Umweltminister Norbert Röttgen spielt Doppelpass. Seine Ansage: Wenn Erneuerbare beim Strommix einen Anteil von 40 Prozent erreicht haben, brauchen wir die Atomkraft nicht mehr. Dem Christdemokraten ist durchaus zuzutrauen, dass er die Zahl nicht aus der Luft gegriffen hat. Prompt haben sich denn auch aus der Tiefe des Raums die Lobbyisten der erneuerbaren Energie gemeldet. Deren Message: Das mit den 40 Prozent schaffen wir schon vor 2020.
Die Pointe beim Doppelpassspiel: Kernkraft versus Erneuerbare - das funktioniert nach dem Prinzip kommunizierender Röhren. Wächst die Menge des Ökostroms, wird weniger Atomstrom benötigt. So wird automatisch die Laufzeit der Atomkraftwerke verlängert; denn es dauert dann länger, die ihnen zugewiesenen Reststrommengen aufzubrauchen.
Die 40 Prozent sind bis 2020 locker zu schaffen. Nur, die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Ein Element ist die direkte Förderung der Erneuerbaren. Hinzu kommen muss, dass sich die Bundesregierung zu eben jenem Atomkonsens bekennt, den einst Rot-Grün aushandelte und der die Reststrommengen festlegte.
Schon allein die Diskussion über Ausweitung der AKW-Laufzeiten hat viele fortschrittliche Kraftwerksprojekte und den Umbau der Energiewirtschaft gebremst. Röttgen spricht gern von der Kernkraft als Brückentechnologie. Diese Brücke kann recht kurz sein. Es braucht eine Grundsatzentscheidung: keine zusätzliche AKW-Laufzeitverlängerung.
Röttgen muss allerdings auch Wirtschaftsminister Brüderle davon überzeugen, dass er nicht dazwischengrätscht. Was - zugegeben - der schwierigere Teil der Aufgabe sein dürfte.
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