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Kommentar zur Solarförderung: Mit Augenmaß

2011 toppte beim Solaranlagen-Neubau sogar das alte Rekordjahr 2010. Jetzt darf der Solarmarkt aber nicht abgewürgt werden.

Grüne Träume werden wahr. Solaranlagen liefern schon mehr als drei Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms. Rechnerisch können fünf Millionen Haushalte mit dem Saft aus den blausilbernen Zellen versorgt werden − oder das ganze Bundesland Thüringen. Einen solchen Boom hätte noch vor wenigen Jahren keiner erwartet. 2011 toppte beim Solaranlagen-Neubau sogar das alte Rekordjahr 2010. Im Dezember hatten die „Solateure“ beim Installieren auf den Dächern mehr zu tun als jemals zuvor.

Allerdings: Die Gefahr, dass aus dem Traum ein − finanzieller − Alptraum wird, ist durch die Jahresend-Rallye wieder größer geworden. Bis vor kurzem sah es noch so aus, als würde sich die Zuwachskurve bei der Photovoltaik abflachen und der Ökostrom-Aufschlag, den jeder Stromkunde berappen muss, bei 3,5 Cent pro Kilowattstunde einpendeln. Nun droht diese Grenze gerissen zu werden. Gegensteuern ist nötig − aber nicht mit der Brechstange.

Letzteres Instrument wollen der Wirtschaftsflügel der Union und FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler ansetzen. Seit Monaten fighten sie dafür, den Anlagen-Zubau strikt zu deckeln – bei 500 oder 1000 Megawatt pro Jahr, wo zuletzt 7500 installiert wurden. Die Folgen kann man sich vorstellen: Der deutsche Solarmarkt würde abgewürgt, und es drohte der komplette Exitus der ohnehin durch die erstarkte chinesische Konkurrenz gebeutelten hiesigen Hersteller. Resultat: Operation gelungen, Patient tot.

Das scheidet also aus. Trotzdem darf die Solarförderung nicht unbezahlbar werden. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) muss ein Konzept vorlegen, wie die Vergütungssätze noch schneller und flexibler nach unten angepasst werden können, falls der Solarboom 2012 wieder aus dem Ruder läuft. Aber es muss auch mit Augenmaß geschehen.

Spätestens 2013 wird der Solarstrom vom Dach billiger sein als der Haushaltspreis für Normalstrom. Dann beginnen neue Zeiten. Denn in vielen Fällen wird die Förderung der Netzeinspeisung über die Öko-Umlage nicht mehr nötig sein, der Strom wird vor Ort gleich selbst verbraucht. Und die Gefahr, dass die Umlagekosten durch die Decke gehen, sinkt dann automatisch.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  10 | 1 | 2012
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