. „Eine Deckelung der Strommenge widerspricht (...) dem Prinzip der Effizienzsteigerung.“ Sowohl bei Solarmodulen als auch bei Komponenten wie Wechselrichtern, die Solarstrom netztauglich machen,  würden Qualitätshersteller unattraktiver. Deutsche Firmen erreichen im Schnitt besonders hohe Erträge.

Derzeit kann zum Beispiel der hessische Wechselrichterhersteller SMA höhere Preise am Markt verlangen, weil die Geräte besonders effizient Strom umwandeln können. Profitieren würden günstige Unternehmen mit veralteter Technik. In dem Solar-Praxis-Papier heißt es, den „asiatischen Billigprodukten“ würden noch „weitere Privilegien auf dem deutschen Markt“ eröffnet. Zahlreiche deutsche Solarfirmen sind derzeit in Schwierigkeiten. Zwar wurde voriges Jahr eine Rekordzahl neuer Anlagen in Deutschland installiert. Doch vor allem die hoch subventionierten chinesischen Hersteller drängen sie vom Markt.

Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  10 | 2 | 2012
Kommentare:  11
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