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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

22. März 2014

Greenpeace: Ruf nach weniger Stromtrassen

 Von 
Greenpeace fordert weniger Stromtrassen.  Foto: imago stock&people

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht Alternativen zum teuren Netzausbau: Ambitioniertes Stromsparen, mehr dezentrale Wind- und Solaranlagen, sowie flexible Gaskraftwerken, die einspringen, wenn der Ökostrom mangels Wind und Sonne zu gering fließt.

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Horst Seehofer hat doch recht? Der bayerische Ministerpräsident kämpft gegen den Ausbau des Stromnetzes – speziell gegen die „Süd-Ost-Passage“. Über diese 450 Kilometer lange Höchstpannungsleitung von Sachsen-Anhalt quer durch Bayern nach Augsburg soll Strom in den Süden fließen, wo mehrere Atomkraftwerke vom Netz gehen.

Ausgerechnet Greenpeace gibt ihm nun – zumindest im Ergebnis – recht. Diese Leitung wäre überflüssig, wenn der Anteil des Ökostroms in Europa deutlich stärker erhöht würde als bisher in der EU geplant, argumentiert die Umweltorganisation.

Greenpeace hat vom Beratungsunternehmen Energynautics untersuchen lassen, wie sich eine beschleunigte Energiewende auf den Netzausbau auswirken würde. Europaweit planen Netzbetreiber für das nächste Jahrzehnt gut 50.000 Kilometer neue Fernleitungen. Kostenpunkt: 104 Milliarden Euro. Knapp die Hälfte der Fernleitungen, rund 24.000 Kilometer, könnten laut der Studie wegfallen, wenn der Anteil der Erneuerbaren bis 2030 auf bis zu 77 Prozent angehoben würde.

Batterien nutzen

Als Ursache für den geplanten starken Netzausbau identifiziert die Studie die Doppelbeanspruchung der Leitungen, die parallel zu dem kontinuierlich fließenden Strom aus Kohle- und Atomkraftwerken auch den fluktuierenden Strom aus Sonne und Wind transportieren müssen.

Die Alternative wäre neben mehr dezentralen Wind- und Solaranlagen die Nutzung von flexiblen Gaskraftwerken, die einspringen, wenn der Ökostrom mangels Wind und Sonne nicht oder zu gering fließt. Außerdem geht Energynautics davon aus, dass sich bis 2030 rund zehn Prozent des Solarstroms dezentral in Batterien speichern lässt.

Eine weitere Möglichkeit, den Netzausbau zu minimieren, hat der Thinktank „Agora Energiewende“ identifiziert: ambitioniertes Stromsparen. Bisher gehen Netzplaner davon aus, dass die in Deutschland rund 35.000 Kilometer langen „Stromautobahnen“ bis 2050 um mehr als 8500 Kilometer verlängert werden müssen, falls die Effizienz der Stromnutzung nicht steigt oder sogar mehr Strom verbraucht wird.

Nicht zu früh freuen

Deutschland könnte Agora zufolge aber auch mit weniger als einem Viertel davon, nämlich rund 1750 Kilometern Neubautrassen, auskommen. Voraussetzung wäre, dass der Stromverbrauch 2050 dank eines strikten Effizienzkurses etwa 40 Prozent niedriger als heute liegt. Bisher sieht das Energiekonzept der Bundesregierung vor, dass der Stromverbrauch bis 2050 um 25 Prozent sinken soll. Würde das erreicht, wären laut der Studie „nur“ rund 4000 Kilometer Netz-Neubau nötig.

Die Agora-Experten rechnen vor, dass mehr Ehrgeiz beim Energiesparen auch die Kosten des Stromsystems stark senken könnte. Würde der Stromverbrauch in den nächsten 20 Jahren gegenüber heute um zehn bis 35 Prozent reduziert, mindere das Deutschlands Stromrechnung um jährlich steigende Milliardenbeträge.

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2035 wären laut Agora Einsparungen zwischen zehn und 20 Milliarden Euro möglich, 2050 könnten es 15 bis 28 Milliarden sein. Die Einsparungen kommen durch geringere Investitionen in fossile und erneuerbare Kraftwerke und durch geringere Ausgaben für Brennstoffe und Netzausbau.

Horst Seehofer allerdings sollte sich nicht zu früh freuen. Denn Greenpeace zumindest hält zwar die Süd-Ost-Passage für unnötig, die hauptsächlich geplant werde, um Braunkohlestrom aus den Kraftwerken im Lausitzer Revier nach Bayern zu befördern. „Zwei weitere Neubautrassen aus dem Norden in den Süden werden unbedingt gebraucht, um dort die Versorgung sicherzustellen“, sagte Greenpeace-Experte Sven Teske der FR. Und: „Da ist Bayern ebenfalls tangiert.“

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