Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller erklärt im Interview, wie die Energiewende in Baden-Württemberg zu schaffen ist, wie die Regierung den Stromkonzern EnBW zukunftsfähig machen will und was das Land bei der Suche eines Atom-Endlagers beitragen kann.
Franz Untersteller ist Umweltminister in Baden-Württemberg.
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Franz Untersteller ist Umweltminister in Baden-Württemberg.
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Herr Minister Untersteller, macht es Ihnen denn Spaß, die Energiewende zu managen – in dem Land, das bundesweite die rote Laterne bei der Windkraft trägt?
Auf jeden Fall wesentlich mehr, als 30 Jahre lang den Streit um das Pro und Contra der Kernenergie auszutragen, wie ich es tun musste. Das ist abgehakt. Jetzt geht es darum, wie der Umstieg auf ein neues, klimaverträgliches Energiesystem am besten und schnellsten gelingt. Das ist ein produktiver Streit.
Der macht Spaß, auch wenn ihre Parteifreunde an der Basis im Schwarzwald Sie hart attackieren, weil Sie für das umstrittene Pumpspeicherkraftwerk Atdorf sind? Ein Vorgeschmack darauf, was passiert, wenn die Energiewende konkret wird?
Es geht nicht um Spaß, sondern um Überzeugungen. Ich war schon als Oppositionspolitiker dafür, Pumpspeicher zu bauen. Das ist eine ausgereifte und erprobte Technologie. Das habe ich damals auch in Atdorf gesagt. Und jetzt wieder. Wo diese Technologie zum Einsatz kommt, ob in Atdorf oder anderswo, ist immer eine Frage der Abwägung.
Unkonventionelle Energiegewinnung
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Unkonventionelle Energiegewinnung
Erdwärme-Kraftwerke, wie dieses im mecklenburgischen Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust, das 2003 offiziell ans Netz ging, arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Das Geothermie-Kraftwerk nutzt 97 Grad heißes Tiefenwasser aus der Erdkruste und erzeugt jährlich 1.400 Megawattstunden Strom für bis zu 500 Haushalte.
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Auch sogenannte Biogasanlagen ermöglichen es, alternative Energien zu gewinnen. Eines steht in Schwedt in der neuen Anlage des Betreibers Verbio. Die Biogasanlage nahm im März offiziell ihren Betrieb auf. Die Technik wird schon an vielen Stellen genutzt.
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Hier werden nur Reststoffe verwertet. Die Produktionsstätte ist mit einer bestehenden Anlage des Unternehmens zur Bioethanol-Herstellung gekoppelt. Die Biogasanlage kostete nach Unternehmensangaben rund 40 Millionen Euro. und erzeugt rund 30 Megawatt Strom.
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Zu den unkonventionellen Methoden der Energiegewinnung zählen Aufwindkraftwerke. Ihre gigantischen Ausmaße machen sie für Europa wenig geeignet: Bis zu 1000 Meter hoch und 100 Meter breit müssen sie sein. An ihrem Fuß soll ein fast fünf Kilometer großes Glasfeld die von der Sonne im Boden erzeugte Hitze zum Turm in der Mitte leiten und die dort integrierten Turbinen antreiben.
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Mit dieser Technik können 200 Megawatt Strom pro Turm erzeugt werden. Allerdings wohl eher in unbewohnten Wüstenregionen. Eine Anlage kostet bis zu 800 Millionen Euro.
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Eine der ältesten Formen der Energiegewinnung ist Wasserkraft. Das geht jedoch nicht nur durch Staustufen sondern auch mit Gezeitenkraftwerken wie hier in St. Malo (Archivbild). Ebbe und Flut lassen den Wasserstand um bis zu zehn Meter schwanken. Spitzenleistung liegt bei 240 Megawatt.
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Einen ganz anderen Weg beschreiten Druckluftkraftwerke. Weltweit gibt es erst zwei, eins davon in Huntdorf bei Bremen. Es verfügt über eine Leistung von 321 Megawatt.
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Bei Solnova 1 bündeln Spiegel in Form von Parabolrinnen das Sonnenlicht in einem Rohr und heizen das darin zirkulierende Spezialöl, das sogenannte Wärmeträgermedium, auf. Ein anderer Weg besteht darin, das Sonnenlicht von zahlreichen flachen Spiegeln auf einer kleinen Fläche an der Spitze eines oft mehr als 100 Meter hohen Turmes zu bündeln. Vermutlich werden unterschiedliche Technologien im Rahmen des visionären Projekts Desertec zum Einsatz kommen: Das Projekt sieht vor, Strom solarthermischer Kraftwerke aus Nordafrika nach Europa zu übertragen.
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Alternative Energien sind auf dem Vormarsch. Manche sind gerade erst in der Entwicklung, andere längst eingeführt. FR-online.de zeigt die Möglichkeiten der Technik und die Perspektiven auf. Pumpspeicher-Kraftwerke, wie das Hohenwarte II-Kraftwerk in Thüringen, arbeiten mit Wasser. Das seit 1966 laufende Spitzenlastkraftwerk hat eine Leistung von 320 Megawatt Elektroenergie. Zu Zeiten von geringem Elektroenergieverbrauch wird Wasser von einem Unterbecken in das Oberbecken gepumpt, zu Zeiten mit hohem Energiebedarf strömt das Wasser aus dem Oberbecken wieder in das Unterbecken und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.
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dpa/dpaweb
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Stromerzeugung in Deutschland
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Stromerzeugung in Deutschland
Der Ausstieg aus dem Atomstrom könnte schneller erfolgen als geplant. Die Grafik zeigt die Anteile des Atomstroms bis 2019 - die Folgegrafik geht weiter....
Foto: FR/Galanty
Bis 2030 könnte aller Strom aus erneuerbaren Energieformen stammen.
Foto: FR/Galanty/Kühl
Das Atommoratorium und Wartungsarbeiten führten im Mai 2011 zu der kuriosen Situation, dass nur sechs Atomkraftwerke am Netz waren. Dennoch brach nirgends die Stromversorgung zusammen. Die Fakten im Einzelnen....
Noch am 12. März 2011 halten sich Atomkraftwerke und Braunkohle die Waage...
Am 2. Mai sank die Stromerzeugung insgesamt und der Anteil der AKW erheblich.
Gehandelt wird der Strom an der Leipziger Börse EEX zum stündlichen Kauf. Die Grafik zeigt die Preisentwicklung.
Dabei ist die Herstellung unterschiedlich teuer - am günstigsten ist Braunkohle.
Windkraft zählt zu den teureren Energiegewinnungsformen ist aber viel umweltverträglicher. Geeignete Standorte dafür gibt es vor allem in Norddeutschland.
Der Strom für deutsche Steckdosen kommt aus verschiedenen Quellen: Braunkohle, Gas, Steinkohle und Uran (AKW). Damit der Strom alle Haushalte erreicht gibt es Stromtrassen - doch deren Kapazität reicht laut Experten nicht aus. Daher sind neue Stromtrassen vor allem für erneuerbare Energien geplant.
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Pipeline am Meeresboden
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Vor der Verlegung am Meeresboden werden die Rohre gereinigt und getestet auf ihre Funktionsfähigkeit - wie hier in Richmond, North Yorkshire
Foto: www.nord-stream.com
Fertige Rohre lagern unter anderem auf der deutschen Insel Rügen und werden dort bei Bedarf auch von direkt von Schiff zu Schiff verladen bei Mukran.
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Auf dem Verlegeschiff Solitaire lagern 22 Tonnen Rohre für die neue Pipeline.
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Die Solitaire ist das weltgrößte Verlegeschiff - deshalb muss es beim Passieren der Brücke über den Großen Belt auf dem Weg zur Baustelle seinen Topmast entfernen - und selbst dann bleiben nur drei Meter Platz über dem Schiff unter der Brücke.
Hier werden Rohre auf die Solitaire verladen. Ihr großes Fassungsvermögen macht sie unabhängiger von Anschlußlieferungen.
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Vor Ort werden die Rohre montiert und unter Wasser verschweißt. Dabei helfen Tauchroboter und menschliche Taucher.
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Bis durch diesen Stahl das Gas für deutsche Heizungen fließen kann, vergeht viel Zeit. Europipe - eine deutsch-russische Firma - produzierte die ersten Röhren für die Nord Stream Pipeline von Greifswald nach Wyborg.
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Windkraft vor deutschen Küsten
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Windkraft vor deutschen Küsten
Für den Windpark BARD gibt es ein Errichterschiff: Hier fährt es im Hafen von Emden auf vier Stelzen hoch. Mit spezieller Technik soll der Windpark vor der Insel Borkum gebaut werden.
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Im Sommer 2010 waren die drei ersten Windräder des einhundert Kilometer nordwestlich von Borkum (Kreis Leer) entstehenden Windenergieparks BARD Offshore 1 fertig.
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Zur Zeit wird am Rysumer Nacken an der Emsmündung gebaut - hier wird ein neuer Generatortyp in emden für den Transport vorbereitet. Dessen Windräder sollen einen Rotorkreisdurchmesser von 120 Metern haben und im April ihren Dienst zur Probe aufnehmen.
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Dafür werden die alten Generatorgondeln per Kran demontiert.
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...und die riesigen Rotoren (Februar 2011).
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Auch riesige Rohre werden für die Windparks vor Borkum verladen, wie hier im Hafen Lubmin.
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Um die Fundamente der Windräder zu bewegen sind Schwimmkräne nötig.
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Die Fundament-Rohre sind rund 430 Tonnen schwer und 85 Meter lang.
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Doch was Technikfans begeistert, hat auch viele Kritiker, sogar von beamteter Seite. Denn einige Windparks sollen in den Zuggebieten von Seevögeln entstehen - die dadurch vertrieben werden könnten.
Foto: Alpha Ventus
Zu den von Windkraftanlagen und Schiffahrt betroffenen Arten gehören der Prachttaucher...
Foto: wiki commons/ Robert Bergman / US Fish and Wildlife Service
...und der Sterntaucher - hier mit Küken (Archivbild)
Foto: wiki commons/David Karnå
Während die Vögel von den Rotoren der Windräder gestört werden, haben die etwa 1,80 groß werdenden Schweinswale (Phocoena phocoena) ein ganz anderes Problem mit den Windparks.
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Sie ertragen den Baulärm nicht, wenn Maschinen die Fundamente in den Meeresboden rammen. Aus einigen Gebieten haben sie sich daher schon zurückgezogen.
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Das Bundesamt für Naturschutz wirft den Betreibern vor, das Problem mit dem Baulärm nicht in den Griff zu bekommen. Das Problem: Viele Anlagen wurden genehmigt, bevor Erkenntnisse über Auswirkungen auf Vögel und Tiere vorlagen.
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Vor der deutschen Küste zur Nordsee entstehen immer mehr große Windkraftanlagen. Die erste Offshore-Anlage war Alpha Ventus, die im November 2010 ihren ersten Geburtstag feierte. Weil die Windparks auf spezialisierte Schiffe zur Versorgung angewiesen sind, hoffen die nahegelegenen Werften auf neue Aufträge.
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Die Grünen dort sind stinksauer.
Einige Leute schon. Ich kann Sie auch verstehen. Als gelernter Landschaftsplaner weiß ich, was es heißt, wenn man direkt von solch massiven Eingriffen betroffen ist. Aber: Es liegt aber doch auf der Hand, dass wir in einem Elektrizitätssystem mit hohen Anteilen von Wind- und Solarstrom auch Kurzzeit-Speicher wie Atdorf brauchen, um das Netz stabil zu halten. Damit mache ich mir nicht nur Freunde. Aber ich halte das aus.
Bleibt das Netz den auch stabil, wenn 2019 und 2022 die beiden letzten von früher fünf baden-württembergischen AKW vom Netz gehen?
Dafür müssen wir arbeiten, denn damit fallen noch einmal knapp 3000 Megawatt in der Grundlast weg. Projekte wie Atdorf gehören dazu. Ich habe keine Lust, 2019 und 2022 erneut wie in diesem Jahr die Debatte zu führen, ob wir Kernkraftwerke als Kaltreserve brauchen, um einen Blackout zu verhindern.
Der Atomstromanteil in Baden-Württemberg ist bereits von 50 auf 30 Prozent gesunken. Wo kriegen Sie den Strom denn jetzt her?
Auf jedem Fall nicht aus französischen oder tschechischen Kernkraftwerken, wie immer behauptet wird. Meist kommt er aus andern Bundesländern. Und wenn mehr Strom zum Beispiel aus Frankreich fließt, ist es fast immer Kohlestrom. Der CO2-Ausstoß steigt deswegen aber nicht, weil er im Kraftwerkssektor EU-weit gedeckelt ist.
Baden-Württemberg war schon früher Strom-Importland, jetzt gilt das noch mehr. Wird das so bleiben?
Mittelfristig ja. Wir wollen möglichst viel Ökostrom selbst produzieren, aber ein großer Teil muss von den geplanten Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee kommen. Unser Stromkonzern EnBW hat bereits einen dieser Parks gebaut.
Sind Sie froh, dass die frühere CDU/FDP-Landesregierung EnBW-Anteile gekauft hat? Nun können Sie dort schalten und walten...
Wir haben den Kauf immer kritisiert. Er war verfassungswidrig, das hat der Verfassungsgerichtshof gerade bestätigt. Und er war mit knapp fünf Milliarden Euro viel zu teuer, es war pures Abenteurertum der Mappus-Regierung. Nun haben wir den Job, den Konzern zukunftsfähig zu machen.
Wie denn? EnBW schreibt Verluste, weil der Konzern zwei AKW-Blöcke abschalten musste.
Wenn Sie sich die Bilanz der EnBW ansehen, wird deutlich, dass es neben dem Atomausstieg weitere Faktoren gibt, die zu den Verlusten geführt haben. Das vorweg. Jetzt braucht die EnBW erst einmal eine neue Strategie und ein neues Image, weg vom Atom- und Kohlestrom-Konzern. Daran arbeiten wir zusammen mit der Konzernspitze. Das Unternehmen muss viel mehr in erneuerbare Energien investieren, das ist klar.
In der Unternehmensspitze wird erwogen, Beteiligungen zu veräußern, darunter Teile des Stromnetzes. Das ist sicher ein zu gehender Weg, um an Kapital zu kommen. Die Frage, ob Geld vom Land kommt, ist im Moment kein Thema. Zunächst braucht die EnBW eine tragfähige Strategie.
Ist Konzernchef Villis denn weiterhin der richtige Mann für den Job? Er war früher ein glühender Atomfan.
Das entscheidet der EnBW-Aufsichtsrat. Villis' Vertrag läuft im Herbst 2012 aus. Üblicherweise bekommt ein Konzernchef ein Jahr vorher ein Signal, es dürfte also bald kommen.
Sie arbeiten gut mit ihm zusammen?
Ich rede regelmäßig mit ihm, ja.
Sie wollen die Windkraft pushen - von derzeit einem Prozent Anteil am Stromverbrauch auf zehn Prozent bis 2020. Früher hieß es immer: In Baden-Württemberg weht zu wenig Wind.
Das war Unsinn. Es gibt bei uns viele Standorte, da weht der Wind wie an der Nordsee, Und die Bürger ziehen mit. Seit Fukushima und dem Atomausstieg hat sich das Klima gewandelt. Die Mehrheit ist für Windparks: Zwei Bürgerbefragungen sogar in der Tourismus-Region Schwarzwald haben das gerade gezeigt. Sie wurden gemacht im Münstertal und im Glottertal, da, wo Dr. Brinkmann seine Schwarzwald-Klinik hatte. Wir machen jetzt Regionalkonferenzen in allen Regionen in Baden-Württemberg, um für die neue Strategie zu werben.
Wie nehmen Sie den Leuten die Angst vor der Verspargelung?
Es wird keine Wildwuchs geben, wir streben an, die Anlagen konzentriert in Vorranggebieten zu bauen. Zwei bis 2,5 Prozent der Fläche reichen dafür. Wichtig ist zudem, dass die Kommunen und Bürger an der Planung beteiligt werden und die Einnahmen auch bei ihnen landen. Für Kommunen bedeutet das zum Beispiel Gewerbesteuereinnahmen.
Haben Sie denn genug Unterstützung für die Energiewende durch den Bund?
Grundsätzlich stimmen die Rahmenbedingungen. Bei der Windkraft sollte man nachjustieren, damit der Ausbau an Land besser gefördert wird. Nötig sind auch bessere Regelungen für Gaskraftwerke mit effizienter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Die brauchen wir zur Ergänzung der Ökoenergien. Ich appelliere dringend an Bundesumweltminister Röttgen, ein neues KWK-Gesetz vorzulegen. Sonst läuft es nicht.
Röttgen soll ja auch ein neues Gesetz zur Suche nach einem Atom-Endlager erarbeiten. Sie selbst wollen, dass auch Baden-Württemberg dafür untersucht wird. Da erwartet Sie Ärger.
Wir müssen doch, anders als damals in Fall Gorleben, von einer weißen Deutschland-Karte ausgehen. Das heißt: Alle müssen sich beteiligen, auch wir Baden-Württemberger. Wir können uns nicht wegducken. Wir müssen bundesweit den bestgeeigneten Standort finden. Ich habe dazu gerade einen Vorschlag an Röttgen und meine Länderkollegen geschickt. Wir brauchen einen breiten Konsens, so wie beim Atomausstieg
Sollte Gorleben mit in der Auswahl bleiben?
Ich würde Gorleben streichen, es spricht sehr viel gegen den Standort. Aber um den Konsens auch mit Union und FDP zu bekommen, wird man ihn wohl drin lassen müssen.
Niedersachsen schlägt vor, den Atommüll rückholbar zu lagern, um ihn vielleicht später mit neuen Technologien unschädlich zu machen – zum Beispiel in einem alten AKW oder einem Militär-Bunker. Ein Alternative?
Nein, das lehne ich strikt ab. In Zeiten von Terrorismus und unsicherer Weltlage verbieten sich solche Überlegungen. Das Zeug muss so eingelagert werden, das es für abertausende Jahre sicher ist und es auch keiner mehr herausholen kann.