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Energiewende
Nachrichten zur Energiewende

02. Juni 2014

Kohle aus Kolumbien: Unter Kohlenstaub

 Von 
Wie im Sandkasten: Minenfahrzeuge in der größten offenen Steinkohlemine Cerrejon.  Foto: Oliver Ristau

In Deutschland boomt der Kohlestrom – auch dank billiger Importe aus Schwellenländern wie Kolumbien. Doch während internationale Konzerne in Südamerika gute Geschäfte machen, leiden Bauern unter Ernteausfällen und Krankheiten, protestieren Arbeiter gegen schlechte Bezahlung.

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Es grenzt an ein Wunder, dass die baufälligen Holz- und Wellblechhütten nicht zusammenbrechen. Ganz dicht stehen sie an den Gleisen und ihre dünnen Wände zittern, wenn die Waggons vorbeidonnern. „Das Schlimmste ist der dauernde Lärm“, ruft einer der Männer, der auf dem schmalen Weg zwischen seiner Baracke und dem Schienenstrang sitzt. Für ein paar Minuten, die die mehr als 100 Güterwaggons brauchen, um das Dorf Orihueca im Norden Kolumbiens zu passieren, ist jede Unterhaltung sinnlos – viel zu laut.

Der Reichtum, den sie befördern, geht genauso an den Menschen vorüber. Die Waggons sind bis zur Unterkante gefüllt mit Steinkohle aus den kolumbianischen Tagebauminen der Provinz César 300 Kilometer landeinwärts. Ihr Ziel sind die Exporthäfen an der Karibikküste, keine 20 Kilometer entfernt. „Hundertmal am Tag geht das so“, sagt der Mann, dem die Hälfte seiner Zähne fehlt. Alle 15 Minuten rattert ein Kohlezug leer oder beladen über die einspurige Strecke – 160 000 Tonnen pro Tag, wie die kolumbianische Eisenbahngesellschaft Fenoco vorrechnet. Jedes Gramm davon fährt durch Orihueca. Denn es gibt nur diese eine Linie zwischen Césars Kohlegruben und den Häfen am Meer.

Sie fahren auch für Deutschland durch die Hitze. Rund zwölf Prozent der kolumbianischen Kohle wird in deutschen Kraftwerken zur Stromgewinnung verfeuert. Und der Bedarf wächst weiter. Im vergangenen Jahr hat Deutschland nach Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen vier Prozent mehr Steinkohle verheizt als 2012. Jede fünfte Kilowattstunde wurde mit Steinkohle erzeugt – mehr als mit Wind, Wasser und Sonne zusammen. Die Importe kolumbianischer Kohle haben sich 2013 innerhalb von zehn Jahren auf zehn Millionen Tonnen verdreifacht, wie das Statistische Bundesamt schreibt. Mittlerweile sind nur noch Russland und die Vereinigten Staaten wichtiger, um Deutschlands Kohlehunger zu stillen.

Offen durch die Hitze: Kohletransport in Richtung Karibik bei Cienaga.  Foto: Oliver Ristau

Dank der starken Nachfrage verdient auch die internationale Minenindustrie blendend, die den Sektor in Kolumbien fest im Griff hat. So weisen der größte Kohleförderer des Landes, die Schweizer Rohstofffirma Glencore Xstrata, für 2013 und ihre kolumbianische Kohle-Tochter Prodeco einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 250 Millionen Euro aus – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

In Orihueca kommt davon außer Staub nichts an. Als der Zug durchgefahren ist, springen Kinder zum Spielen auf die Gleise. An der Küste, in der Hauptstadt der Provinz Magdalena, Santa Marta, sitzt Rafael Pacheco in seinem einfachen Büro. Gegen das gleißende Sonnenlicht und die Hitze sind die Rollos heruntergelassen, Neonlampen flackern. „Es kommt an den Strecken immer wieder zu tödlichen Unfällen“, berichtet der stämmige Kolumbianer, der im Auftrag des Bischofs von Santa Marta als Sozialarbeiter durch die Provinz reist. „Gerade von Kindern.“.

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