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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

09. Mai 2014

Geplantes Atom-Endlager: Schacht Konrad kostet Milliarden

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Blick auf den Windenturm am Schacht Konrad. Die Eröffnung des geplanten Endlagers verzögert sich bis 2022.  Foto: REUTERS

Das Mauerwerk im geplanten Atom-Endlager in der Nähe von Salzgitter muss saniert werden. Die Eröffnung des geplanten Endlagers verzögert sich damit erneut. Das Atom-Endlager wird wohl frühestens 2022 fertig. Auch die Kosten steigen weiter - von einst 900 Millionen auf 2,9 Milliarden.

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Schacht Konrad hat „Betonkrebs“. Die Diagnose klingt dramatisch. Sie ist es auch. Es geht um die Zugänge für das künftige Atom-Endlager in der Nähe von Salzgitter, das den schwach- und mittelradioaktiven Müll aus Atomkraftwerken, Medizin und Forschung aufnehmen soll. Das Mauerwerk, welches die beiden jeweils über einen Kilometer langen Röhren hinunter in die Tiefe umschließt, ist brüchig. Ende der 1950er Jahre, als das inzwischen stillgelegte Eisenerzbergwerk bei Salzgitter errichtet wurde, hätten die Maurer wohl beim Mischen des Mörtels am Zement gespart, sagen die Experten, die den Umbau der Grube zum Endlager leiten. Die Steine wurden damals schlecht verfugt.

Nun aber geht die damalige Sparsamkeit so richtig ins Geld. Der Schacht, durch den der Strahlenabfall künftig nach unten befördert werden soll, muss aufwendig mit Betonkonsolen verstärkt werden. Andernfalls könnten die Stahlschienen nicht befestigt werden, die künftig die Förderkörbe halten sollen. Das Atom-Endlager wird, wie die Bundesregierung jetzt eingeräumt hat, unter anderem deswegen wohl frühestens 2022 fertig – und über 170 Millionen Euro teurer. Kostenpunkt dann: rund 2,9 Milliarden Euro. Ursprünglich waren einmal 900 Millionen für das Projekt vorgesehen gewesen.

Eröffnungstermin erneut verschoben

Seit 2007 läuft der Umbau zum Endlager. Immer wieder wurde der Eröffnungstermin verschoben, zuletzt hatte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Bauherr eine Fertigstellung „nicht vor 2019“ als realistisch eingeschätzt. Inzwischen hat die bei Schacht Konrad federführende Baufirma DBE, eine mittelbare Tochter der Stromkonzerne, aber 2022 als Termin benannt. Dieser sei allerdings „mit Unsicherheiten behaftet“, heißt es in einer aktuellen Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag. Will wohl heißen: Es kann auch noch später und noch teurer werden.

Der Ärger deswegen ist groß. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat den Auftrag erteilt, den Bau „mit Hochdruck“ voranzutreiben. Und die Atombranche warnt gar, wegen der Verzögerungen bei Schacht Konrad könne der Abriss der acht 2011 nach Fukushima stillgelegten Alt-AKW länger dauern als geplant. In dem Endlager soll nämlich unter anderem auch der Strahlenmüll landen, der beim Abriss der Kraftwerke entsteht – zum Beispiel kontaminierte Metalle und Baustoffe, Schutzkleidung und Reinigungsmaterialien.

Der Protest gegen den Umbau der ehemaligen Zeche zum Endlager ist noch immer deutlich.  Foto: imago stock&people

Der Energieversorger Vattenfall begründete jüngst ausdrücklich mit den Konrad-Kalamitäten, dass an seinem stillgelegten AKW Brunsbüttel in Schleswig-Holstein ein neues Zwischenlager für Abfälle aus dem Rückbau gebaut werden müsse. Und der Vorsitzende des Deutschen Atomforums, Ralf Güldner, deutete jetzt auf der Jahrestagung seiner Organisation auch gleich den Schuldigen aus: das BfS. Das Bundesamt verzögere die Konrad-Arbeiten fahrlässig, etwa, indem es die Stelle des Koordinators für das Projekt langfristig unbesetzt lasse. Die „Rückbauplanung und die Bemessung von zusätzlichen Abfall- und Pufferlagern“ an den AKW sei für die AKW-Betreiber ohne belastbare Aussagen zur Konrad-Inbetriebnahme nicht möglich. Die endlagergerechte Verpackung des Atommülls werde so „teilweise zum Glücksspiel mit schwer kalkulierbaren Risiken“.

Starker Tobak. Das Bundesamt allerdings will sich den Schwarzen Peter nicht zuschieben lassen. Es gebe wegen des nach Fukushima beschlossenen Atomausstiegs in der Tat einen „temporären Mehrbedarf an Stellen“ bei allen Beteiligten, so ein Sprecher – beim BfS etwa, um Genehmigungen für Castor- und andere Atom-Lagerbehälter abzuarbeiten. Diese seien beim Bund beantragt. Nach FR-Informationen sollen zusätzliche Stellen nun auch bewilligt werden. Dass man die Konrad-Arbeiten schleifen lasse, weist das Amt aber strikt zurück: „Es geht hier um die Sicherheit für Menschen und Umwelt, nicht um ökonomische Interessen.“ Die Aufarbeitung der zu großen Teilen aus den 1980er Jahren stammenden unrealistischen Planungen sei extrem aufwendig. Und zum Problem der Koordinatoren-Stelle heißt es: Güldners Darstellung sei falsch. Das BfS habe die Stelle bisher nicht besetzen können, weil ein unterlegener Konkurrent vor Gericht gegen die Personalentscheidung geklagt habe. Man habe inzwischen recht bekommen, die Stelle werde nun besetzt.

Die Planung

Das künftige Atom-Endlager Schacht Konrad bei Salzgitter ist für 303.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiven Müll genehmigt. Beispiele: verstrahlte Arbeitskleidung und Werkzeuge aus dem AKW-Betrieb, Trümmer abgewrackter Kraftwerke sowie Abfälle aus der Nuklearmedizin und der Forschung. Es handelt sich volumenmäßig um über 90 Prozent des deutschen Atommülls, allerdings nur um 0,1 Prozent der Gesamt-Radioaktivität. Die stark strahlenden und wärmeentwickelnden Abfälle kommen in ein anderes Endlager.

Der Bund deutete Schacht Konrad bereits 1977 als Endlager aus, 1991 wurden die Pläne dafür ausgelegt, es gab 290 000 Einwendungen von Bürgern. Das niedersächsische Umweltministerium genehmigte die Pläne 2002, die letzten Klagen dagegen wurden 2007 abgewiesen. Danach begannen die Umbauarbeiten der ehemaligen Eisenerzgrube. jw

Auch den Anwurf, die Verzögerungen beim Schacht Konrad könnten den AKW-Rückbau behindern, lässt das BfS nicht gelten. „Die Abfälle müssen in jedem Fall zuerst in ein Zwischenlager, bevor sie in ein Endlager können“, sagte der Sprecher der FR. So sei es auch bei bisherigen AKW-Abrissen gewesen, etwa in Würgassen, Obrigheim, Stade.

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Verzögerungen bei Genehmigungen gebe es unter anderem, weil die AKW-Betreiber ihre „Hausaufgaben“ nicht gemacht hätten. „Entscheidend ist, dass die Energieversorger Unterlagen von ausreichender Qualität einreichen, damit diese zügig bearbeitet werden können.“ Und direkt auf den Atomforum-Chef gemünzt: „Es ist erstaunlich, dass Herr Güldner auch Jahre nach der Entscheidung der Bundesregierung zum Ausstieg aus der Kernenergie meint, sich mit unzutreffenden Behauptungen an einer Bundesbehörde abarbeiten zu müssen, deren Verpflichtung die Sicherheit ist.“

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