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Kernenergie: Sofortiger Atomausstieg möglich

Eingemottete Kernkraftwerke: Ein sofortiger Atomausstieg wäre möglich, Stromausfälle und mehr Klimagase aber die Folge.

Atomkraft ist nach wie vor eine der umstrittensten Energieformen. Im Bild das AKW in Grundremmingen.
Atomkraft ist nach wie vor eine der umstrittensten Energieformen. Im Bild das AKW in Grundremmingen.
Foto: ddp

Die Atomkonzerne drohen damit, ihre Kraftwerke abzuschalten, falls die Sondersteuer der Bundesregierung zu hoch ausfällt. Sollen sie doch, schallt es ihnen von den Gegnern der Kernkraft entgegen. Nur: Was würde dann passieren? Gehen die Lichter aus in Deutschland? Bei einem sofortigen Ausstieg würde es zumindest knapp. Denn dann fehlen rund 20 000 Megawatt Leistung im Stromnetz. Immerhin entspricht das einem Viertel der Jahreshöchstlast, also des maximalen Stromverbrauchs in Deutschland.

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), sagt: "Eine gewisse Reserve bietet der deutsche Kraftwerkspark ohnehin. Zusätzlich würden alte, eingemottete Kraftwerke wieder in Betrieb genommen, um die akute Lücke zu füllen." Dazu könnte mehr Strom aus dem Ausland importiert werden, allerdings bilden die Verbindungsleitungen einen Engpass. "Ein Notfallplan müsste her. Insgesamt entstünde eine kritische Versorgungssituation, bei der es durchaus Stromausfälle im Winter geben könnte", sagt Kohler.

Darüber hinaus würden die Kohlendioxidemissionen kräftig ansteigen. Ohne Atomkraftwerke sind auch die ineffizientesten Kohlekraftwerke viel in Betrieb, die derzeit bei niedrigerem Bedarf als erstes vom Netz gehen. Für den Klimaschutz wäre das ein großer Rückschritt, die CO2-Emissionen würden deutlich ansteigen.

Würden nur die ältesten acht Meiler schnell vom Netz genommen, wie dies Greenpeace fordert, ließe sich die Situation dagegen mit dem derzeitigen Kraftwerkspark und den in Bau befindlichen Gas- und Kohlekraftwerken beherrschen, meint Kohler. "Diese acht Kernkraftwerke würden ja ohnehin innerhalb weniger Jahre vom Netz gehen, wenn es beim vereinbarten Atomausstieg bleibt."

Ersetzt werden die Kernkraftwerke in den kommenden Jahren vor allem durch erneuerbare Energien. Deren Anteil an der Stromerzeugung soll bis 2020 laut Bundesregierung auf knapp 40 Prozent steigen. Gleichzeitig sind aber auch neue konventionelle Kraftwerke und dazu Stromspeicher nötig, die Strom liefern können, wenn Flaute herrscht und Wind- und Sonnenkraftwerke keine Elektrizität liefern. In der Branche wird von der "Residuallast" gesprochen. "Hocheffiziente Gaskraftwerke sind dafür die Lösung", sagt Kohler. Diese würden allerdings die Stromkosten nach oben treiben.

Wann die neuen Gaskraftwerke benötigt werden, hängt aber vom Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Kernkraft ab. Gehen schnell viele Meiler vom Netz, müssen laut Kohler schon ab 2015 viele neue Gasanlagen zum Ausgleich gebaut werden. "Wird der Atomausstieg gekippt, lässt sich der Zeitpunkt etwa auf 2023 oder 2024 verschieben."

Wie hielten sie's mit der Atomkraft?

Bildergalerie ( 8 Bilder )
Autor:  Jakob Schlandt
Datum:  17 | 8 | 2010
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