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Gas: Die Preise sinken - aber wie lange noch?

Gas ist derzeit so billig wie lange nicht. Die Anbieter geben Ersparnisse weiter, die Verbraucher profitieren. Doch bald könnten die Preise wieder anziehen. Von Che Berberich

Die Gaspreise sinken - wie lange noch?
Die Gaspreise sinken - wie lange noch?
Foto: ddp

Frankfurt a.M. Wenn Anfang 2010 die Nebenkosten-Abrechnung in den Briefkasten flattert, wird das für viele Gaskunden erfreuliche Post sein. Viele Stadtwerke und regionale Anbieter wollen die Preise senken. 305 sind es laut Verbraucherportal Toptarif ganz genau. Um durchschnittlich 8,2 Prozent werde der flüchtige Brennstoff billiger. Ein Musterhaushalt spart dadurch 197 Euro auf das Jahr gerechnet.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) bestätigt die Entlastung: "Die Preissenkungen werden in der kommenden Jahresabrechnung wirksam."

Doch nach Ansicht von Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, könnten die Entlastungen für die Haushalte deutlich stärker ausfallen: "Die Preissenkungen sind geringer, als es der Markt hergibt. " Im Großhandel sei der Gaspreis in diesem Jahr um 20 Prozent gefallen. Die Anbieter reichten die gesunkenen Einkaufspreise nicht komplett an ihre Kunden weiter.

Der VKU hält dagegen: Die Gasversorger brauchten Planungssicherheit und gingen deshalb bei der Preispolitik vorsichtig und immer schrittweise vor. Außerdem seien die Stadtwerke stark von den Konditionen der Vorlieferanten abhängig und hätten daher nur begrenzten Einfluss auf den Gaspreis.

Seit Jahren streiten Verbraucherschützer und Unternehmen über die Preise. Der Hauptgrund: Der Gasmarkt ist noch immer intranspartent. Experten sprechen von "Verkrustungen". Vier große Importeure dominieren das Geschäft: Eon, RWE, VNG und Wingas.

Hinzu kommt, dass diese Unternehmen mit Dauerverträgen, die teilweise bis über das Jahr 2030 hinausreichen, an Erzeuger wie Gazprom gebunden und über Beteiligungen miteinander verbandelt sind. So ist Wingas zu 50 Prozent in der Hand von Gazprom, den Rest hält die BASF-Tochter Wintershall.

Dennoch hätten Stadtwerke theoretisch die Möglichkeit, unabhängiger zu agieren. Denn der sogenannte Spotmarkt wächst. Dort wird kurzfristig gekauft und verkauft. Derzeit ist viel billiges Gas im Angebot. Die Erzeuger sitzen auf riesigen Vorräten - durch die Wirtschaftskrise ist die Nachfrage eingebrochen.

Allerdings sind die Chancen auf dem Spotmarkt auch mit dem Risiko rasch steigender Presie verbunden. Vielen Stadtwerken fehlt es an Experten, die in diesem Geschäft mitspielen können.

Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), macht denn auch den Verbrauchern wenig Hoffnung auf dauerhaft sinkende Preise. "Wir befinden uns in einer Sondersituation", sagt sie. Schon wenn im Laufe des Winters der Verbrauch steigt, könne sich die Lage ändern - nicht nur an den Spotmärkten.

Denn auch die Preise, die Importeure an Erzeuger zahlen, steigen wieder. Diese Sätze sind in der Regel an den Ölpreis gekoppelt, und der hat sich seit seinen Tiefständen Anfang des Jahres verdoppelt. Kemferts Prognose: "Nächstes Jahr werden die Preise wieder anziehen."

Dann sollten die Verbraucher genau hinsehen: Im Juli urteilte der Bundesgerichtshof, dass Preissteigerungen nur rechtens sind, wenn auch Preissenkungen weitergegeben werden. Andernfalls können sich die Kunden weigern, mehr zu bezahlen. Genau dazu rät auch der Bund der Energieverbraucher.

Autor:  Che Berberich
Datum:  7 | 10 | 2009
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