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Kommentar zur Solar-Förderung: Der Abschlag ist nötig

Entwickler legen sich wegen der hohen Hilfen zurück; die Solartechnik ist nicht mehr top. Das Schmuckstück Erneuerbare-Energien-Gesetz muss weiterentwickelt werden. Von Frank-Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Die Zeiten der Pioniere sind vorbei - auch in der Solarbranche. Wir haben es mit börsennotierten Unternehmen zu tun. Es geht um Renditeerwartungen. Und da haben Controller und Finanzvorstände einen Weg gefunden, die Margen kurzfristig zu erhöhen: Sie fahren die Investitionen in Forschung und Entwicklung massiv zurück.

Möglich machen es die gesetzlich vorgeschriebenen hohen Einspeisevergütungen auf dem weltweit wichtigsten Solarmarkt, dem deutschen. Dadurch lässt sich auch noch überteuerte Technik losschlagen, die längst nicht mehr auf dem neuesten Stand ist.

Können das Umweltschützer und alle anderen Freunde der erneuerbaren Energie wirklich wollen? Nein. Es gilt so schnell wie möglich, das technische Potenzial auszuschöpfen.

Denn wir müssen möglichst bald die sogenannte Netzparität erreichen. Das bedeutet, der Strom vom Solardach wird dann so viel kosten, wie der Strom aus der Steckdose.

Das ist notwendig, um die Verhältnisse in der Energiewirtschaft zum Tanzen zu bringen. Deshalb muss das Schmuckstück deutscher Industriepolitik, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, weiterentwickelt werden.

Eine entscheidende Komponente hat bislang gefehlt. Es gab nur eine unzureichende Rückkopplung zur Markt- und Preisentwicklung - genau das hat die Innovationskraft erlahmen lassen.

Umweltminister Norbert Röttgen holt Versäumtes nach: Je mehr Anlagen in einem Jahr hinzu kommen, was darauf hindeutet, dass die solare Stromerzeugung hoch rentierlich ist, umso stärker werden die Einspeisevergütungen gekürzt.

Noch wichtiger ist: Erlahmt das Geschäft, fällt die Absenkung der Vergütung geringer aus. Das stabilisiert. Leider kommt das neue Instrument mit reichlich Verspätung. Deshalb ist der zusätzliche Abschlag nötig.

Doch das muss ein einmaliger Fall bleiben. Denn nun werden vor allem Eigenheimbesitzer verunsichert, die eine Anlage auf dem Hausdach planen. Verwerfungen am Markt werden nicht ausbleiben.

Vergleichbares darf sich selbst in größeren Abständen nicht wiederholen. So etwas verkraftet irgendwann auch das innovativste Unternehmen nicht mehr.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  20 | 1 | 2010
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