Wirtschaft und Umwelt müssen keine Gegensätze sein: Das UN-Umweltprogramm Unep zeigt Chancen des ökologischen Umbaus auf und zeichnet ein optimistisches Bild für die Zukunft.
Vergangenheit und Zukunft?
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Vergangenheit und Zukunft?
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Ein ökologischer Umbau der Weltwirtschaft ist kein Killer für Wachstum und Wohlstand. „Green Economy“, das grüne Wirtschaften, kann das globale Bruttosozialprodukt sogar erhöhen und unter dem Strich viele Millionen zusätzlicher Jobs schaffen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das UN-Umweltprogramm Unep am Mittwoch in Peking vorgestellt hat. Mehrere hundert Experten haben drei Jahre lang an dem Report gearbeitet.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
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Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
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Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
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Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
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Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
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Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
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Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
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Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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Fotostrecken Wirtschaft
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Windkraft vor deutschen Küsten
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Windkraft vor deutschen Küsten
Für den Windpark BARD gibt es ein Errichterschiff: Hier fährt es im Hafen von Emden auf vier Stelzen hoch. Mit spezieller Technik soll der Windpark vor der Insel Borkum gebaut werden.
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Im Sommer 2010 waren die drei ersten Windräder des einhundert Kilometer nordwestlich von Borkum (Kreis Leer) entstehenden Windenergieparks BARD Offshore 1 fertig.
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Zur Zeit wird am Rysumer Nacken an der Emsmündung gebaut - hier wird ein neuer Generatortyp in emden für den Transport vorbereitet. Dessen Windräder sollen einen Rotorkreisdurchmesser von 120 Metern haben und im April ihren Dienst zur Probe aufnehmen.
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Dafür werden die alten Generatorgondeln per Kran demontiert.
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...und die riesigen Rotoren (Februar 2011).
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Auch riesige Rohre werden für die Windparks vor Borkum verladen, wie hier im Hafen Lubmin.
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Um die Fundamente der Windräder zu bewegen sind Schwimmkräne nötig.
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Die Fundament-Rohre sind rund 430 Tonnen schwer und 85 Meter lang.
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Doch was Technikfans begeistert, hat auch viele Kritiker, sogar von beamteter Seite. Denn einige Windparks sollen in den Zuggebieten von Seevögeln entstehen - die dadurch vertrieben werden könnten.
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Zu den von Windkraftanlagen und Schiffahrt betroffenen Arten gehören der Prachttaucher...
Foto: wiki commons/ Robert Bergman / US Fish and Wildlife Service
...und der Sterntaucher - hier mit Küken (Archivbild)
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Während die Vögel von den Rotoren der Windräder gestört werden, haben die etwa 1,80 groß werdenden Schweinswale (Phocoena phocoena) ein ganz anderes Problem mit den Windparks.
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Sie ertragen den Baulärm nicht, wenn Maschinen die Fundamente in den Meeresboden rammen. Aus einigen Gebieten haben sie sich daher schon zurückgezogen.
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Das Bundesamt für Naturschutz wirft den Betreibern vor, das Problem mit dem Baulärm nicht in den Griff zu bekommen. Das Problem: Viele Anlagen wurden genehmigt, bevor Erkenntnisse über Auswirkungen auf Vögel und Tiere vorlagen.
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Vor der deutschen Küste zur Nordsee entstehen immer mehr große Windkraftanlagen. Die erste Offshore-Anlage war Alpha Ventus, die im November 2010 ihren ersten Geburtstag feierte. Weil die Windparks auf spezialisierte Schiffe zur Versorgung angewiesen sind, hoffen die nahegelegenen Werften auf neue Aufträge.
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Der Ort der Unep-Präsentation war wohl kaum zufällig gewählt. China ist zwar inzwischen zum Ober-Einheizer des Planeten avanciert, verantwortlich für mehr als 20 Prozent des CO2- Ausstoßes. Gleichzeitig unternimmt das Land aber große Anstrengungen, auf eine ressourcensparendere Wirtschaft mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energien umzustellen. Peking ist laut Unep inzwischen zum weltweit führenden Öko-Investor avanciert, der in den nächsten fünf Jahren umgerechnet 350 Milliarden Euro für erneuerbare Energien, saubere Technologien und Abfall-Management ausgeben will.
Unep zeichnet optimistisches Bild
Die von dem Deutschen Achim Steiner geleitete Organisation Unep mit Sitz in Nairobi zeichnet trotz der aktuellen Schlagzeilen über den auf Rekordniveau gestiegenen globalen Treibhausgas-Ausstoß ein optimistisches Bild. Sie verweist darauf, dass bereits eine ganze Reihe Staaten zumindest teilweise auf grüne Strategien setzt – „von China bis Barbados, von Brasilien bis Südafrika“.
Ein Beispiel aus Brasilien: Dort wurden in einem Programm 500.000 Häuser mit solaren Heizsystemen ausgerüstet, was 30.000 Jobs entstehen ließ. Beispiel Südafrika: Hier fanden 25.000 Menschen Arbeit in einem Großprojekt zur Sanierung von Trinkwasser-Quellen. Auch Deutschland punktet in dem Unep-Report, weil es bis 2020 den im Vergleich sehr hohen Anteil von 35 Prozent Ökostrom erreichen will. Unep empfiehlt gezielte Öko-Investitionen in zehn Kernbereichen der Wirtschaft, darunter Energie, Hausbau, Verkehr, Landwirtschaft, Abfall und Tourismus. Zwei Prozent des globalen Sozialprodukts würden danach ausreichen, „um die globale Ökonomie auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen“.
Allerdings räumt Unep ein, dass es bei diesem Kurswechsel auch Verlierer gibt. So wird geschätzt, dass in China bei einer forcierten Umstellung auf Ökostrom rund 800.000 Arbeitsplätze in Kohlekraftwerken verloren gehen würden. Allerdings entstünden dann bis 2020 alleine in der Windkraft-Industrie rund 2,5 Millionen neue Jobs. Die Netto-Bilanz sei eindeutig positiv, heißt es bei Unep.
Unep fordert neuen Wohlstandsindikator
UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon kommentierte: „Der Report entlarvt den Mythos, dass Wirtschaft und Umwelt Gegensätze sind.“ Mit kluger Politik könnten die Regierungen die Weltwirtschaft so wachsen lassen, „dass der ökologische Fußabdruck der Menschheit die Tragekapazität des Planeten nicht überschreitet“.
Ein Selbstläufer wird der Öko-Umbau der Ökonomie freilich nicht. Unep-Chef Steiner forderte einen „neuen Wohlstandsindikator“, der über das Bruttosozialprodukt hinausgeht und den Wert der Natur-Ressourcen in die Kalkulation einbringt. Erst kürzlich hatte der oberste UN-Umweltexperte bei einem Auftritt in Berlin gefordert, die Regierungen müssten die Subventionen streichen, die in Gewinnung und Nutzung der fossilen Energien fließen - „eine Absurdität unseres Wirtschaftssystems“. Weltweit seien das mehr als 500 Milliarden US-Dollar jährlich. Die vor allem in Entwicklungsländern gewährten Subventionen für Erdölprodukte förderten Umweltzerstörung und verzögerten Investitionen in klimaschonenden Technologien.
Steiner sagte denn auch: „Wir haben Unmengen Möglichkeiten – wenn es gelingt, die Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik zu mobilisieren.“