Als Schnellboote sind Energiekonzerne nicht bekannt. Entscheidungen dauern, Veränderungen sind unbeliebt. Da ist es kein Wunder, dass auch die Windkraft Zeit braucht, um sich bei Eon und Co zu etablieren. Das ist ein Grund dafür, dass hierzulande noch keine Windparks im Meer existieren, dass Flaute herrscht, obwohl die ersten Projekte vor acht Jahren genehmigt wurden.
Der andere Grund ist die technische Unvereinbarkeit von erneuerbaren Energien und Technologien wie Kohle - und Atomkraft. Denn je mehr Windkraft ins Netz kommt, desto öfter müssen fossile Meiler gedrosselt werden.
Neuinvestitionen sind da von vornherein kaum wirtschaftlich. AKW sind außerdem unflexibel und kaum regelbar. Ihr Weiterbetrieb beschränkt potenziell den Ausbau der Windkraft.
Das muss die Bundesregierung wissen, wenn sie mit der Industrie über die Verlängerung der Atomlaufzeiten verhandelt. Sonst bleiben die Ankündigungen von Wirtschaftsminister Brüderle und Umweltminister Röttgen zum Ausbau der Hochsee-Windkraft und zur Schaffung eines europäischen Nordseenetzes reine Lippenbekenntnisse. Je mehr Atomenergie, desto weniger potenzieller Windstrom lautet die Formel.
Zugleich könnten die Konzerne versucht sein, die potenziellen Windparks als Verhandlungsmasse für längere Laufzeiten der Atommeiler einzusetzen.
Einen solchen Kuhhandel mit der Zukunft der Energieversorgung darf es nicht geben, denn sonst drohen Nachteile für Verbraucher, Energiesicherheit und Klimaschutz. Deshalb müssen die Gespräche unter Beteiligung aller relevanten Energieexperten stattfinden.