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Frankreich: Atommeiler für alle Welt

Hartnäckig wie ein Staubsaugervertreter wirbt Frankreichs Präsident Sarkozy für den weltweiten Bau von Atomkraftwerken. Über die Risiken spricht er lieber später. Von Axel Veiel

Nicolas Sarkozy umging die geschäftsschädigende Frage zur Sicherheit  der Kernreaktoren.
Nicolas Sarkozy umging die geschäftsschädigende Frage zur Sicherheit der Kernreaktoren.
Foto: afp

Paris. Wenn sich Nicolas Sarkozy die Gelegenheit bietet, französische Atomkraftwerke in aller Welt zu verkaufen, greift der Präsident entschlossen zu. Fast jeden seiner Staatsbesuche in der arabischen Welt nutzte er zur Verkaufsförderung. Und manchmal schafft Sarkozy die Gelegenheit eben einfach selbst.

So hat er am Montag Energieminister und Spitzenbeamte aus 65 am Reaktorbau interessierten Ländern zu einer Konferenz über die zivile Nutzung der Atomkraft nach Paris eingeladen. Mit am Tisch saßen die Reaktorbauer Alstom, Areva, EDF, GDF, Suez und Total.

Die Länder, die im Besitz von Nukleartechnologie seien, dürften sich nicht hinter ihren Privilegien verschanzen, sondern müssten den Rest der Welt daran teilhaben lassen, forderte Sarkozy. Und damit sich die ärmeren Länder die Technologie auch leisten können, appellierte der französische Präsident an die Weltbank und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Investitionen in die Atomenergie entschlossen zu fördern: Es sei ein Skandal, dass für die zivile Nutzung der Kernkraft bisher keine Kredite bereitgestellt würden.

Für Sarkozy ging es in Paris wohl auch darum, die Scharte von Abu Dhabi auszuwetzen, wo der Präsident Ende 2009 gegen die asiatische Konkurrenz eine schmerzliche Niederlage einstecken musste. Statt der Franzosen bekamen die Südkoreaner den Zuschlag und dürfen nun in den Vereinigten Arabischen Emiraten vier Reaktoren bauen.

IAEA sorgt sich um Gefahren

Über die von Sarkozy betriebene Verkaufsförderung geriet zunächst in den Hintergrund, was aus Sicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) doch Hauptzweck der zweitägigen Pariser Zusammenkunft sein soll: die Eindämmung der durch den weltweiten Run auf Reaktoren entstehenden Gefahren.

Mehr als 60 Staaten, darunter zahlreiche Entwicklungsländer, wollen in den kommenden zwei Jahrzehnten insgesamt 450 Atommeiler bauen. Soll das Risiko eines Reaktorunglücks, eines Terroranschlags auf ein AKW oder der Ausbreitung von Atomwaffen nicht ebenso rasant zunehmen, müssen sich die nach Kernenergie strebenden Staaten beizeiten auf strenge Sicherheitsstandards verpflichten.

Yukiya Amano, der neue Chef der IAEA, hatte deshalb vor dem Treffen an künftige Reaktorbesitzer appelliert, sich strengsten Sicherheitsvorschriften zu beugen: In dem Bewusstsein, einschließlich des Atommülls eine auf Jahrhunderte angelegte Verpflichtung einzugehen, müssten sie nicht zuletzt auch stabile rechtliche Rahmenbedingungen schaffen.

Kampf gegen Billiganbieter

Sarkozy erklärte in seiner Eröffnungsansprache die nukleare Sicherheit zwar ebenfalls zur Priorität. Er sprach sich dafür aus, dass die IAEA in jedem Land jederzeit unangemeldet Kontrollen durchführen dürfe.

Auch forderte der Präsident, unter der Schirmherrschaft der IAEA eine unabhängige Institution zu gründen, welche die Sicherheit der auf dem Weltmarkt angebotenen Reaktoren bewerten solle. Argwöhnische Konferenzteilnehmer witterten hinter dem Vorstoß allerdings den schnöden Versuch, unerfahrene südkoreanische Billiganbieter auszubooten.

Die Frage, inwieweit sich der Käufer und Betreiber eines Reaktors strengen internationalen Kontrollen zu unterwerfen hat, scheint damit weitgehend auf den 12. April vertagt. US-Präsident Barack Obama wird dann zum Gipfeltreffen über internationale Abrüstung und den Atomwaffensperrvertrag nach Washington bitten.

"Wir Franzosen sind der gute Gendarm, die Amerikaner der böse", erläuterte ein Konferenzteilnehmer die in Paris erdachte Rollenverteilung. Oder wie es ein anderer Teilnehmer formulierte: "Die beiden Konferenzen ergänzen einander."

Autor:  Axel Veiel
Datum:  8 | 3 | 2010
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